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22. Februar 2013, 12:39 Uhr

Wahl in Italien

Börsenschreck Berlusconi

Von Arne Gottschalck

Italien wählt am Sonntag und Montag eine neue Regierung. Käme Silvio Berlusconi zurück an die Macht, sehen etliche Experten schwarz nicht nur für Italiens Aktien. Ein Comeback des Cavaliere käme für Euro-Land zu einem höchst kritischen Zeitpunkt.

Hamburg - Ein Gespenst geht um in Europa - ein Gespenst namens Silvio Berlusconi. Denn was wäre, wenn der 76jährige "Cavaliere" tatsächlich wieder an die Macht käme? Würde er die Sparzusagen Italiens kassieren, den Reformkurs seines Vorgängers Mario Monti wieder zurückdrehen, würde er das Land gar aus der Währungsunion führen? Politiker und Investoren blicken mit bangem Blick nach Rom, auch in Deutschland.

"Die Aufholjagd Berlusconis bei den Wahlumfragen hat sich als Last für den italienischen Aktienmarkt erwiesen", sagt Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank. So rechnen Umfragen derzeit für sein Mitte-Rechts-Bündnis aus "Popolo del Libertà" und Lega Nord mit zwischen 28 bis 30 Prozent der Stimmen. Der Vorsprung der Demokratische Partei (PD) und der Sinistra, Ecologia, Libertà (SEL) - 32 bis 37 Prozent der Stimmen sollen für sie stimmen - ist damit geschrumpft. "Neben einer starken Marketingoffensive half Berlusconi der Skandal um die Monte Dei Paschi di Siena", erklärt Alberto Chiandetti, Fondsmanager des Fidelity Italy Fund.

Die Verbindungen des Mitte-Links-Bündnisses zu dieser Bank "haben es den Gegnern leicht gemacht, negative Stimmung gegen den Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani zu machen." Diese Entwicklung hat bereits jetzt Folgen an der Börse. "Während die meisten Indizes nahe ihrem Jahreshöchststand notieren, hat die italienische Börse seit Ende Januar rund 8 Prozent verloren", sagt Hartmann.

Kritischer Zeitpunkt für die Euro-Zone

Die Börsen lahmen, wenn das Gespenst bloß umgeht - was wäre erst los, wenn Berlusconi tatsächlich an die Macht käme? Politische Unsicherheit können die Finanzmärkte nicht vertragen. Entsprechend sorgt die Psychologie dafür, dass die Nervosität steigt.

Ein Comeback Berlusconis "würde das zurück gewonnene Vertrauen der Anleger wieder aufs Spiel setzen", sagt Hartmann. Berlusconi hat Reformer Monti diffamiert, hat eine geplante Amnestie für Steuersünder als Fortschritt verkauft. "Das zerklüftete politische System in Italien sorgt dafür, dass wir schon oft an dieser Stelle waren", sagt Graham Wainer, Global Head of Investments der Managed Portfolios bei GAM. "Aber sicherlich noch nie zu solch einem so kritischen Zeitpunkt für die Eurozone."

Und tatsächlich geht es nicht nur um Italien. Ein Sieg Berlusconi könnte schon bald den nächsten Großeinsatz der EZB erfordern.

Neuer Ruf nach der EZB verschreckt globale Investoren

Läuft Italien aus der Spur, droht auch der europaweite Kurs bei der Lösung der Schuldenkrise aus dem Lot zu geraten. "Steigende Risikoaufschläge, schwaches Wachstum und unpopuläre Sparprogramme wären eine hochgiftige Kombination - und würden den neuen Status der EZB als 'lender of last resort' einem Test unterziehen", warnt GAM-Fondsmanager Graham Wainer.

Ein erneuter Ruf nach einem Hilfseinsatz der EZB wäre keinesfalls im deutschen Interesse, da die Bundesrepublik für rund 20 Prozent des EZB-Haushalts geradesteht.

Berlusconi verkörpert vieles, was Investoren nicht mögen. Sprunghaftigkeit, Launenhaftigkeit, der Vergangenheit verhaftet ING-Aktienstratege Patrick Moonen mahnt daher: "Berlusconis Sieg wird in absoluten Zahlen negative Folgen auch für deutsche Aktien haben, weil die globale Aversion gegen die Euro-Zone zunehmen würde."

Die Psychologie der Märkte

"Sollte Mario Monti nicht Teil einer neuen Regierung sein, könnte dies das Vertrauen internationaler Investoren auf die Probe stellen", ergänzt Neil Dwane, CIO Europe bei Allianz Global Investors. "Die von der Regierung Monti auf den Weg gebrachten Sparmaßnahmen und Strukturreformen - Lockerung des Kündigungsschutzes, Deregulierung einiger Wirtschaftszweige sowie Bürokratieabbau - werden erst langsam ihre Wirkung entfalten. Ein Wiederaufschnüren der Reformpakete wäre daher ein falsches Signal und würde wieder gewonnenes Vertrauen erschüttern."

Das beste Signal für Aktien wäre also eine klare Wahlniederlage Berlusconis. Beobachter erwarten für diesen Fall eine Kursrally italienischer Aktien, die die Schatten der Vergangenheit vergessen machen könnte. Auch das ist Börsenpsychologie.


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