Mittwoch, 2. September 2015

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Altersvorsorge Börsensteuer wird private Renten drücken

Neue Belastung für die private Rente: Die geplante Finanztransaktionssteuer könnte die Riester-Zulagen auffressen

Die Steuer auf Wertpapiergeschäfte wird die Renditen von Riester- und Betriebsrenten empfindlich schmälern. Sie könnte die staatlichen Zulagen sogar aufzehren, zeigt eine Studie. Eine Steilvorlage für die Assekuranz - doch die beschwichtigt. Das hat Gründe.

Hamburg - Noch ist nichts in trockenen Tüchern, doch die elf EU-Staaten meinen es ernst: Die Steuer auf den Handel mit Wertpapieren soll kommen, vermutlich schon im Jahr 2014. Jetzt sollen die Verursacher der Finanzkrise zahlen und sich an ihren Kosten beteiligen.

Nach dem Entwurf der EU-Kommission müssen auch Versicherer oder Pensionsfonds die geplante Transaktionssteuer zahlen. Etwa wenn sie Aktien und Anleihen kaufen oder verkaufen, um daraus Erträge für ihre Kunden zu erwirtschaften. Das gefällt der Branche überhaupt nicht. Sieht sie sich doch mehr als Opfer der Krise denn als Täter. Zugleich betont die Assekuranz immer wieder, dass sie angesichts ihrer Verpflichtungen das Geld der Kunden langfristig und konservativ anlegt.

Risikoreiche Geschäfte, die auf den kurzfristigen Kursgewinn abzielen, verbieten sich damit, betont die Versicherungswirtschaft. Tatsächlich haben Lebensversicherer die durchschnittliche Restlaufzeit ihrer Anlagen zuletzt auf gut zehn Jahre ausgeweitet. In der Schaden- und Unfallversicherung, die wegen ihrer kurzfristigeren Verpflichtungen das Geld der Kunden weniger langfristig anlegt, sind es unter fünf Jahre.

Risikoreichere Aktien spielen bei der Kapitalanlage der Erst- und Rückversicherer mit einer Quote von 2,7 Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Zwar nutzen Versicherer auch Derivate, um Wertpapiergeschäfte abzusichern oder in der Lebensversicherung komplexe, weniger werthaltige Garantien neuartiger Produkte abzubilden. Diese Finanzderivate, die als Beschleuniger der Finanzkrise galten, kämen aber vergleichsweise selten zum Einsatz, wie ein Kapitalanlageexperte der Branche versichert. Offizielle Zahlen dazu gibt es jedoch nicht.

GDV: Altersvorsorge nicht mit Transaktionssteuer belasten

Nicht zuletzt mit Blick auf die defensive und langfristig orientierte Kapitalanlagestrategie der Versicherungswirtschaft fordert ihr Interessenverband GDV, Wertpapiergeschäfte, die der Altersvorsorge dienen, von der Transaktionssteuer zu befreien.

Die ablehnende Position hat einen weiteren Grund. So befürchtet die Branche, deren Kapitalerträge wegen des niedrigen Zinsniveaus tendenziell fallen, dass die geplante Steuer die Ergebnisse der Kapitalanlage und damit auch die Auszahlungen an die Kunden zusätzlich drücken wird.

"Die Finanztransaktionssteuer verringert die Rendite der privaten und betrieblichen Altersvorsorge", ist GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth überzeugt. Denn die zusätzliche Steuer würde die Kosten für Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds, Pensionskassen und anderer Einrichtungen der betrieblichen und privaten Altersversorgung in die Höhe treiben. Es sei "paradox", wenn der Staat die Altersvorsorge einerseits durch Zulagen fördere und andererseits die Bürger indirekt über die geplante Transaktionssteuer wieder zur Kasse bitte, kritisiert der GDV.

Doch wie hoch ist die Belastung für die Vorsorgesparer wirklich? Der GDV bleibt eine Antwort schuldig. Der Kapitalmarktforscher Professor Christoph Kaserer von der TU München dagegen glaubt die Antwort zu kennen.

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