Samstag, 28. Mai 2016

WAZ Machtwechsel wird auf Sondertreffen eingefädelt

Erst unvorhergesehene Schwierigkeiten, dann neue Fragen und Hindernisse: Nach Monaten gibt der WAZ-Testamentsvollstrecker jetzt grünes Licht für den Machtwechsel. Petra Grotkamp kann den Zeitungskonzern übernehmen. Die Vorbereitungen dazu werden morgen auf einem Sondertreffen abgeschlossen.

WAZ-Zentrale in Essen: Hängepartie zerrte an den Nerven
Hamburg - Der Eigentümerwechsel bei dem Essener Zeitungskonzern WAZ gestaltet sich ein wenig mühevoller und zeitraubender, als erwartet: Petra Grotkamp, die ihren Mitgesellschaftern, den drei Enkelkindern von Erich Brost, 470 Millionen Euro für deren 50-Prozent-Anteil geboten hat, bringt das Geschäft möglicherweise erst nach Silvester zum Abschluß - dann freilich mit Rückwirkung zum 1. Januar. Womit der Angelegenheit zumindest kalendarisch noch alle Reize des Neuen und Erfrischten verliehen würden.

Ursprünglich hatte Grotkamp, die Ehefrau des früheren WAZ-Generalkommandanten und Chefstrategen Günther Grotkamp, gehofft, den Handel schon im Oktober, spätestens aber im November über die Bühne zu bringen. Doch es tauchten immer wieder unvorhergesehene Schwierigkeiten auf, die beseitigt, neue Fragen, die beantwortet, und Hindernisse, die überwunden werden mußten. Und immer noch sind nicht alle Probleme gelöst.

Vor allem die Finanzierung bereitet Kopfzerbrechen und Komplikation: Sie wurde strapaziöser in dem Maße, wie sich die Euro-Krise verschärfte und festsetzte, auch in den Köpfen der Banker, die nun Achtung, Skepsis und Vorsicht walten lassen im Umgang mit Kreditnehmern und auch im Falle der Grotkamps Nachverhandlungen wünschten und kräftezehrende Forderungen stellten.

Doch nicht nur die Geldinstitute mussten für das Geschäft gewonnen werden, sondern zuvörderst der Testamentsvollstrecker Peter Heinemann, Anwalt aus Essen: Denn die Brost-Enkel dürfen erst 2015 über ihr Erbe verfügen, weshalb der Fall bei ihm seit einigen Monaten zur Entscheidung lag.

Bei der Abwicklung des Geschäfts behilflich

Heinemann, der Sohn des früheren Bundespräsidenten und Bruder der Theologin Uta Ranke-Heinemann, ist dafür bekannt, das Wider und Für jeder Entscheidung mit wissenschaftlicher Exaktheit zu ergründen und mit geradezu erbitternder Genauigkeit zu erwägen.

Aber er hat nun seine Prüfung in aller Ausführlichkeit abgeschlossen, sorgfältig und penibel, wie er ist, und dem Geschäft seinen Segen erteilt. Dies meldete er den Grotkamps am Mittwoch auf dem Postwege. Er bot ihnen darüber hinaus auch an, bei der Abwicklung des Geschäftes behilflich zu sein.

Dies war eine gute Nachricht. Nun steht dem Machtwechsel an der Ruhr nichts mehr im Wege - sieht man einmal ab von einer Finanzierungslücke in Höhe von 50 Millionen Euro ab, die schon in den nächsten Tagen geschlossen werden soll.

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