Dienstag, 17. Juli 2018

Wirtschaftsmoral "Unlautere Methoden"

Justus Haucap: Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf

Justus Haucap über Bauernfänger und Wasserbetten

mm: Immer öfter beklagen Unternehmen, dass sie in eine Abhängigkeit von bestimmten Dienstleistern geraten und dann abgezockt werden. Liegt unmoralisches Verhalten im Trend?

Haucap: Es ist schwer zu ermitteln, ob unlautere Methoden zunehmen oder ob wir dank Internet nur eher merken, dass wir einen zu hohen Preis gezahlt haben. Fest steht, dass es den sogenannten Lock-in-Effekt schon lange gibt: Der Anbieter weiß, dass er den Kunden ausnehmen kann, wenn er ihn erst einmal am Haken hat, weil dessen Wechselkosten zu hoch sind. In der Bauindustrie ist das ein klassisches Muster, auch bei Software ist der Lock-in-Effekt groß - denken Sie an Microsoft oder SAP.

mm: Sind Unternehmen nicht besser gegen Bauernfänger gefeit als private Verbraucher?

Haucap: Man sollte meinen, dass sie ein professionelleres Einkaufsverhalten an den Tag legen als Privathaushalte. Aber es ist auch für Unternehmen eine ökonomische Frage: Wie viele Ressourcen stecke ich in das Vergleichen verschiedener Angebote? Irgendwann ist das nicht mehr sinnvoll. Dann treffe ich als Manager eben eine unperfekte Entscheidung.

mm: In vielen Branchen wächst der Konkurrenzdruck und damit die Verführung, die Kunden zu täuschen. Haben wir gar zu viel Wettbewerb?

Haucap: Das würde ich nicht sagen. Bei schwachem Wettbewerb ist es für die Kunden ja eher schwieriger, zur Konkurrenz abzuwandern. Dann habe ich als Anbieter eher noch weniger Anreize, ehrlich zu sein. Allerdings kann es in sehr kompetitiven Branchen wie dem Lebensmittelhandel auch zum Wasserbetteffekt kommen. Das heißt: Ein Unternehmen knöpft das, was es bei einem Kunden verloren hat, dem nächsten Kunden wieder ab. Die Bottom Line stimmt dann wieder. Wie stark dieser Effekt ist, das ist in der ökonomischen Forschung allerdings noch heiß umstritten.

mm: Was ist gefährlicher für einen gesunden Wettbewerb: unmoralisches Handeln oder übermäßige Regulierung?

Haucap: Zu viel Regulierung. Wenn wir in Vertragsbeziehungen eingreifen, um Betrug zu verhindern, bremsen wir auch Innovation. Das führt zu einer Kartellierung des Marktes. Was im Privatbereich eine gute Idee sein kann, um den Verbraucher zu schützen, ist im B2B-Bereich eher eine Gefahr.

Zum Haupttext: Wirtschaftsmoral - Tatort Büro

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