Freitag, 9. Dezember 2016

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Anlageskandal S&K überwies 200.000 Euro an Kritiker

Finanznachrichtendienst "Gomopa": Sechsstellige Zahlung von S&K

Bis zur Razzia Mitte Februar überzog die unter Betrugsverdacht stehende S&K-Gruppe ihre Kritiker mit Klagen. Jetzt kommt raus: Einem der hartnäckigsten Gegner überwies die Firma zwischendurch eine sechsstellige Summe.

Hamburg - Im Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen der Frankfurter S&K-Gruppe spielt offenbar auch deren Verhältnis zum Finanznachrichtendienst "Gomopa" eine Rolle. Die Nachrichtenplattform mit Redaktionssitz in Berlin hatte 2012 begonnen, kritisch über die S&K-Gruppe zu berichten. S&K hatte daraufhin behauptet, es sei eine Kampagne gegen die inzwischen unter Betrugsverdacht stehende Firmengruppe im Gange, bei der "Gomopa" eine entscheidende Rolle spielte.

Folge: "Gomopa" zog gegen S&K vor Gericht. Im August 2012 untersagte das Landgericht Frankfurt den S&K-Gründern Stephan S. und Jonas K., den Finanznachrichtendienst weiterhin der "Erpressung" zu bezichtigen (Az. 2-28 O 388/12).

Damit gaben sich die Frankfurter Immobilienjongleure aber nicht zufrieden. Sie überzogen "Gomopa" in der Folge mit Unterlassungsklagen wegen deren kritischer Berichterstattung. Nach Angaben von "Gomopa"-Chef Klaus Maurischat waren es bis heute bis zu 40 Klagen an rund 20 deutschen Landgerichten. Den Streitwert beziffert Maurischat dabei auf bis zu drei Millionen Euro.

"Gomopa" hielt seine Leser im Laufe der Monate über die Rechtstreitigkeiten mit S&K auf dem Laufenden. Auch nachdem sich die Lage für S&K nach der Razzia Mitte Februar dramatisch zugespitzt hatte, wurde ausführlich über die Klagen und die millionenschwere Schadensersatzforderung berichtet.

Der S&K-Skandal in Kürze
Gegen Verantwortliche der Frankfurter S&K-Gruppe wird wegen des Verdachts auf Anlagebetrug im großen Stil ermittelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist durch ein sogenanntes Schneeballsystem Tausenden Investoren ein Schaden in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe entstanden. Das Geld sei für den exzessiven Lebenstil der Beschuldigten verwendet worden. Von Letzteren war bislang keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu bekommen.
Im Rahmen einer Großrazzia durchsuchten am 19. Februar rund 1200 Beamte bundesweit an 130 Orten Wohn- und Geschäftsräume von S&K sowie deren Partnerfirmen. Die Schwerpunkte der Aktion Lagen in Hessen, Hamburg und Bayern. Dabei wurden sechs Hauptverdächtige festgenommen, darunter die S&K-Chefs Stephan S. und Jonas K.. Insgesamt wird laut Justiz gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt. Bei ihrer Razzia stellten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft mehr als 16.000 Asservaten sicher, darunter etwa ein Dutzend Luxussportwagen, säckeweise Bargeld, Computer und Aktenmaterial.
Angeblich außergerichtlich vereinbarte Wiedergutmachung

Was dabei allerdings unerwähnt blieb: Tatsächlich zahlte S&K an "Gomopa"-Chef Maurischat im Oktober 2012 eine Summe von 200.000 Euro. Der Zahlungsbeleg dafür liegt manager magazin online vor. In E-Mails, die zwischen "Gomopa"-Chef Maurischat, den S&K-Chefs sowie deren Anwalt im Umfeld der Zahlung ausgetauscht wurden, und die manager magazin online ebenfalls vorliegen, bezeichnet S&K-Chef Köller die Summe als "Schutzgeld".

Nach Angaben von "Gomopa"-Chef Maurischat dagegen handelt es sich dabei um eine außergerichtlich vereinbarte Wiedergutmachung von S&K an "Gomopa" sowie einen dritten an dem Streit Beteiligten. Letzterer habe auch den Großteil der 200.000 Euro erhalten, nämlich 125.000 Euro. Die Zahlung sei in der Berichterstattung bislang nicht erwähnt worden, weil zwischen den Parteien darüber Stillschweigen vereinbart worden sei.

Nach Informationen aus dem S&K-Umfeld wurde seinerzeit auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft von der Zahlung informiert. Die Behörde teilt auf Anfrage nun mit, sie könne Fragen zum Thema "Gomopa" derzeit nicht beantworten.

Die Beschuldigten in der Causa S&K sind nach wie vor nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Für sie gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

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