Samstag, 1. August 2015

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Wahl in Italien Börsenschreck Berlusconi

Fare una bella figura: Eine gute Figur machen, darauf achtet Silvio Berlusconi sehr. Weniger achtet er dagegen auf die Wettbewerbsfähigkeit Italiens

2. Teil: Neuer Ruf nach der EZB verschreckt globale Investoren

Läuft Italien aus der Spur, droht auch der europaweite Kurs bei der Lösung der Schuldenkrise aus dem Lot zu geraten. "Steigende Risikoaufschläge, schwaches Wachstum und unpopuläre Sparprogramme wären eine hochgiftige Kombination - und würden den neuen Status der EZB als 'lender of last resort' einem Test unterziehen", warnt GAM-Fondsmanager Graham Wainer.

Ein erneuter Ruf nach einem Hilfseinsatz der EZB wäre keinesfalls im deutschen Interesse, da die Bundesrepublik für rund 20 Prozent des EZB-Haushalts geradesteht.

Berlusconi verkörpert vieles, was Investoren nicht mögen. Sprunghaftigkeit, Launenhaftigkeit, der Vergangenheit verhaftet ING-Aktienstratege Patrick Moonen mahnt daher: "Berlusconis Sieg wird in absoluten Zahlen negative Folgen auch für deutsche Aktien haben, weil die globale Aversion gegen die Euro-Zone zunehmen würde."

Die Psychologie der Märkte

"Sollte Mario Monti nicht Teil einer neuen Regierung sein, könnte dies das Vertrauen internationaler Investoren auf die Probe stellen", ergänzt Neil Dwane, CIO Europe bei Allianz Global Investors. "Die von der Regierung Monti auf den Weg gebrachten Sparmaßnahmen und Strukturreformen - Lockerung des Kündigungsschutzes, Deregulierung einiger Wirtschaftszweige sowie Bürokratieabbau - werden erst langsam ihre Wirkung entfalten. Ein Wiederaufschnüren der Reformpakete wäre daher ein falsches Signal und würde wieder gewonnenes Vertrauen erschüttern."

Das beste Signal für Aktien wäre also eine klare Wahlniederlage Berlusconis. Beobachter erwarten für diesen Fall eine Kursrally italienischer Aktien, die die Schatten der Vergangenheit vergessen machen könnte. Auch das ist Börsenpsychologie.

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