Luftfahrtmanager magazin RSS  - Luftfahrt

Alle Artikel und Hintergründe


07.01.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Air Berlin
Mehdorns Linie des Versagens

Von Michael Machatschke

Hartmut Mehdorn: Beim Krisenflieger Air Berlin war handfeste Sanierungsarbeit gefragt - das konnte der Manager nicht abliefern
dapd

Hartmut Mehdorn: Beim Krisenflieger Air Berlin war handfeste Sanierungsarbeit gefragt - das konnte der Manager nicht abliefern

Hartmut Mehdorn überlässt den Steuerknüppel der Air Berlin dem Airline-Experten Wolfgang Prock-Schauer. Sein Abgang war unvermeidlich: Der branchenfremde Mehdorn ist an seiner Aufgabe gescheitert - und an sich selbst.

Hamburg - Nun ist er also doch vorzeitig abgetreten, allen Beteuerungen zum Trotz, er werde seinen Vertrag bis Ende 2013 erfüllen. Der jähe Abgang Hartmut Mehdorns als Chef von Air Berlin war unvermeidlich. Unter seiner Führung ist die zweitgrößte deutsche Airline der Gesundung keinen Schritt näher gekommen.

Im Gegenteil: 2012 dürfte die Fluggesellschaft ähnlich hohe Verluste erlitten haben wie im Horrorjahr 2011. Die Verschuldung ist weiter gewachsen, das Unternehmen laviert unverändert am Rande der Bruchlandung.

Dass Mehdorn gescheitert ist, kann eigentlich nicht erstaunen. Von Anfang an war klar, dass ihm die spezifischen Kenntnisse fehlten, die für das hochkomplexe Airline-Business nötig sind. Er hatte nie zuvor in diesem Metier gearbeitet: Seine frühere Tätigkeit bei Airbus klingt zwar nach Fliegerei, hat aber mit dem Geschäft einer Fluggesellschaft nichts zu tun. Genauso gut könnte man behaupten, Kenntnisse in der Produktion von Fußballschuhen befähigten zu einer Anstellung als Mittelstürmer beim FC Bayern München.

Verwunderlich wirkt nur, wie der Verwaltungsrat von Air Berlin Chart zeigen jemals auf die Idee kommen konnte, Mehdorn den Chefposten anzutragen. Offenbar ist das Gremium - ebenso wie Teile der Medien - Opfer eines Trugbilds geworden, das Hartmut Mehdorn seit vielen Jahren kultiviert und an das er inzwischen wohl selbst glaubt. Kernstücke dieses Trugbilds sind zum einen das Verwechseln von grimmigem Gestus mit tatkräftigem, sachgerechten Handeln; zum anderen der Ersatz von Fachwissen durch demonstratives Selbstbewusstsein.

Bei der Deutschen Bahn, der Mehdorn fast zehn Jahre vorstand, konnte er damit noch durchkommen. Das Staatsunternehmen erfreut sich einer großzügigen Alimentierung durch die öffentliche Hand, da hat der erste Mann viel Freiraum für Luftnummern.

Kette von Fehlleistungen

Beim Krisenflieger Air Berlin hingegen war handfeste Sanierungsarbeit gefragt - und Mehdorn vom ersten Tag an überfordert. Die Kette seiner Fehlleistungen begann damit, dass er zunächst gar keinen Notstand erkennen wollte. Statt unverzüglich die Flotte auszudünnen, wie Fachleute es forderten, führte er ein eher kosmetisches Programm seines Vorgängers Joachim Hunold fort.

Anstatt schleunigst zu sparen, pries Mehdorn die Schlankheit der Airline. Womöglich sei Air Berlin sogar zu schlank aufgestellt, phantasierte er. Auch von dem ebenso fragwürdigen wie kostspieligen Beitritt zur Oneworld-Allianz rund um British Airways Chart zeigen wollte er nicht lassen.

Die Rettung wollte er lieber einem großzügigen Geldgeber überantworten. Tatsächlich fand er mit Etihad Airways aus Abu Dhabi einen solventen Investor, der mit fast 30 Prozent einstieg und üppige Kredite gewährte. Die Kernfrage aber blieb ungelöst: Mit welchem Konzept will Air Berlin, dieses merkwürdige Sammelsurium aus Billig-, Ferien- und Linienflug, jemals wieder profitabel werden?

Zuletzt erging sich Mehdorn vor allem in Schuldzuweisungen. Für die Misere machte er die hohen Spritpreise verantwortlich, die Luftverkehrsabgabe, den Pannen-Airport Berlin Brandenburg International und vieles andere.

Hilfreicher wäre ein unverstellter Blick in den Spiegel gewesen. Wer weiß, vielleicht hat Hartmut Mehdorn an den Feiertagen einmal genau diesen Blick gewagt - um jetzt die fällige Konsequenz zu ziehen.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Prognose für 2015 gekappt
Piloten verschärfen die Krise der Lufthansa
Gewinneinbruch
Pilotenstreik trifft Air France-KLM schwer
Empfohlen von "Dr. Beach"
Floridas Top-Strände
Luftfahrt
Das Flugzeug der Zukunft

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?