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07.08.2012
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Munich Re
Dicke Zahlen in dürren Zeiten

Aus München berichtet Cornelia Knust

Maisfeld in Indiana: Für die Dürreschäden in den USA hat die Munich Re 160 Millionen Euro reserviert
REUTERS

Maisfeld in Indiana: Für die Dürreschäden in den USA hat die Munich Re 160 Millionen Euro reserviert

Mehr als die Halbjahresergebnisse beschäftigt die Euro-Schuldenkrise die Munich Re. Eine weitere Verschärfung könnte dem Rückversicherer gefährlich werden - schon jetzt trübt das niedrige Zinsniveau die eigentlich erfreuliche Bilanz.

München - "Keinesfalls auf dem falschen Fuß erwischt werden" - so lautet die aktuelle Strategie des größten Rückversicherers der Welt, der Munich Re Chart zeigen. Zwar stellt sich der Konzern immer noch als unkaputtbar dar, da die Effekte einer sich verschärfenden Euro-Krise sich in den einzelnen Geschäftsfeldern gegenseitig ausgleichen würden, so Finanzchef Jörg Schneider auf der Halbjahrespressekonferenz: "Wir würden das aushalten".

Doch klingen die Untertöne anders als noch vor einem Jahr, als man wohl noch glaubte, die Politik werde die Krise in den Griff bekommen und die Euro-Zone intakt halten.

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gesunken, sagte Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Munich Re - ganz im Duktus der Versicherungsmathematiker. "Wir spielen alles durch. Es ist schwer zu sagen, was für uns das Schlimmste ist". Jedenfalls schärfte er das Bewusstsein dafür, dass auch Industrieunternehmen der Realwirtschaft, die derzeit noch blendend dastehen, ins Wanken geraten könnten: "Das würde größte Schwierigkeiten auch für unser Unternehmen mit sich bringen".

Mit den niedrigen Zinsen kommt der Konzern, trotz leichter Preiserhöhungen im Rückversicherungsgeschäft, schon jetzt immer schlechter zurecht: "Wir müssen gegen stetig sinkende Zinsen anverdienen".

Befürworter des Trennbankensystems

Obwohl also die Lage ernst ist, verurteilte von Bomhard die Polarisierung in der Euro-Debatte. Sie sei nicht hilfreich. Schließlich gehe es um Vertrauensbildung. Aber will der Konzernchef das Volk demnach dumm halten? Von Bomhards Logik jedenfalls ist die seines Kollegen von der Allianz Chart zeigen, Michael Diekmann: Die Verlagerung von Souveränität auf die europäische Ebene müsse stattfinden - "weil sich sonst die Kapitalmärkte nie ganz beruhigen lassen".

Eine Polemik hat von Bomhard selbst mit angestoßen. In einem Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten gab er Mitte Juli die Losung aus, das Trennbanken-System müsse wieder her. Das Einlagengeschäft müsse vom Investmentbanking getrennt werden, damit Staaten nicht erpressbar würden, wenn Banken in eine Schieflage gerieten und Ansteckung drohe.

Die These wurde breit kolportiert, doch kaum jemand sprang dem Munich Re-Chef bei. Mancher fragte sich kopfschüttelnd, was den Mann wohl getrieben habe, sich gegenüber Vertretern der eigenen Branche so weit aus dem Fenster zu lehnen. Zwar kann er freier sprechen, hat doch der Konzern nicht wie der Nachbar Allianz mit der Dresdner-Bank ein Beteiligungsdesaster erlebt. Vielmehr ließ die Munich Re von der Einverleibung der Hypo-Vereinsbank am Ende die Finger. Dennoch wirkte der Vorstoß überraschend frech für einen sonst so vornehmen Topmanager der deutschen Finanzszene.

"Die Versicherungen sind immer noch die Hauptfinanzierer der Banken", behauptete von Bomhard heute trotzig. Insofern stehe ihnen ein Urteil auch zu. Außerdem habe er bei dem Hintergrundgespräch feinsinniger formuliert. Die Banken sollten selbst prüfen, welcher Teil des Investmentbankings für ihr klassisches Kundengeschäft denn relevant sei, und den Rest abspalten, zum Beispiel den Eigenhandel.

Damit befindet sich von Bomhard wieder im Mainstream der Regulierungsdebatte. Allianz-Chef Diekmann hatte Bomhards Ideen vergangenen Freitag vom Tisch gewischt: Im laufenden Betrieb sei solch eine Trennung nicht zu machen. - Der Ton wird rauer, was für anwachsende Nervosität spricht.

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