Montag, 5. Dezember 2016

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Versicherungen Ratenzahlung kommt Riester-Sparer teuer

Verlust auf Raten: Die meisten Kunden zwacken vom Gehalt monatlich Geld für die Riester-Rente ab. Die monatliche Prämienzahlung ist deutlich teurer als der einmal überwiesene Jahresbeitrag - das gilt nicht nur für Riester-Policen.

Millionen Riester-Sparer entrichten ihre Prämie monatlich. Versicherer lassen sich das teuer bezahlen - mit versteckten Zinsen von bis zu 15 Prozent. Laut BGH müssen sie diese wohl auch künftig nicht ausweisen. Verbraucherschützer laufen Sturm.

Hamburg - Lebens-, Hausrat-, Haftpflicht-, Kfz-Versicherung. Viele Kunden zahlen ihre Beiträge halbjährlich, quartalsweise oder monatlich. Was die meisten nicht wissen oder ignorieren: Wegen des höheren Verwaltungsaufwandes erheben die Versicherer je nach Zahlungsweise dafür einen Ratenzuschlag zwischen 2 und 5 Prozent. Zumeist sind es "nur" ein paar Euro mehr im Monat, aufsummiert über alle Policen und die Zeit kann das aber viel ausmachen.

Verbraucherschützern sind die Ratenzahlungszuschläge schon länger ein Dorn im Auge. Weniger wegen der Tatsache als solcher, sondern vielmehr, weil kaum ein Versicherer über die Zuschläge informiere und erst recht nicht über den effektiven Jahreszins, der sich aus den Raten und den darauf entfallenden Ratenzuschlägen ergibt.

Agierten die Versicherer hier transparenter, wären viele Kunden schwer überrascht und würden ihre Zahlweise wohl umstellen.

Ein Rechenbeispiel: Der Jahresbeitrag für eine Lebensversicherung beträgt 1200 Euro, der Anbieter erhebt für die halbjährliche Zahlweise einen Ratenzahlungszuschlag von 2 Prozent. Der Kunde überweist im Voraus je Halbjahr also 612 Euro an seinen Versicherer. Tatsächlich lässt sich der Anbieter die halbjährliche Überweisung mit einem Effektivzinssatz von 8,33 Prozent "vergüten".

Entrichtet der Kunde seine Lebensversicherungsprämie nun monatlich (100 Euro), erhebt der Versicherer einen üblichen Ratenzuschlag von 5 Prozent, die Monatsrate klettert damit auf 105 Euro, und der effektive Zinssatz klettert auf stolze 11,35 Prozent.

"Solche Taschenspielertricks im Kreditgeschäft längst verboten"

Mitunter langen Versicherer noch kräftiger zu, liegen die effektiven Zinssätze deutlich höher, wie einzelne Anbieter im Streit mit aufgeklärten Kunden offenbar selbst einräumen. In einem Blog zitiert ein Kunde aus dem Antwortschreiben seines Kfz-Versicherers wie folgt: "Bei Inanspruchnahme der möglichen Ratenzahlung wird ein Zuschlag in Ihrem Vertrag berücksichtigt. Dieser entspricht einem effektiven Jahreszins von 12,37 Prozent bei halbjährlicher Zahlung und 14,04 Prozent bei vierteljährlicher Zahlung."

Der "Preis" für die Prämienzahlung in Raten liegt also deutlich höher als besagte Zuschläge von 2,3 oder 5 Prozent. "Nur klärt kein Versicherer darüber auf, wie man es im Zuge seiner Informationspflichten eigentlich erwartet. Wir haben es mit Taschenspielertricks zu tun, die bei Verbraucherkrediten schon längst verboten sind seit es Preisangabenverordnungen gibt", ärgert sich Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BdV).

Der Verweis auf die verpflichtende Preisangabenverordnung im Kreditgeschäft kommt nicht von ungefähr. Juristische Kommentatoren und einzelne Landgerichte sind der Auffassung, dass es sich bei Prämienzuschlägen für unterjährige Zahlung bei zugleich jährlicher Versicherungsperiode um einen entgeltlichen Zahlungsaufschub handelt - diese Praxis also der Darlehensvergabe rechtlich gleich steht.

Verbraucherschützer verlangen Rückzahlung und Widerrufsrecht

Aus dieser Perspektive müsse ein Versicherer als "Darlehensgeber" seine Kunden über den effektiven Jahreszins präzise informieren - wie es Kreditinstitute auch tun, argumentieren Verbraucherschützer. Tut er dies nicht, könne der Versicherte seinen Vertrag rückwirkend widerrufen, ist die Verbraucherzentrale Hamburg überzeugt.

Zumindest aber könne der Kunde eine Anpassung des effektiven Zinssatzes auf die dann gesetzlich festgelegten 4 Prozent fordern und "zuviel" bezahlten Beitrag zurückverlangen - rückwirkend wohlgemerkt.

Bestärkt sehen sich Verbraucherschützer in dieser Auffassung, weil sie entsprechende Prozesse auf Langerichtebene bislang für sich entscheiden konnten. Zwar verlor die Verbraucherzentrale Hamburg die Verfahren vor den jeweils nächst höheren Oberlandesgerichten, leitete in mehreren Fällen aber die Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Dort liegen die Fälle und harren ihrer Entscheidung.

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