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18.01.2013
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Compliance-Studie
Mittelstand kaum vor Rechtsbruch geschützt

Statue der Justizia: Kleine Mittelständler haben Nachholbedarf
DPA

Statue der Justizia: Kleine Mittelständler haben Nachholbedarf

Deutschlands Mittelständler schützen sich laut einer Umfrage nur unzureichend vor Compliance-Risiken. Während nur 10 Prozent der befragten Manager keine Compliance-Risiken in ihrer Firma sehen, verzichtete die Mehrheit der Mittelständler auf einen Compliance-Verantwortlichen.

Düsseldorf - Mittelständische Unternehmen in Deutschland sind einer aktuellen Befragung zufolge erheblichen rechtlichen Risiken ausgesetzt. Von den befragten 137 Managern mittelständischer Unternehmen sahen nur etwa zehn Prozent keine Compliance-Risiken in ihrer Firma, wie aus einer Studie der Einkaufsberatung Kloepfel Consulting hervorgeht. Unter Compliance versteht man die Einhaltung von Regeln und Gesetzen in Unternehmen.

71,5 Prozent der Befragten sahen Risiken durch Verstöße gegen Gesetze und Richtlinien im Einkauf, zwei Drittel sahen dies im Vertrieb und knapp ein Drittel im Bereich Forschung und Entwicklung.

Doch drei Viertel aller Unternehmen bis 200 Mitarbeiter haben überhaupt keinen Compliance-Verantwortlichen, bei den mittleren verzichten 62 Prozent auf einen solchen Experten, und bei 18,8 Prozent der großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern fehlt er ebenfalls.

Die Studie zeige, "dass trotz hohen Problembewusstseins die konsequente Umsetzung von Compliance-Strukturen in deutschen Unternehmen immer noch erheblich vernachlässigt wird und zudem Rücklagen für Compliance-Schäden kaum gebildet werden", sagt Rechtsanwalt Carsten Zimmermann, verantwortlich für Recht & Compliance bei der Kloepfel Consulting GmbH.

Dabei schätzen die Manager den Nutzen von Compliance-Regeln durchaus als hoch ein. 37,2 Prozent der Befragten bewerten die Wirkung von Compliance-Maßnahmen auf das Unternehmensimage und die Vermeidung von Schadensfällen als gut bis sehr gut. Nur 8,8 Prozent waren der Ansicht, dass dadurch Schadensfälle kaum vermieden und das Unternehmensimage wenig verbessert werden könne.

Die Folgen für Unternehmen im Falle eines Schadens können erheblich sein: So drohen bei Kartellverstößen empfindliche Strafen, die sogar existenzbedrohend sein können. Schon die fehlende Struktur in Unternehmen zur Verhinderung solcher Verstöße könne für verantwortliche Organe von Unternehmen zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben, warnt Zimmermann.

Die Existenz der Firma steht auf dem Spiel

Ein Beispiel ist der Feuerwehrgerätehersteller Ziegler aus Giengen an der Brenz in Baden-Württemberg. Ziegler hatte Preisabsprachen mit drei anderen Herstellern getroffen und bekam deshalb vom Bundeskartellamt im Jahr 2011 eine Geldbuße von acht Millionen Euro aufgebrummt, die zur Insolvenz führte. Derzeit laufen die Geschäfte zwar wieder. Von einstmals über 1000 Mitarbeitern sind allerdings nur noch 850 übrig.

Aber auch die großen Konzerne mussten nach unseriösem Geschäftsgebaren ordentlich Federn lassen. Für den größten Schmiergeldskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sorgte Siemens. Am 15. November 2006 durchsuchten Hunderte Polizisten und Justizbeamte Büros in München, Erlangen und Österreich. Auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro verdächtige Zahlungen stießen die Ermittler.

Der Bus- und Lastwagenbauer MAN zahlte in zahlreichen Ländern Millionensummen an Entscheidungsträger, um an öffentliche und private Aufträge zu kommen. Beim Autohersteller Daimler entdeckten Ermittler in mindestens 22 Ländern Schmiergeldzahlungen.

Die Strafen waren immens: Siemens zahlte an US-Behörden und deutsche Justiz 1,2 Milliarden Euro. MAN musste 237 Millionen Euro für Bußgelder und Steuernachzahlungen aufbringen. Daimler einigte sich in einem Vergleich auf eine Summe von 185 Millionen Dollar.

krk/dapd

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