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15.08.2012
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Warnhinweise auf Packungen
Bittere Reklameschlappe für Tabakfirmen

Verschärftes Reklamerecht: Australien legt Tabakkonzernen weitere Beschränkungen auf
AP

Verschärftes Reklamerecht: Australien legt Tabakkonzernen weitere Beschränkungen auf

Hartes Gerichtsurteil in Australien: Tabakkonzerne dürfen in dem Land künftig nur noch neutrale Zigarettenschachteln ohne bunte Markenwerbung zum Kauf anbieten. Auf den Schachteln müssen dafür Fotos von gravierenden Gesundheitsschäden wie Mund- oder Lungenkrebs gezeigt werden.

Canberra - Schwere Schlappe für weltweit tätige Tabak-Konzerne wie Philip Morris (Marlboro) oder British American Tobacco (Lucky Strike) im Kampf gegen schockierende Warnungen auf Zigarettenpackungen: Das Oberste Gericht Australiens billigte am Mittwoch ein Gesetz, das neutrale Packungen ohne bunte Markenwerbung, aber mit Fotos von gravierenden Gesundheitsschäden wie Mund- oder Lungenkrebs fordert. Die australische Regierung feierte das Urteil als "Wendepunkt im Kampf gegen die globale Tabak-Industrie" und forderte Länder weltweit zum Gleichtun auf.

In Deutschland - wo pro Jahr 110.000 Menschen unmittelbar an den Folgen des Rauchens sterben - stehen solche Regeln aber nicht bevor: Zuständig ist EU-Gesundheitskommissar John Dalli. Er hat bereits durchblicken lassen, bei der aktuellen Überarbeitung der Richtlinien weniger weit gehen zu wollen - doch auch hierzulande machen sich immer mehr Unternehmen Sorgen über Eingriffe in ihre Reklamemöglichkeiten.

Die Tabakkonzerne kritisierten das Urteil in Australien und warnten vor einer Stärkung des Schwarzmarkts. Die Tabakgrößen BAT, Imperial Tobacco, Philip Morris und Japan Tobacco hatten geklagt, weil sie das Gesetz für verfassungswidrig hielten. Sie sahen ihre Schutz- und Urheberrechte ausgelöscht. Australien hat ohnehin schon eine scharfe Anti-Tabakhaltung. Das neue Gesetz, das zum 1. Dezember in Kraft treten soll, sieht nun vor, dass Zigaretten, Pfeifentabak und Zigarren nur noch in olivgrünen Schachteln ohne Markenkennung und Firmen-Logos - dafür aber mit Gesundheitswarnungen - verkauft werden dürfen.

Weltenbefreier Australien?

"Die Nachricht an die übrige Welt ist: die Tabakgiganten können herausgefordert und besiegt werden", sagte Ministerin Nicola Roxon am Mittwoch. "Gäbe es keine mutigen Regierungen, die den Kampf gegen die Konzerne aufnähmen, würden die Firmen uns immer noch weismachen wollen, dass Tabak weder schädlich ist noch süchtig macht." Roxons Vater, ein Raucher, war an Krebs verstorben, als sie zehn Jahre alt war.

British American Tobacco erklärte, das Urteil anzuerkennen und Packungen entsprechend anzupassen. "Dennoch ist es ein schlechtes Gesetz, das nur der organisierten Kriminalität zugutekommen wird, die Tabak illegal auf den Straßen verkauft." Philip Morris prüft eine Klage, weil das Gesetz gegen ein australisches Abkommen mit Hongkong verstoßen soll. Auch ist offen, ob das Gesetz mit anderen internationale Handelsabkommen vereinbar ist.

Experten schließen nicht aus, dass nun Länder wie Brasilien, Russland und Indonesien schärfere Vorgaben machen könnten - mit negativen Folgen für die Geschäfte der Konzerne. Die Vorgaben an die Werbung für Tabakkonzerne in Australien entsprechen den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und werden auch etwa in Großbritannien, Kanada und Indien genau beobachtet. Im Büro der Drogenbeauftragten der Bundesregierung wurde am Mittwoch auf die Frage nach Verschärfungen in Deutschland auf die EU verwiesen. Dort wird derzeit die Richtlinie für Tabakerzeugnisse überarbeitet. Vorschläge soll es im Herbst geben.

EU-Gesundheitskommissar Dalli, selbst ehemaliger Raucher, war aber bereits im April mit den Worten zitiert worden, die EU wolle zwar die Attraktivität des Rauchens eindämmen und das Thema Verpackungen spiele dabei eine Rolle. So weit wie Australien werde Europa aber nicht gehen. Experten erwarten, dass es hier eher um größere Warnhinweise und intensivere Hinweise auf schädliche Substanzen gehen wird.

Studien zufolge stirbt etwa jeder zweite Raucher vorzeitig, im Schnitt verliert er sieben Jahre Lebenszeit. Die Rede ist vom größten vermeidbaren Gesundheitsrisiko, das es gibt. Zwar ist in Deutschland die Zahl der Raucher im Alter zwischen elf und 17 Jahren in den vergangenen zehn Jahren von etwa 28 auf unter elf Prozent gesunken, bei den Erwachsenen indes nur von 30 auf 27 Prozent. In der EU rauchen rund 28 Prozent der Bürger. Der EU zufolge ist Tabakkonsum pro Jahr für rund 700.000 vorzeitige Todesfälle in der Europäischen Union verantwortlich. Weltweit sind nach Schätzung der WHO im vergangenen Jahr fast sechs Millionen Menschen an den Folgen von Tabak-Konsum gestorben. Einer EU-Umfrage zufolge befürworten rund 60 Prozent der EU-Bürger Maßnahmen, die Tabakerzeugnisse unauffälliger und unattraktiver machen sollen.

kst/rtr

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