Dienstag, 21. April 2015

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Wachstumsmarkt Milliardenpoker um globalen Flüssiggas-Boom

Von der Quelle zum Verbraucher: Die Wertschöpfung im Erdgasgeschäft
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Linde

Der weltweite Flüssiggasmarkt zählt zu den heißesten Wachstumsfeldern der Old Economy. Aus Deutschland mischt vor allem der Dax-Konzern Linde kräftig mit. Einige Schlüsselbranchen hierzulande dagegen bleiben außen vor - sie überlassen das Milliardengeschäft anderen.

Hamburg - Vom weltweiten Flüssiggasboom profitieren in Deutschland auf jeden Fall 5961 Leute. Das sind die Anleger von vier Schiffsfonds des Emissionshauses Commerz Real (CFB). Die Fonds Nr. 155 bis 158 der CFB investierten 2005 in je einen LNG-Tanker (LNG = Liquefied Natural Gas oder Flüssiggas) - seitdem laufen sie wie am Schnürchen.

Die Commerzbank-Tochter hat offenbar auf das richtige Pferd gesetzt. Der LNG-Markt ist eines der großen Wachstumsfelder des weltweiten Energiegeschäfts und gilt als am schnellsten prosperierender Teil des Gasmarktes. Firmen, die auf dem Gebiet tätig sind, setzen Milliardensummen um.

Hintergrund der rasant steigenden Bedeutung von Flüssiggas ist der wachsende Energiebedarf weltweit sowie die Tatsache, dass vielerorts bestehende Gasfelder allmählich versiegen. Gas muss daher zunehmend über größere Strecken von der Quelle zum Verbraucher befördert werden. Insbesondere bei großen Distanzen kann dabei die Verschiffung in liquider Form wirtschaftlicher sein, als der Transport per Pipeline. Zudem gibt es Abnehmerländer wie Japan, für die eine andere Belieferung aufgrund der Insellage kaum in Frage kommt.

Die wichtigsten Handelsrouten in dem Geschäft verlaufen zurzeit zwischen den großen LNG-Exporteuren wie Katar, Malaysia, Indonesien und immer mehr auch Australien, das in wenigen Jahren weltweit die Nummer eins sein will, auf der einen Seite, und den starken Volkswirtschaften in Fernost auf der anderen. Hauptabnehmer ist gegenwärtig mit großem Abstand Japan, dessen Bedarf aufgrund der Atomkraftdiskussion nach Fukushima noch einmal gestiegen ist. Es folgen Südkorea und Spanien. China begann laut Internationaler Energieagentur (IEA) erst 2006 mit dem Import von Flüssiggas, dürfte aber künftig deutlich an Bedeutung gewinnen.

Experte prophezeit "goldenes Gaszeitalter"

Auch in Europa spielt LNG eine wachsende Rolle. Das Institut Trendresearch in Bremen etwa kam in einer umfangreichen Studie im vergangenen Jahr zu der Einschätzung, dass das Handelsvolumen auf dem alten Kontinent von gegenwärtig rund 15 Milliarden Euro auf rund 25 Milliarden Euro im Jahr 2020 ansteigen wird.

Neben Spanien befindet sich beispielsweise Frankreich auf der IEA-Liste der weltgrößten LNG-Importeure. Insgesamt profitiert Europa davon, dass die USA kaum noch Flüssiggas einführen. Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Jahren ihren Abbau unkonventioneller Gasvorkommen enorm ausgebaut (Stichwort "Fracking"). Inzwischen agieren sie auf dem Weltmarkt weitgehend autark. Die Folge: Ursprünglich für Nordamerika vorgesehenes LNG wird nach Europa umgelenkt und sorgt dort für Druck auf die Gaspreise.

Experten zufolge wird sich der LNG-Boom in den kommenden Jahren unvermindert fortsetzen. Das Bundeswirtschaftsministerium etwa erwartet, dass bis 2030 die Hälfte des internationalen Gashandels über LNG abgewickelt wird. Zum Vergleich: Nach einer Aufstellung des Ölriesen BP entfielen 2009 knapp 28 Prozent aller Gas-Im- und Exporte auf LNG.

Eine Vorstellung vom rasanten Wachstum des LNG-Marktes gab kürzlich auch Frank Chapman, Chef der britischen BG Group. Auf einem internationalen Branchentreffen in London sagte er ein "goldenes Gaszeitalter" voraus. Dabei verwies Chapman unter anderem auf den Vormarsch der Flüssiggastechnik. Der Anteil von LNG an der globalen Gasversorgung werde von heute 10 Prozent bis 2025 auf voraussichtlich 14 Prozent steigen. Aus gegenwärtig 240 Millionen Tonnen Flüssiggas würden damit innerhalb von gut zehn Jahren rund 450 Millionen Tonnen, so Chapman.

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