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18.01.2013
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Aufsichtsräte in der Kritik
Kammer-Flimmern

Von Arne Gottschalck

Angeschlagen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat das Misstrauensvotum überstanden - doch den Vorsitz des Aufsichtsrats im Flughafen Berlin-Brandenburg hat er abgeben müssen.
DPA

Angeschlagen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat das Misstrauensvotum überstanden - doch den Vorsitz des Aufsichtsrats im Flughafen Berlin-Brandenburg hat er abgeben müssen.

HSH, Flughafen Berlin-Brandenburg, ThyssenKrupp: In vielen Unternehmen knirscht es. Und Deutschlands Aufsichtsräte können es anscheinend nicht verhindern. Zufall - oder Zeichen einer tiefergehenden Krise?

Hamburg - Der eine geht, der andere kommt. Klaus Wowereit hat den Posten als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg an Matthias Platzeck übergeben. Die Probleme indes, vor allem das Planungschaos, bleiben. Auch in anderen Unternehmen steht der Aufsichtsrat unter Druck.

Bei ThyssenKrupp zum Beispiel wird bereits vereinzelt der Kopf von Gerhard Cromme verlangt. Kritiker werfen dem Chefaufseher des Unternehmens unter anderem vor, zu saumselig auf die Probleme mit dem Stahlwerksbau in Brasilien reagiert zu haben. Und Hilmar Kopper, Aufsichtsratchef bei der HSH Nordbank, macht Thomas Mierow Platz - vermutlich unter anderem wegen des Streits um den Abfindungsvertrag mit Ex-Vorstand Dirk-Jens Nonnenmacher. Ist die Institution Aufsichtsrat zur Farce verkommen? Die Beispiele scheinen dafür zu sprechen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

So schlecht, wie die genannten Fälle es nahelegen, sind Deutschlands Aufsichtsräte nicht, sagt Peter Ruhwedel, Professor an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Duisburg. "Es kam auch bereits in der Vergangenheit zu Unternehmensschieflagen, die Aufsichtsräte in die Kritik gebracht haben", sagt er. Doch "durch die aktuelle Finanz und Wirtschaftskrise hat sich das Klima verschärft und eine insgesamt kritischere Haltung gegenüber Führungskräften der Wirtschaft trägt zu einer besonderen Sensibilität bei Fehlverhalten bei."

Manager-Schelte ist derzeit populär - und Aufsichtsräte stehen jenen Managern nun einmal nahe. Trotzdem will Ruhwedel sie nicht pauschal entlasten. Beispiel Hauptstadtpannenflughafen Berlin: "Die Vorfälle um den Flughafen Berlin-Brandenburg scheinen ein Paradebeispiel für das Versagen von Politikern in Aufsichtsräten zu sein: Fehlender Sachverstand, zu wenig Zeit, Angst vor negativer Presse, ein zu starkes Vertrauen in den Vorstand und die fehlende Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder haben mit zu dem Desaster beigetragen. Es ist zu spät, erst jetzt eine tragfähige Führungsstruktur und eine verlässliche Informationsbasis für den Aufsichtsrat zu schaffen, so dass sich die Frage nach der persönlichen Verantwortung aller Aufsichtsratsmitglieder stellt. Politisches Kalkül dominiert anscheinend unternehmerischen Sachverstand!" Und Sachverstand braucht es einiges für die Aufgabe als Aufsichtsrat.

Finanzen und Fähigkeiten

"Ein guter Aufsichtsrat verbindet zweierlei Fähigkeiten", sagt Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Asset Management. "Die fachliche Qualifikation auf der einen Seite und die Kenntnis der Corporate Governance auf der anderen. Leider überwiegt häufig das eine oder das andere - ein ausgewogener Mix wäre wünschenswerter." Das Dilemma hat schon der deutsche Gesetzgeber vorhergesehen, wenn auch nicht gelöst.

Der Aufsichtsrat soll den Vorstand überwachen, so legt es Paragraf 111 des Aktiengesetzes (AktG) fest. Damit ihm das überhaupt möglich ist, müssen seine Mitglieder bestimmte Voraussetzungen erfüllen. "Der Aufsichtsrat ist so zusammenzusetzen, dass seine Mitglieder insgesamt über die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen verfügen", heißt es da. Denn wer kennt beispielsweise das Bankgeschäft besser als ein Banker, so der Gedanke dahinter. Doch warum Ex-Deutsch-Banker Hillmar Kopper und dann ehemals Aufsichtsratschef der HSH Nordbank der Ausgestaltung der Millionenabfindung für deren Ex-Vorstand Nonnenmacher zustimmte, bleibt sein Geheimnis. Zu den Fähigkeiten tritt noch eine weitere Eigenschaft, die einen guten Aufsichtsrat auszeichnet.

Er sollte persönlich unabhängig sein, so FOM-Professor Ruhwedel. Das gilt nicht nur für seine finanzielle Unabhängigkeit; es sollten auch sonst keine Abhängigkeiten bestehen, die seine Entscheidungen beeinflussen könnten. Erst so kann er dem Vorstand - den er ja kontrollieren soll - auf Augenhöhe gegenübertreten." Entsprechend sollten die Aufsichtsräte auch ausgewählt werden. Doch das geschieht nicht.

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