Donnerstag, 21. Juni 2018

Börse IT-Neustart nach dem Fusionsdebakel

Deutsche Börse: Am ersten Arbeitstag der neuen IT-Chefin Hauke Stars wird die Terminbörse Eurex ein neues Handelssystem einführen

Die Deutsche Börse ist im Grunde kein Finanzunternehmen, sondern ein IT-Dienstleister. Nach der fehlgeschlagenen Fusion braucht das Unternehmen dringend eine Neuausrichtung - auf die neue IT-Chefin im Vorstand kommt viel Arbeit zu.

Frankfurt am Main - Zwei Männer an der Spitze der deutschen Börse sichern ihre Macht, zwei müssen gehen. Vorstandschef Reto Francioni behält seinen Posten trotz der gescheiterten Mega-Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE) für weitere vier Jahre. Sein als Kronprinz geltender Stellvertreter Andreas Preuß wird ihn vorerst nicht beerben. Dafür gewinnt Preuß die Kompetenzen des bisherigen Kassamarktvorstands Frank Gerstenschläger hinzu, der im Frühjahr das Unternehmen verlässt.

Seit die Frankfurter im Februar das endgültige Aus der geplanten Fusion verkünden und ihre Träume begraben mussten, Chefs der weltgrößten Handelsplattform zu werden, war klar, dass sich der Vorstand neu aufstellen würde. Kaum war die geplatzte Fusion über die Ticker gegangen, wurde der Abschied von IT-Vorstand Kuhn verkündet, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft.

Viele Beobachter sahen auch Francionis Stuhl wackeln - immerhin war die gescheiterte Fusion vor allem sein Projekt gewesen.

Doch der kurz darauf gewählte neue Aufsichtsratschef Joachim Faber stärkte Francioni den Rücken, auch gegen Proteste der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Betriebsräte und Gewerkschafter hatten den Chef und seine ehrgeizigen Fusions-Pläne massiv kritisiert und forderten nach dem Scheitern öffentlich seinen Rücktritt. Dass Francioni bleiben würde, war dank der Unterstützung durch Faber trotzdem schnell klar.

"Zu alt für einen Kronprinzen"

"Es wurde zwar immer mal wieder gemunkelt, dass Preuß seinen Job kriegen könnte, aber das ist ja nun weniger wahrscheinlich geworden", sagt Konrad Becker, der die Deutsche Börse als Analyst bei der Privatbank Merck Finck beobachtet. "In vier Jahren, wenn Francionis Amtszeit ausläuft, wird Preuß selbst schon 60 Jahre alt sein - etwas zu alt für einen Kronprinzen."

Umso spannender war also die Frage, wer neuer IT-Chef des Konzerns werden würde. Beobachter wunderten sich, dass die Benennung eines Nachfolgers so lange auf sich warten ließ. Der Posten ist immerhin prestigeträchtig: "Die Deutsche Börse ist letztlich ein IT-Unternehmen. Als solches hat sie sich bei ihrem Börsengang auch verkauft", sagt Becker. Entsprechend stehe und falle ihr Erfolg mit der Leistungsfähigkeit der IT-Systeme. "Gerade im Hochfrequenztrading steigen die Ansprüche an die IT ständig, die Systeme müssen immer schneller und gleichzeitig immer sicherer werden."

Entsprechend wichtig sei der CIO-Posten. Ein echter Neustart nach dem Fusionsdebakel wäre ohne IT-Chef nicht möglich gewesen. Und Kuhn hatte mehr als deutlich gemacht, dass er dem Unternehmen, in dem er seit mehr als 20 Jahren tätig war, nur noch bis zur Ernennung eines Nachfolgers zur Verfügung stehe. Doch die Besetzung des Postens zog sich in die Länge. Rund drei Monate dauere die Suche nach einem CIO üblicherweise, sagen Executive-Search-Experten. Doch erst im September, nach einem halben Jahr, gelang es den Frankfurtern, jemanden zu finden, der den Job übernehmen wollte: Sie konnten Hauke Stars, bisher Leiterin der Schweizer Niederlassung des IT-Konzerns HP, für den Job verpflichten.

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