Dienstag, 30. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Trendwende in den USA Die sozialen Unternehmer kommen

Kinder vor Golden Gate Bridge: Die neue vernetzte Generation will mehr als nur Geld verdienen

Ausgerechnet im Hort des Kapitalismus, den USA, bricht eine Generation von Unternehmern auf, die nicht in erster Linie auf Profit schielt. Social Entrepreneurs wollen auch Erfolg für die Gesellschaft. Jetzt könnte die Bewegung zu einem starken Trend werden - dank der sozialen Medien.

New York - Charlie Javice ist 19 Jahre alt und Unternehmerin. Ihre Ziele allerdings unterscheiden sich von denen anderer Gründer. "Ich will die Welt verändern", sagt die dunkelhaarige Teenagerin, die an der elitären Wharton Business School in Philadelphia studiert. Ihr Internetportal "Poverup" hilft jungen Leuten, die sich genauso definieren wie Javice selbst: als "Social Entrepreneurs".

Diese "sozialen Unternehmer" sorgen sich erklärtermaßen nicht nur ums eigene Wohlergehen, sondern auch um das der Gesellschaft. Das Genre hat Konjunktur - ausgerechnet in den USA, dem Hort des Kapitalismus. Kurse und Wettbewerbe für Nachwuchsgründer, die mehr wollen als Geld verdienen, gehören inzwischen zum Standardangebot amerikanischer Universitäten und Business Schools.

So populär ist das Unternehmertum Light geworden, dass mehrere Bundesstaaten eine eigene Rechtsform dafür eingeführt haben - die Benefit Corporation. Kritiker fragen sich allerdings, wo die Grenze verläuft zu normalen Unternehmen einerseits und gemeinnützigen Initiativen andererseits - und ob die neue Bewegung nicht nur ein geschicktes Marketinginstrument ist.

Der Global Entrepreneurship Monitor aus London beziffert den Anteil der sozialen Unternehmer in den USA auf 5 Prozent der arbeitenden Bevölkerung (Deutschland: 1,6 Prozent), wobei der Begriff außerordentlich breit interpretiert wurde. Trotzdem ist das eine unerwartete Entwicklung, zumal bei einer Generation, die mit mehr Technik aufgewachsen ist als irgendeine andere vor ihr und von der viele erwartet haben, dass sie sich mehr für abgefahrene Apps interessiert als für das Gemeinwohl.

Mindestens 500 Hochschulen bieten Spezialkurse an

Doch offenbar passiert das Gegenteil. "Durch die Vernetzung auf Facebook Börsen-Chart zeigen und Twitter kriegen die jungen Leute auf einer sehr persönlichen Ebene mit, was in der Welt passiert", sagt Jill Kickul, Direktorin des Social Entrepreneurship Programms an der Stern School of Business der New York University. "Sie wissen über Armutsraten ebenso Bescheid wie über Müllprobleme. Und sie wollen etwas dagegen tun."

Charlie Javice zum Beispiel unterrichtete schon als Schülerin in Thailand ehrenamtlich Englisch. "Das war okay, aber um die Startchancen der Menschen wirklich zu verbessern, muss man mehr tun", erkannte sie. Sie begann sich über Microfinancing zu informieren, Kredite für die Ärmsten der Armen. An der Wharton School der University of Pennsylvania belegte sie ein Entrepreneur-Programm, das Kurse in der "Mehrung gesellschaftlichen Wohlstands" gibt und bei der Gründung sozialer Unternehmen hilft. So entstand mit Poverup eine Plattform, welche die eigene Szene mit Informationen über Jobs, Investitionsmöglichkeiten und Zuschüsse versorgt.

Mindestens 500 Hochschulen bieten Kurse im sozialen Unternehmertum, schätzt Kickul. Ihr Arbeitgeber, die Stern School of Business, veranstaltet zusätzlich regelmäßig eine Konferenz, an der im vergangenen Jahr mehr als 200 Social Entrepreneurs teilnahmen; außerdem schreibt sie eine "Social Venture Competition" mit 5000 Dollar Preisgeld aus. Die Elitehochschule Yale bietet das Wahlfach "Global Social Enterprise", dessen Teilnehmer in Afrika Unternehmen beraten. Selbst die konservative Hochburg Stanford hat einen Wettbewerb für gesellschaftlich wertvolle Businesspläne aufgelegt, der inzwischen ebenso viele Teilnehmer anzieht wie der für E-Companies.

Seite 1 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH