Mittwoch, 20. Februar 2019

Unternehmen Morddrohungen für Querdenker

Menschenmengen: Einheitliches Denken bringt Unternehmen nicht voran

Angepasstes Denken hat seinen Sinn und erhält den Betriebsfrieden - doch gewohnte Modelle zu stören, bringt neuen Schwung ins Unternehmen, erklärt der Trendforschers Sven Gábor Jánszky.

mm.de: Rulebreaker, Menschen also, die Grenzen überschreiten wie Steve Jobs - im Nachhinein weiß man immer deren Nutzen zu schätzen. Wie geht das vorab?

Jánszky: Rulebreaker haben eine besondere Bedeutung für unsere Wirtschaft: Sie bringen neue Technologien und Produkte, neue Partner und Netzwerke. Sie übertreten Grenzen, sie stören gewohnte Modelle, brechen mit bekannten Regeln und schaffen neue Märkte. Doch sie bringen nicht nur Neues, sie zerstören auch Altes. Wirkliche Innovation bedeutet die Störung funktionierender Geschäftsmodelle, verteilter Märkte, traditioneller Branchen und etablierter Netzwerke!

Wer diesen Gedanken verfolgt, der wird sehr schnell zu der Feststellung gelangen, dass die Grundwahrheit aller Markteroberungen durch große Unternehmen folgende ist: Sie müssen ihr eigenes Geschäftsmodell angreifen, sie müssen sich selbst kannibalisieren! Es liegt in der Natur der Dinge, dass die großen, etablierten Unternehmen nicht danach streben, sich selbst anzugreifen. Genau das ist ihr Fehler und genau aus diesem Grund werden sie nicht auf Dauer Marktführer bleiben. Warum wurde der Düsenantrieb für Flugzeuge nicht von den Propellerantriebsherstellern erfunden? Warum entwickelten nicht die Füllfederhalter-Hersteller den Kugelschreiber? Warum wird die Musikindustrie nicht durch Musiklabel revolutioniert und die Buchbranche nicht durch Verlage?

Wenn Unternehmen das verstehen, dann werden sie auf die Suche nach Personen gehen, die in anderen Projekten bereits bewiesen haben, dass sie eine disruptive Energie besitzen, dass sie in der Lage sind, die Grundregeln von Branchen zu analysieren und strategisch anzugreifen. Die Suche nach diesen Persönlichkeiten ist die einzige Möglichkeit, den Regelbruch vorab zu steuern.

mm.de: Wie kann sich der Rulebreaker den Vorurteilen entgegenstellen (eher "Spinner" als "Visionär")?

Jánszky: Die meisten Rulebreaker, die ich in meinem Buch porträtiert habe, haben nicht gegen diese Vorurteile angekämpft. Es wäre ein Kampf gegen Windmühlenflügel gewesen. Stattdessen haben sie jedes Vorurteil und jeden Angriff als neuen Motivationsschub genommen, es "den anderen zu beweisen". Es ist eine große Selbstsicherheit, in der Rulebreaker ruhen. Sie wissen, dass sie eine Idee verfolgen, die "in die Welt gehört". Sie fühlen sich, als hätten sie etwas erkannt, was den Anderen noch nicht möglich ist zu erkennen. Einer der Rulebreaker bringt es auf den Punkt. Er sagte mir: "Ich bin so arrogant, dass mich überhaupt nicht interessiert, was die Anderen sagen."

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