Donnerstag, 21. Februar 2019

Hauptstadtflughafen Pannenbau soll im Oktober 2013 eröffnen 

Weiterhin nur von oben zu bestaunen, nicht aber von oben zu erreichen: Flughafen Berlin bleibt Baustelle bis Ende Oktober 2013 - wenigstens

Erste Verschiebung, zweite Verschiebung - jetzt soll es am dritten Termin klappen: Berlins neuer Großflughafen soll Ende Oktober des kommenden Jahres eröffnen. Das hat der Aufsichtsrat des Flughafens entschieden - und zugleich die Geldnothilfe des Bundes für den Flughafen angenommen.

Schönefeld - Der neue Berliner Hauptstadtflughafen lässt noch länger auf sich warten. Als neuen Eröffnungstermin legte der Flughafen-Aufsichtsrat am Freitag den 27. Oktober 2013 fest. Das ist gut sieben Monate nach dem zuletzt genannten Datum 17. März und bereits die dritte Verschiebung.

Der Oktober-Termin sei das Ergebnis einer kompletten Neuplanung der Schlussphase des Projekts, sagte der neue Technikchef Horst Amann nach der Aufsichtsratssitzung. Die Gesamtkosten bleiben trotz Verschiebung im zuletzt bekannten Rahmen von rund 4,3 Milliarden Euro. Die Verzögerung trifft besonders die Fluggesellschaft Air Berlin , die auf dem neuen Airport ein Drehkreuz errichten will. Weitere personelle Konsequenzen zog der Aufsichtsrat nicht. Damit bleibt der umstrittene Flughafenchef Rainer Schwarz im Amt.

Air-Berlin-Vorstandschef Hartmut Mehdorn sagte, das Unternehmen, mit acht Millionen Fluggästen die Nummer eins in der Hauptstadt, freue sich weiterhin "auf unseren neuen Heimatflughafen". Es sei bedauerlich, dass die Gesellschaft nun noch eine Sommersaison in Tegel verbringen müsse. "Tegel ist bereits heute an seiner Kapazitätsgrenze und verträgt kaum mehr Wachstum", erklärte Mehdorn.

Der Verband der Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüßte die Entscheidung, dem Technikchef Amann genügend Zeit zu geben. Nun endlich könnten die Beteiligten verlässlich planen, sagte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch. "Der neue Hauptstadtflughafen ist und bleibt ein entscheidendes Zukunftsprojekt für Berlin, die Region und Deutschland insgesamt."

Nächste Geldspritze der Nicht-Berliner für die Berliner nötig

Der Flughafen-Aufsichtsrat beschloss zugleich ein neues Finanzierungskonzept. Es sieht vor, dass der Steuerzahler für das Planungsdesaster geradestehen soll: Die Steuerzahler der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund als Gesellschafter - und somit alle Nicht-Berliner-Deutschlands - müssen die errechneten Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro aufbringen. Die beiden Länder müsse je 444 Millionen Euro beisteuern, die Bundesregierung 312 Millionen Euro.

Dabei müssen noch besprochen werden, ob das Geld als Darlehen oder Eigenkapital gegeben werde, sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba. Die EU prüfe die Finanzspritze in einem Beihilfeverfahren. Man müsse die einzelnen Schritte deshalb genau abstimmen. Die ursprünglichen Kosten für den neuen Flughafen lagen bei 2,4 Milliarden Euro, nun sind es etwa 4,3 Milliarden Euro.

Nach der von Amann vorgelegten Neuplanung sollen die Bauarbeiten bis Ende Mai beendet sein. Danach beginnt einer fünfmonatige Probephase, in der alle Abläufe im Abfertigungsgebäude getestet werden. "Am 27. Oktober geht der BER ans Netz", versicherte Amann. Bis dann bleiben die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld (alt) in Betrieb.

Grund für die nochmalige Verschiebung ist die mangelhafte Brandschutzanlage des Terminals. Bei seiner Analyse stieß Amann auf eine Fülle von Schwachstellen. So seien die Ausführungspläne des im Mai gekündigten Generalplaners lücken- und fehlerhaft gewesen. Die Beschleunigung der Abläufe vor dem Eröffnungstermin 3. Juni habe zu unsachgemäßen Arbeiten etwa an den Kabeltrassen geführt.

Insgesamt habe die Flughafengesellschaft als Bauherr nicht ausreichend gesteuert. Das werde sich nun ändern, sagte Amann, der Anfang August vom Frankfurter Flughafen nach Berlin wechselte. Künftig gibt es zwei Stabsstellen, eine für die Kostenüberwachung und eine andere für den engen Kontakt zu deren Genehmigungsbehörden.

Neue Kritik am Krisenmanagement kam am Freitag aus der schwarz-gelben Koalition im Bund. An den Mehrkosten dürfe sich der Bund erst beteiligen, wenn Ursachen und Verantwortung für das Fiasko aufgeklärt seien, forderte Unions-Fraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) in der "Berliner Morgenpost". FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der Zeitung, er könne sich nicht vorstellen, dass die FDP einem Konzept zustimme, ohne dass sich in Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Flughafengesellschaft personell etwas ändere.

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