Donnerstag, 30. März 2017

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"Costa Concordia"-Unglück Kreuzfahrtbranche fürchtet um ihren Ruf

Havarierte "Costa Concordia" vor der Insel Giglio: Ende des Booms?

Aus der erfolgsverwöhnten Kreuzfahrtbranche kamen lange nur positive Schlagzeilen: Immer mehr Passagiere, immer neue Superschiffe. Die einstige Nischenbranche ist längst auf dem Weg zum Massenmarkt. Die Havarie der "Costa Concordia" ist ein Schlag - zumindest erst einmal.

Berlin/Stuttgart - Die "Costa Concordia" hat schwere Schlagseite, Hubschrauber kreisen über dem havarierten Schiff, bei der Rettung spielen sich chaotische Szenen ab. Es sind die Bilder des Kreuzfahrtdramas in Italien, die ganz und gar nicht passen zu den Hochglanzprospekten einer erfolgsverwöhnten Branche - die nichts anderes als Träume auf See verkaufen will. Seit Jahren boomt das Kreuzfahrtgeschäft - der Schiffbruch der "Costa Concordia" aber könnte die Branche erschüttern und eine neue Sicherheitsdebatte aufflammen lassen.

Als schweren Schlag für die Branche wertete die European Cruiser Association (Eucras), ein Verein für Passagiere und Crew-Mitglieder, das Drama vor der toskanischen Küste mit mindestens fünf Todesopfern. Das Unglück sei angesichts der modernen Navigationsgeräte ein Rätsel, sagte Eucras-Präsident Stefan Jaeger. Der Deutsche Reiseverband (DRV) dagegen hielt sich zunächst zurück: Man müsse erst einmal abwarten, was die Ursache des Unglücks sei, sagt Sprecher Torsten Schäfer.

Unter den Besuchern der Urlaubsmesse CMT in Stuttgart ist das Unglück am Wochenende Thema vieler Gespräche. "Wir haben uns die Frage gestellt, wie so was mit der heutigen modernen technischen Ausrüstung passieren kann", fragt ein Besucher: "Man macht sich Gedanken, ob man überhaupt wieder eine Kreuzfahrt macht." Susanne und Peter Bäsler aus Esslingen haben bereits eine Entscheidung getroffen. "De facto wollte ich eine Reise wieder mit Aida im September buchen. Dieses Unglück ist für mich unfassbar. Und wenn es denen passiert, kann es auch einer Aida passieren", sagt Susanne Bäsler.

Eine andere Besucherin dagegen meint: "Wir haben für Juni eine Reise gebucht und wir gehen trotzdem", sagt Andrea Eberle aus Weinstadt. "Man bekommt schon Gänsehaut, wenn man das sieht, aber ich denke, Flugzeuge stürzen auch ab, mit dem Auto kann auch jeden Tag etwas passieren."

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