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20.02.2013
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Heiztechnik
Wenn die Wärmepumpe zur Kostenfalle wird

Von Arvid Kaiser

Wärmepumpen: Revival der Stromheizung
Fotos
DPA

Die meiste Energie verwenden die Deutschen zum Heizen. Binnen weniger Jahre sind Wärmepumpen zur zweitwichtigsten Technik im Markt aufgestiegen, weil sie Kosten senken und zugleich die Umwelt schonen könnten. Doch nicht immer gehen diese Versprechen auf. Ein Erfahrungsbericht.

Hamburg - Drei Finger erhoben, Daumen und kleiner Finger eingeklappt, so geht der Gruß der Wärmepumper. Die drei Finger stehen für "sparsam, komfortabel, zukunftssicher", propagiert der Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Es gibt auch "Wärmepumper des Jahres": Leute wie Andreas Schäfer aus dem schwäbischen Zwiefalten, der seine Heizung mit den Worten "plüschig warm, kuschelig gut, bärenstark" lobt - und dazu die drei Finger streckt.

Was wie eine obskure Sekte wirkt, ist eine der großen Hoffnungen der Energiewende. Denn mehr als die Hälfte der Energie nutzen wir zum Heizen, meist mit Gas oder Öl. Hat die neue Technik im Bestand noch einen verschwindend geringen Anteil, wird schon jede vierte Neubauwohnung mit einer Wärmepumpe beheizt. Die wird zwar mit Strom betrieben, was nicht unbedingt sparsamer und ökologischer ist als Öl oder gar Gas, vervielfacht die Energie aber mit in der Umwelt gespeicherter Wärme: im Boden, im Wasser, in der Luft oder auch mal im Abwasser.

Auch ich könnte mich Wärmepumper nennen, seit meine Familie ein Haus mit bereits installierter Wärmepumpe bewohnt. Mit dem Drei-Finger-Gruß wird man mich aber nicht sehen, und auch keine Lobhudelei lesen wie die über meine (überwältigend positiven) Erfahrungen mit einem Erdgasauto.

Nicht nach der ersten Jahresstromabrechnung im neuen Haus. Im Nachhinein erscheint es mir selbst naiv, aber die Nachforderung von einigen Tausend Euro war ein Schock. Der Versorger hatte bis dahin nur den Haushalts-, nicht den Heizstrom abgerechnet, und die bereits gezahlte Summe erschien uns hoch genug für alles.

Drei haltlose Versprechen

Wir mussten uns erst vorrechnen lassen, dass die Heizkosten in einem Haus unserer Größe auch mit modernem Gasbrennwertkessel wohl noch höher ausfielen - restlos überzeugt bin ich davon immer noch nicht. Auf Werbeseiten der Wärmepumpenindustrie verbreitete Aussagen, "dass sich die Heizkosten ab dem ersten Tag nahezu halbieren", sehe ich jetzt jedenfalls mit anderen Augen.

Sicher, Heizöl wurde 2012 im Durchschnitt um 10 Prozent teurer, Erdgas um 5 Prozent. Doch die Strompreise der Haushalte stiegen zuletzt noch stärker, die Nachttarife für Heizgeräte besonders.

Komfort ist eine weitere Werbeformel. "Stellen Sie die Wärmepumpe nicht gerade an die Schlafzimmerwand", empfiehlt die Stiftung Warentest. Das ist sehr freundlich formuliert. Das "leise Summen" ist zumindest in unserem Fall eher ein lautes Brummen - was aber auch beruhigen kann: So versichern wir uns nachts öfter, dass die Anlage noch läuft.

Gern wird die Wärmepumpe auch als wartungsfrei beworben. Der Aufwand für den Monteur am Gerät mag tatsächlich vergleichsweise gering sein, aber jährlich nachschauen muss er doch - und weil der nächste Experte für unser Modell eine Anreise von 150 Kilometern hat, schlägt so ein Termin mit 500 Euro zu Buche, selbst wenn nichts zu tun ist.

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