Mittwoch, 14. November 2018

Billigkonkurrenz Lufthansa verordnet scharfen Sparkurs

Mit einem harten Sparkurs will Lufthansa Passage-Chef Carsten Spohr gegen den Wettbewerber Emirates auf der Langstrecke und Billiganbieter auf kürzeren Strecken in Europa bestehen

Die Lufthansa reagiert auf die verschärfte Konkurrenz und nennt konkrete Schritte, um Kosten zu sparen. Darunter sollen auch die Gehälter und die Altersversorung der Beschäftigten leiden. Die Gewerkschaft schlägt Alarm.

Frankfurt/Main - Der immer härtere Wettbewerb zwingt die Lufthansa Börsen-Chart zeigen zu einem strikten Sparkurs - nun hat Europas größte Fluggesellschaft ihre Pläne konkretisiert. In einem Brief an die Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, listet Passage-Vorstand Carsten Spohr seine Sparpläne auf.

So will die Lufthansa die Kosten der Kernmarke senken und ihre Erlöse je Fluggast steigern. Auch an die Gehälter und Altersversorgung will die Konzernführung ran. Mit dem Programm wolle sich das Unternehmen für die künftigen Herausforderungen wappnen, hieß es am Wochenende. Die Gewerkschaft Verdi kündigte Widerstand an.

Die Flotte von zuletzt knapp 700 Flugzeugen soll bis 2014 nicht wachsen. Stattdessen ersetzen bereits bestellte sparsamere Flieger alte Maschinen. Dadurch soll auch der Kerosinverbrauch zurückgehen - inzwischen der wichtigste Ausgabenblock einer Fluggesellschaft. Die Personalkosten pro Flugstunde sollen um 5 Prozent sinken.

Außerdem will die Lufthansa defizitäre Strecken streichen und auf Direktverbindungen noch enger mit dem hauseigenen Billigflieger Germanwings zusammenarbeiten - "um endlich die Verluste im dezentralen Verkehr zu beenden", wie Spohr schreibt. Dazu soll auch die Flotte vereinheitlicht werden.

Vorstand kassiert die First Class auf vielen Langstreckenflügen

Auf der Langstrecke will der Manager in vielen Fliegern die luxuriöse First Class kassieren: Auf hart umkämpften Strecken sollen künftig Economy Class und Business Class ausreichen. Außerdem prüft die Lufthansa, ob sie wie schon andere Fluglinien eine Premium Economy Class einführt.

Zum Sparen sollen auch Flughäfen und Flugsicherung beitragen: Ihnen will Spohr fünf Prozent weniger bezahlen als zuletzt und setzt dazu auf Nachverhandlungen.

Die Gesellschaft sieht sich in Europa von Billigfliegern wie Ryanair Börsen-Chart zeigen und auf der Langstrecke von arabischen Fluggesellschaften wie Emirates in die Zange genommen. "Wir wollen uns fit machen für die Zukunft", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Samstag in der "Tagesschau". Dieses Zukunftsprogramm richte sich im internationalen Wettbewerb gegen die "Staatscarrier vom Golf, die mit Dumpingpreisen Operieren" und gegen die Billigcarrier, "die uns das Leben in Europa schwer machen".

Verdi befürchtet Personalabbau und Lohnkürzungen

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet vor allem Personalabbau und Lohnkürzungen. "Da werden wir einen Riegel vorschieben", sagte Sprecherin Martina Sönnichsen am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Der Konzern wolle seinen operativen Spielraum erhöhen, darunter dürften aber nicht die Mitarbeiter leiden, die die Qualität miterarbeitet hätten. Von einem Treffen mit Konzernvertretern am 10. Mai erhofft sich die Gewerkschaft mehr Klarheit über die Pläne des Unternehmens.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa unter dem Strich 13 Millionen Euro Verlust geschrieben - vor allem wegen schlechter Zahlen bei ihren Sorgenkinder Austrian Airlines (AUA) und der inzwischen verkauften British Midland (BMI).

Auch der Marke Lufthansa ging es nicht gut: "Im Jahr 2011 haben wir gerade noch ein Prozent unseres Umsatzes nach Abzug aller Kosten als Gewinn erwirtschaften können", schreibt Spohr.

Die Eckdaten für das Programm mit dem Namen "Score" hatte Lufthansa-Chef Christoph Franz schon im Februar genannt. Im Jahr 2015 sollen die Kosten von Europas größter Fluggesellschaft um 1,5 Milliarden Euro niedriger liegen als noch 2011. Nun ist klar: Zu den 1,5 Milliarden Euro soll die Kernmarke Lufthansa alleine 900 Millionen beitragen - davon 600 Millionen Euro durch Einsparungen und 300 Millionen Euro durch höhere Erlöse.

rei/dpa/dpa-afx

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