Freitag, 16. November 2018

Crowdsourcing Volkes Intelligenz nutzen

Die Weisheit der Massen bündeln: Crowdsourcing kann erfolgreich sein, wenn engagierte Personen die Innovationsmarktplätze koordinieren

Unternehmen versuchen, die Weisheit der Massen zu nutzen. Auch Mittelständler wagen sich an "Crowdsourcing" heran. Wie sich Fehler vermeiden lassen, erklärt Fraunhofer-Expertin Sabine Brunswicker. Ihre Mahnung: Auch die hauseigenen Entwickler müssen offen sein.

mm: "Crowdsourcing" - die Intelligenz der Masse zu nutzen - scheint der neueste Hype in den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen zu sein. Im aktuellen manager magazin beschäftigen wir uns in einem Report damit. Taugt eine Befragung der Internet-Surfer tatsächlich als Innovationsbeschleuniger?

Brunswicker: Sicher. Es gibt diverse erfolgreiche Beispiele. Immer mehr Unternehmen öffnen ihre Innovationsprozesse für Außenstehende. Das Prinzip, neuartige Produkte und Dienste nicht nur geheim im hauseigenen Labor auszutüfteln, sondern dabei mit Externen - etwa mit Wissenschaftlern oder mit Kunden - zu kooperieren, existiert seit rund zehn Jahren. Crowdsourcing ist nur ein neue Art, Partner für open innovation zu finden. Aber längst nicht alle Versuche sind erfolgreich.

mm: Crowdsourcing taugt nicht für alle Unternehmen?

Brunswicker: Ob dabei Nützliches herauskommt, hängt vor allem davon ab, wie gut eine Aktion gemanagt wird. Es haben zwar schon etliche Unternehmen sehr erfolgreich im Netz nach neuen Ideen gefischt. Der Beiersdorf-Konzern zum Beispiel macht gute Erfahrungen mit seiner Plattform "Pearlfinder". Andere aber fahren ihre Aktivitäten schon wieder zurück, weil die Ergebnisse den Aufwand nicht rechtfertigten.

mm: Welche Unternehmen sind denn enttäuscht von ihren Crowdsourcing-Initiativen?

Brunswicker: Mittelständler beginnen erst, sich ans Crowdsourcing heranzuwagen, und verbrennen sich dabei gelegentlich die Finger. Aber auch Konzerne wie Henkel Börsen-Chart zeigen sind mit fehlgeleiteten Aktionen schon schlecht gefahren.

mm: Woran scheitern die Unternehmen bei der Ideenrecherche im Web?

Brunswicker: Der größte Fehler ist es, nach dem Heiligen Gral zu suchen. So wie der Maschinenbauer, der dachte, im Internet endlich die ultimative Lösung für das schmierlose Getriebe zu finden. Das Unternehmen erhielt zwar einige prinzipiell interessante Vorschläge. Doch passten die überhaupt nicht zur hauseigenen Technologie und den internen Entwicklungsprozessen.

mm: Wer zu allgemein fragt, bekommt also keine passenden Antworten. Wie sollten Unternehmen ein Problem formulieren, das ihnen die Netzgemeinde lösen soll?

Brunswicker: Entscheidend ist es, ein allgemeines Geschäftsproblem in eine konkrete technische Fragestellung zu übersetzen. Dabei sollte das Unternehmen in dem relevanten Bereich zumindest über eine gewisse Vorkompetenz verfügen. Das heißt, die hauseigenen Entwickler müssen enthüllen, was sie schon wissen. Nur dann können sie auch mit wirklich sachdienlichen Hinweisen aus der Crowd rechnen.

mm: Kein Wunder, dass vor soviel Offenheit gerade Mittelständler zurückschrecken. Die fürchten doch nichts mehr, als ihr Know-how zu offenbaren.

Brunswicker: Der richtige Umgang mit geistigem Eigentum zählt zu den großen Herausforderungen bei der offenen Innovation. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Informationssucher ihre Geschäftsgeheimnisse wahren wollen. Auch die Crowdsourcing-Teilnehmer haben Angst, dass ihre Ideen gestohlen oder missbraucht werden könnten. Deshalb ist es ganz wichtig, dass die IP-Rechte fair behandelt werden. Kein Partner darf sich über den Tisch gezogen fühlen.

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