Dienstag, 11. Dezember 2018

Kooperativen Die Macht der Genossen

Heimliche Macht: Wo Genossenschaften den Markt machen
DPA

3. Teil: Die größten Genossenschaften entstanden als Gegenwehr zu kleinen

Allerdings sind nicht die 306.000 Edeka-Beschäftigten oder die zig Millionen Kunden Besitzer des Handelsreichs, sondern 4500 selbständige Händler des "Unternehmer-Unternehmens". Ähnlich ist Rewe organisiert. Beide wurden in den 20er Jahren gegründet - als Reaktion auf die Konsumgenossenschaften der Arbeiterbewegung, die mit ihrer Marktmacht die Preise verdarben.

Diese Verteidigungshaltung gegen Branchentrends setzt sich bis heute fort. Größere Läden, Selbstbedienung, Internationalisierung, Discounter - stets folgten die Genossen dem Trend und nutzten ihn zu ihrem eigenen Erfolg. Von der ursprünglichen Idee, die klassischen Kaufmannsläden zu bewahren, ist dabei nicht viel übrig geblieben. Rewe brachte die Ambivalenz vor fünf Jahren mit der "Travemünder Deklaration" auf den Punkt. Darin bekannte sich der Handelskonzern zur "auf Dauer angelegten genossenschaftlichen Struktur", aber auch "zur Renditeorientierung".

"Genossenschaften wirtschaften nicht für alle, sondern für ihre Mitglieder", stellt der Jurist Volker Beuthin klar, Direktor des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Marburg. Er kritisiert jedoch, dass diese Botschaft kaum vermittelt werde. "Die genossenschaftliche Wertewerbung bleibt viel zu sehr in allgemeiner Reklame stecken." Beuthin findet etwa in "Wickerts Werten", der Fernsehwerbung der Volks- und Raiffeisenbanken, "nur allgemeine Sittlichkeitsphänomene wie Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen sowie eine nicht weniger belegte Nachhaltigkeit bemüht" - genau wie bei der Konkurrenz. Kein Wunder, dass laut Umfrage der GfK selbst unter den Genossenschaftsmitgliedern nur 71 Prozent über die Besonderheiten ihrer Organisation Bescheid wüssten.

Immerhin zahlt sich die wertebetonte Werbung für die Kreditgenossen aus. Seit Beginn der Finanzkrise hätten die Volks- und Raiffeisenbanken mehr als eine halbe Million neue Mitglieder gewonnen, berichtet DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel. Außerdem hätten sie ihren Marktanteil gesteigert, auf ein Viertel aller Bankeinlagen und 17 Prozent der Firmenkredite, während sich andere zurückzogen. Für sie gehe es "im Gegensatz zu anderen Banken nicht um grundlegende Kurskorrekturen, sondern im Gegenteil eine Schärfung des genossenschaftlichen Profils".

Stappel sieht das genossenschaftliche Geschäftsmodell als "Gegenpol zu den als Ursache der Krise geäußerten Kritikpunkten". Weil die Kunden gleichzeitig Inhaber sind, "entstehen die üblichen Interessenkonflikte nicht". Ganz weiß ist die Weste der Kreditgenossen allerdings nicht. Die Apotheker- und Ärztebank als größte Primärbank der Gruppe musste 2009 auf eine Garantie des Verbands für ihre Risikoinvestments zurückgreifen, auch das Zentralinstitut DZ Bank benötigte eine Milliardengarantie. Schon vor der Krise erlitten Anleger mit geschlossenen Immobilienfonds der genossenschaftlichen DG Anlage oft Totalverlust.

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