Freitag, 31. März 2017

McKinsey-Ehemalige "Das Netzwerk ist erstaunlich hilfreich"

Lego-Chef Jørgen Vig Knudstorp: Netzwerk von Zeit zu Zeit genutzt

McKinsey hat seine mehr als 25.000 Ehemaligen in den vergangenen 40 Jahren zu einem bisweilen unheimlichen Netzwerk verwoben. Lego-Chef und Ex-Meckie Jørgen Vig Knudstorp berichtet manager magazin online über seine persönliche Anbindung an die McKinsey-Welt.

Hamburg - 200 Alumni leiten Konzerne mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Umsatz; 7000 bekleiden höchste Führungspositionen in Management, Politik und anderen Organisationen - der Beratungsriese McKinsey hat seine mehr als 25 000 Ehemaligen in den vergangenen 40 Jahren zu einem bisweilen unheimlichen Netzwerk verwoben, das in der aktuellen Ausgabe des manager magazins beleuchtet wird. Lego-Chef und Ex-Meckie Jorgen Vig Knudstorp berichtet manager magazin online über seine persönliche Anbindung an die McKinsey-Welt.

mm: Herr Knudstorp, es ist erstaunlich, wie viele ehemalige McKinsey-Berater es in globale Top-Positionen schaffen. Sie selbst waren drei Jahre bei dem Consultant und sind danach zum Chef des dänischen Spielzeugkonzerns Lego aufgestiegen. Fühlen Sie sich noch immer als aktives Mitglied der McKinsey-Szene? Wie nutzen Sie das von Ihren ehemaligen Kollegen so sorgsam gepflegte Netzwerk?

Knudstorp: Meine Bindung an McKinsey ist nicht mehr sonderlich eng. Aber trotzdem: Von Zeit zu Zeit nutze ich das Netz; und dann ist es erstaunlich hilfreich.

mm: Bei welchen Gelegenheiten zum Beispiel?

Knudstorp: Kürzlich haben wir einen Landeschef gesucht, und aus verschiedenen Gründen waren wir der Ansicht, dass jemand mit guten strategischen Fähigkeiten uns am ehesten weiter helfen würde. Also haben wir in das Profil der gesuchten Person aufgenommen, dass sie eine Art McKinsey-Hintergrund haben sollte. Sie sollte nicht zwingend für McKinsey gearbeitet haben, aber doch Fähigkeiten vergleichbar denen haben, die ein typischer McKinsey-Berater mitbringt.

mm: Was sind das für Eigenschaften?

Knudstorp: Sie haben eine sehr anspruchsvolle Ausbildung hinter sich, Sie stehen intellektuell und auch von Ihrer Persönlichkeit her auf hohem Niveau, Sie sind es gewohnt, in einer Hochleistungs-Umgebung zu arbeiten. Das bedeutet nicht automatisch, dass Sie der oder die Richtige für Lego sind; das hängt natürlich von der Stelle ab, die wir besetzen wollen. Aber jedenfalls bringen Sie wichtige Grundvoraussetzungen für viele Topjobs mit.

mm: Ähnliches gilt für andere Beratungsunternehmen auch.

Knudstorp: Ja, unter Umständen schon. Wir haben uns bei der Suche auch nicht auf McKinseys Alumnidatenbank beschränkt. Wir haben uns Kandidaten vorstellen lassen, und mit deren Erlaubnis habe ich dann in der Datenbank nachgeschaut und Ex-Kollegen kontaktiert, die mit unseren Kandidaten zusammen gearbeitet hatten. Diese Referenzen haben mir dann geholfen, denn richtigen für Lego auszuwählen.

mm: Kannten Sie diese Ex-Kollegen zufällig aus Ihrer McKinsey-Zeit?

Knudstorp: Nein, die musste ich auch nicht kennen. Die Kontaktaufnahme funktioniert schließlich auch so; man hilft sich unter Ehemaligen. Vor ein paar Wochen rief mich zum Beispiel der Vorstandschef eines großen deutschen Konzerns an. Er hatte in der McKinsey-Datenbank gesehen, dass ich früher in Asien gearbeitet habe. Jetzt dachte er darüber nach, ein Unternehmen in Asien zu kaufen und hoffte, ich könnte die Firma oder zumindest den Markt einschätzen und ihm helfen. Ich kannte den Mann bis dahin nicht. Aber dennoch: Wir sind Ex-Kollegen, die Frage war für Lego nicht wettbewerbsrelevant; und so habe ich ihm natürlich geholfen.

mm: Passiert so etwas häufiger?

Knudstorp: Ab und zu. Je höher Sie aufsteigen, je bekannter Sie dadurch auch werden, zum Beispiel durch Medienberichte, desto öfter werden Sie auch über das Netzwerk angesprochen. Die Kollegen sagen dann: Okay, der Mann ist auch Alumni, warum soll ich ihm keine E-Mail schicken und ihn wegen eines Rats zu China fragen. Oder ihn um einen Job bitten. Im Dezember 2011 brachte CNN etwas über mich. Kurz darauf kontaktierte mich eine ehemalige McKinsey-Beraterin aus den USA. Sie arbeitete in San Francisco, wollte aber an die Ostküste wechseln. Wir haben dort unsere US-Zentrale, und so fragte sie mich, ob ich vielleicht eine Stelle für sie hätte.

mm: Und jetzt - um die Story perfekt zu machen - arbeitet die Frau für Lego...

Knudstorp: Nein, in dem Fall hat es anders als in meinem ersten Beispiel am Ende nicht funktioniert. Aber es fehlte nicht viel. Einen passenden Job hätten wir gehabt, aber meine US-Kollegen haben sich am Ende für einen anderen Kandidaten entschieden.

mm: Wie müht sich McKinsey, um die Verbindung zu den einzelnen Alumni lebendig zu erhalten?

Knudstorp: Wir werden zum Beispiel ständig über interne Veranstaltungen und Ehemaligen-Treffen informiert. Aber wie Sie das Netz nutzen, hängt natürlich von Ihnen selbst ab. Ich persönlich bin kein besonders aktiver McKinsey-Netzwerker. Im wesentlichen sind Sie als Alumni Teil einer Datenbank. Mich erinnert dieses Netz teilweise an Facebook. Wenn Sie bereit sind, dort Ihren Namen, Ihren aktuellen Job, Ihre Telefonnummern, Email-Adressen und so weiter einzustellen, dann bekommen Sie auch Zugang zu den Daten Ihrer Ex-Kollegen. Für mich ist das Ganze eher ein informelles Netzwerk als eine formelle Organisation inclusive regelmäßiger Treffen. Aber wenn ich wollte, könnte ich auch das haben.

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