20.11.2012
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Unternehmensberater
"McKinsey wurde uns noch nicht angeboten"

Von Dietmar Student

Walter Droege: "Fressgier ist uns völlig fremd"
Droege International Group

Walter Droege: "Fressgier ist uns völlig fremd"

Was tun, wenn die Renditen im klassischen Beratergeschäft schwinden? Man nimmt Geld in die Hand - und übernimmt Risiken. Familienunternehmer Walter Droege über sein Geschäftsmodell, seine Investments und die Renditeaussichten der Consultingbranche.

mm: Herr Droege, manager magazin veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe einen großen Report über die Zukunft der Beraterbranche. Fühlen Sie sich eigentlich noch der Zunft zugehörig?

Droege: Aber sicher. Obwohl wir ein besonderes Geschäftsmodell haben, das mit der herkömmlichen Managementberatung wenig gemein hat.

mm: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Droege: Wir sind ein Beratungs- und Investmenthaus. Wir halten Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen, investieren dort mit eigenem Geld. Anschließend restrukturieren wir. Auch externen Kunden bieten wir Hilfe bei Restrukturierungen an. Der Mehrwert aus der Wertsteigerung deckt Honorare, Kosten und Gewinn ab.

mm: Herr Droege, sind Sie eine Heuschrecke?

Droege: Nein, Fressgier ist uns völlig fremd. Wir bleiben in der Regel langfristig investiert und tragen das volle unternehmerische Risiko. Wir setzen für Investments unser Eigenkapital von rund 800 Millionen Euro ein. Bei unserer Bilanz könnte ich von den Banken problemlos 60 bis 70 Prozent Fremdkapital bekommen. Also könnten wir theoretisch ein Objekt für 3 Milliarden Euro kaufen. Es ist aber nicht unser Interesse, alles auf eine Karte zu setzen.

mm: Die mittlerweile insolvente Drogeriemarktkette Schlecker hätten Sie zu einem Schnäppchenpreis bekommen. Warum ist aus der Übernahme nichts geworden?

Droege: Wir haben das Unternehmen eingehend geprüft. Das Sanierungskonzept erschien uns nicht tragfähig. Deshalb haben wir uns zurückgezogen.

mm: Wieso sind Sie nicht bei der klassischen Unternehmensberatung geblieben?

Droege: Ich wollte ja nie ausschließlich Unternehmensberater sein. Das Investmenthaus war meine Gründungsidee. Doch nach zwei Jahren merkte ich, dass dieses Modell ohne Eigenkapital nicht funktioniert. Also habe ich erst einmal ein Beratungsgeschäft aufgebaut, um so Kapital anzusammeln. Nach zwölf Jahren habe ich die alte Idee dann langsam entwickelt.

mm: Kapital ist im Moment nicht gerade ein knappes Gut. Es fehlt eher an lukrativen Anlagemöglichkeiten. Hat Ihr Geschäftsmodell überhaupt eine Zukunft?

Droege: Ich sehe sehr große Möglichkeiten. Wir werden zunehmend von Großkonzernen eingeladen, die Partner suchen für Ausgründungen und Entkonsolidierungen.

mm: Das machen Private-Equity-Firmen auch.

Droege: Ja, der Unterschied ist: Die schauen bei einem Objekt oft nur auf die Finanzen. Wir bieten betriebliche Optimierung, Finanzen und Management aus einer Hand. Ich habe ja noch 100 Berater, und die brauche ich für solche Restrukturierungen. Außerdem können wir schneller entscheiden. Wir tragen unsere Pläne dem Aufsichtsrat vor, und schon können wir loslegen. Private-Equity-Unternehmen müssen erst ihre Investment- Kommitees fragen, das dauert.

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Zur Person

  • Copyright: Droege International Group
    Droege International Group
    Walter Droege (59) ist ein Urgestein der Beraterbranche in Deutschland. 1988 gründete der Düsseldorfer Familienunternehmer die gleichnamige Unternehmensberatung. Im Jahr 2000 hat er das Geschäftsmodell fundamental verändert. Seitdem ist er über die Droege International Group AG auch als Investor aktiv, mit eigenem Geld.

Mehr zum Thema in

Heft 12/2012

Berater
In unsicheren Zeiten vertrauen Unternehmen McKinsey, Berger und Co. Lesen Sie mehr im Heft ab Seite 44.










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