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15.08.2012
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Milliardendefizit
Der Pleitegeier kreist über Spaniens Fußball-Clubs

Real-Madrid-Star Sami Khedira: Hohe Finanzlasten drücken Spaniens Fußballclubs
AP

Real-Madrid-Star Sami Khedira: Hohe Finanzlasten drücken Spaniens Fußballclubs

Zuerst platzte in Spanien die Immobilienblase. Dann gerieten die Geldhäuser so sehr ins Wanken, dass Madrid ohne Hilfe der Europäischen Union nicht mehr zurecht gekommen ist. Nun greift die Krise auf eine besonders geliebte Branche über - den Fußball.

Hamburg - Kommt der einbruch für Spaniens Fußball nicht auf dem Spielfeld sondern am Bankschalter? Die spanischen Fußballclubs sind bereits so sehr verschuldet, dass der Liga der Ruin droht. Nach Berechnungen des Ökonomen José María Gay de Liébana von der Universität Barcelona drückt die Vereine der Primera División ein Schuldenberg von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten der Clubs aller Profi-Ligen werden auf 5,0 Milliarden Euro geschätzt. "Muss die EU nun auch den spanischen Fußball retten?", fragte die Zeitung "El País".

Dabei wird Spanien in aller Welt um seine glanzvollen Fußballer beneidet. Die Nationalmannschaft gewann die Welt- und Europameisterschaft, Real Madrid und FC Barcelona gehören international zu den erfolgreichsten Clubs, die Liga preist sich als "die stärkste Liga der Welt". Aber der Erfolg basiert auf einem Geschäftsmodell, das wirtschaftlich auf die Dauer nicht tragbar ist.

Viele Vereine zahlten jahrelang ihre Steuern nicht. Die Verbindlichkeiten der Proficlubs bei den Finanzämtern wurden von der Regierung auf 750 Millionen Euro beziffert. Die hohen Steuerschulden werden als besonders skandalös empfunden in Zeiten der Krise, in denen Spanien die EU um Hilfe bitten und die Regierung den Bürgern drastische Einsparungen zumuten muss.

Die Vereine in anderen Ländern beklagten sich, weil sie sich gegenüber den Spaniern benachteiligt fühlten. Der spanische Fußball musste sich "finanzielles Doping" vorhalten lassen. Denn Spaniens Fußballclubs leben seit Jahren über ihre Verhältnisse. Sie geben nach Angaben der Zeitung "La Vanguardia" im Jahr 2,1 Milliarden Euro aus, nehmen aber nur 1,8 Milliarden ein. Dies konnte auf die Dauer nicht gut gehen. Über dem spanischen Fußballimperium kreist der Pleitegeier. Mehr als ein Dutzend Profi-Clubs mussten sich für zahlungsunfähig erklären und Gläubigerverfahren einleiten.

Deutsche Bundesliga wirtschaftlich robuster

Fußball-Manager Michel Platini sieht dann auch im Kampf gegen die Verschuldung der europäischen Profiklubs die größte Herausforderung. "Der Fußball ist in großer Gefahr", sagte der französische Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) kürzlich der Tageszeitung "Die Welt". "Er ist in Gefahr, seine Popularität aufs Spiel zu setzen. Wenn in den ersten Ligen Europas im Jahr 2010 insgesamt 1,6 Milliarden Euro Schulden gemacht wurden, hat der Fußball ein großes Problem", so Platini. "Vereine werden pleite gehen."

In Deutschland sei das kein so gravierendes Problem, "weil die Bundesliga mit ihrem Lizenzierungsverfahren ein wirkungsvolles Instrument gegen diesen Wahnsinn hat. Aber außerhalb der deutschen Grenzen droht ein Desaster", sagte Platini.

Volle Stadien, geringe Verschuldung, steigende Umsätze: Die deutsche Fußball-Bundesliga zählt dann auch nach Meinung des Beratungshauses Deloitte schon jetzt zu den profitabelsten in Europa und sie legt wirtschaftlich schneller zu als alle anderen. Einzig die britische Premier-League sei wirtschaftlich stärker.

Anders dagegen die Lage in Spanien: "Die goldenen Zeiten sind vorbei, nun muss auch der Fußball Einsparungen vornehmen", schrieb das Wirtschaftsblatt "Cinco Días". Selbst die Spitzenclubs Real und Barça, für die sonst kein Star zu teuer war, leisten sich für die neue Saison kaum Verstärkungen. Insgesamt gaben die spanischen Vereine in diesem Sommer bisher 55 Millionen Euro für neue Spieler aus, nur ein Fünftel der Summe des Vorjahres.

Der Glanz von Real Madrid und FC Barcelona hatte lange Zeit die Finanzmisere des spanischen Fußballs verdeckt. Aber die Dominanz der beiden Clubs ist auch eine Schwäche. Real und Barça sichern sich die Hälfte der Gelder, die die Clubs von den TV-Anstalten erhalten. Auf diese Weise stellen sie sicher, dass ihnen im Titelkampf keine ernsthafte Konkurrenz erwächst. Dies hat zur Folge, dass die spanische Liga sich auf den internationalen TV-Märkten schlecht vermarkten lässt. "Es wird langweilig, wenn immer nur die zwei Großen vorne stehen", sagt Guy de Liébana. "In ein paar Jahren werden Frankreich und vielleicht auch Russland uns Spanier auf den TV-Märkten überholen."

kst/dpa-afx

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