Dienstag, 26. Juli 2016

Trotz Ertragspfeiler RTL Bertelsmann kommt nur langsam voran

Thomas Rabe: Präsentiert im März seine erste Bilanz als Bertelsmann-Chef

Verhaltene Entwicklung bei Bertelsmann: Das Geschäftsjahr 2011 gibt zu Freudentänzen wenig Anlass. Umsatz und Gewinn bleiben nach Recherchen von manager magazin online nahezu auf Vorjahresniveau.

Hamburg - Die Bertelsmann AG ist im vergangenen Jahr offenbar nur recht langsam vorangekommen, von Prachtentfaltung konnte trotz eines inländischen Wirtschaftswachstums von etwa 3 Prozent nicht die Rede sein. Dies geht aus Berechnungen hervor, die Ende vergangenen Jahres in der Gütersloher Konzernbuchhaltung angestellt worden sind und denen zufolge sich der größte europäische Medienkonzern zuletzt nicht schneller von der Stelle bewegte als ein Gletscher:

Der Umsatz soll nur um etwa 2 Prozent auf rund 16 (Vorjahr: 15,79) Milliarden Euro geklettert, der Netto-Gewinn auf Vorjahresniveau gehalten oder doch nur in geringfügigem Umfang auf 650 (656) Millionen Euro gesunken sein. Die Umsatzrendite, gemessen am Operating Ebit (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen), übertrifft weiterhin 10 Prozent, wie Recherchen von manager magazin online ergaben. Dabei half den Westfalen ein spürbar besseres Finanzergebnis: Weil die wirtschaftlichen Schulden (Vorjahr: 4,9 Milliarden Euro) um knapp 200 Millionen Euro abgebaut werden konnten, mussten auch weniger Zinsen bezahlt werden; darüber hinaus entfielen andere Belastungen im Vergleich zum Vorjahr, als ein Genussschein zurückgekauft worden war.

Welche Gestalt das Bilanzwerk, das im März der Öffentlichkeit vorgestellt wird, am Ende aber annimmt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie mit der Be- und Verrechnung von diversen Eigentumsverschiebungen verfahren wird, die Bertelsmann im vergangenen Jahr vorgenommen hat, etwa den Verkäufen des Buchklubgeschäfts in Frankreich oder der Beteiligung am Fernsehsender Alpha in Griechenland. Auch innerhalb der Gruppierung wechselten Anteilspakete ihren Besitzer, so ging die Teilhabe am Druckereikonzern Prinovis vom Verlagshaus Gruner + Jahr an die Dienstleistungssparte Arvato über.

Vieles, was rechnerisch geformt und gestaltet werden kann, liegt noch im Ermessen der Rechner. Das Bilanzrecht verzeiht wenig, aber einiges doch. Der seit Januar amtierende Konzernchef Thomas Rabe (46), obendrein Finanzvorstand des Konzerns, wird wenig Interesse daran haben, sich das Leben unnötig schwer zu machen, indem er die Leistung seines Vorgängers Hartmut Ostrowski (53) in einem hellerem Glanz erstrahlen lässt, als sie es möglicherweise verdient.

Ertragsperle RTL

Auch 2011 war das gute Auskommen des Unternehmens in erster Linie der RTL Gruppe zu verdanken: Der größte europäische TV-Betrieb soll seinen Umsatz, wie man hört, um rund 80 Millionen von 5,6 Milliarden auf 5,7 Milliarden Euro erhöht und das Operating Ebit bei festlichen 1,1 Milliarden Euro (2010) stabilisiert haben. Zu den nominellen Gewinnern des vergangenen Geschäftsjahres gehörte auch die Dienstleistungssparte Arvato: Ihre Einnahmen stiegen von 5,1 auf vorläufig kalkulierte 5,35 Milliarden Euro. Die Übernahme der G+J-Anteile an den Prinovis-Druckereien, denen das Leben eine Last ist, beflügelten zwar die Erlöse, kommen der Profitabilität freilich nicht zugute: Arvatos Operating Ebit wird voraussichtlich um einiges geringer ausfallen als im Vorjahr mit 350 Millionen Euro.

Zurückentwickelt haben sich offenbar die Einnahmen und Gewinne von Gruner+Jahr ("Stern", "Geo", "Brigitte") und von Random House (u.a. Heyne, Luchterhand, DVA, Goldmann), der weltgrößten Buchverlagsgruppe mit Sitz in New York. Aus Hamburg wird berichtet, dass die Umsätze von G+J vor allem aufgrund der Prinovis-Verschiebung nurmehr 2,5 (Vorjahr: 2,6) Milliarden Euro erreichten und dass sich das operative Ergebnis von 287 Millionen Euro auf etwa 270 Millionen Euro zusammengezogen habe. Dennoch bleibt G+J weiterhin eine der renditestärksten Sparten des Konzerns.

Verkleinert hat sich vermutlich auch Random House. Die Buchverlage mussten Einbußen und Schrumpfungen hinnehmen: Der Umsatz, heißt es in New York, sei von 1,8 Milliarden auf etwa 1,7 Milliarden Euro, der Gewinn auf rund 165 (Vorjahr: 173) Millionen Euro gefallen. Das Geschäft ist mühsam und wurde im vergangenen Jahr noch durch einen Einmal-Effekt belastet: Da Random House für einen großen Teil seiner langfristig am Broadway angemieteten Büroflächen keine Verwendung mehr hat, entschloss man sich frohen Mutes, sie großzügig umzubauen, um sie untervermieten zu können.

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