Mittwoch, 27. Mai 2015

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Gescheiterte Expansion Russlands bittere Lektionen für Remondis

Remondis: Probleme im vermeintlichen Wachstumsmarkt Russland

2. Teil: Kalte Aussperrung für Remondis

"Die ersten Jahre waren vor allem Lehrjahre für uns", gibt Molodkina zu."Jeden Tag kommt eine neue Lektion auf uns zu". Erschwert werde die Situation durch zu niedrige Müllgebühren, die von den Kommunen gesetzt werden. Für einen Haushalt sind das mitunter weniger als ein Euro im Monat. Remondis geht es wie vielen russischen Unternehmen, die in der Branche tätig sind. Allenfalls die Entsorgung von Müll bringt Gewinn, während die weitere Verarbeitung vor allem Kosten verursacht. Währen zum Beispiel ein Deponiebetreiber im Moskauer Umland vom Abfuhrunternehmer nur umgerechnet zehn Euro für eine Tonne Abfälle verlangt, kostet allein das Sortieren einer Tonne Müll mehr als 30 Euro. Der Verkauf der Wertstoffe deckt kaum die Kosten im rohstoffreichen Russland.

"Deponiebetreiber verdienen unter diesen Umständen am meisten Geld am Müll, weil sie vielerorts Monopolisten sind", erklärt Anton Lipatow, von der Beratung Cleandex. Einige Abfuhrunternehmer kippten ihre Ladung oft einfach in den nächsten Wald, um die Deponiegebühr zu sparen. Die Umweltschutz-Behörde schätzt, dass es im ganzen Land rund 20.000 wilde Müllhalden gibt. Von den 7000 genehmigten entsprechen gerade ein Mal 1500 den geltenden Vorschriften. "Oft lassen Deponiebetreiber auch Sondermüll illegal auf ihren Halden entsorgen, in diesem Fall verdienen sowohl die Besitzer der Halde als auch das Abfuhrunternehmen, weil hier die Müllgebühren für Verursacher groß sind", kritisiert Lipatow.

"Der Staat kümmert sich überhaupt nicht um das Thema Recycling", sagt Alexej Kiseljow Müllexperte bei Greenpeace Russia. "Wir sind wahrscheinlich das einzige Land der Welt, dessen Umweltministerium Recycling offiziell für sinnlos hält", ätzt Kiseljow und spielt auf den russischen Umweltminister an, der kürzlich erklärte, Müllverarbeitung sei in Russland ein "ziemlich sinnloses Unterfangen". Ohne staatliche Hilfe, werde die Recycling-Branche jedoch nicht auf die Beine kommen. Allein schon weil es keine Gesetze gibt, die Unternehmen verpflichten würden, sich finanziell am Recycling ihrer Produkte zu beteiligen, oder kein Verbot den Müll unsortiert auf die Halben zu kippen.

Elena Molodkina ist sich dagegen sicher, dass sich die Lage früher oder später bessert und auch die Gesetze angepasst werden. "Unser Engagement in Russland ist bisher vor allem eine Investition in die Zukunft", sagt sie. Bis dahin dürfte es noch ein weiter Weg sein. Bisher jedenfalls, hat sich kein anderer ausländischer Konzern der Branche nach Russland getraut.

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