Donnerstag, 15. November 2018

Wertvolle Mineralien Deutschland verbummelt globales Tiefsee-Rennen

Tiefseerohstoffe: Wie Deutschland den Meeresboden plündern will
Fugro-TSM

Es könnte eine fatale Verzögerung werden: Weil sich weder die Bundesregierung noch deutsche Unternehmen einig sind, wer die Führung im Wettlauf um begehrte Rohstoffreserven auf dem Meeresgrund übernehmen soll, starten jetzt ausländische Firmen durch. Deutschland droht eine empfindliche Schlappe.

Hamburg - Als der wuchtige Kran der Rem Etive, eines der modernsten Tiefseebohrschiffe der Welt, kürzlich sein kleines und wendiges Tauchboot über die Reling hievte und es einen Moment lang über dem freien Wasser schweben ließ, lag auch Historisches in der Luft: Nicht nur der Startschuss für eines der ehrgeizigsten und womöglich lukrativsten Bergbauprojekte der Welt, sondern auch eine Zeitenwende: Die mögliche Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in der Tiefsee, und zwar durch ein privates Unternehmen.

Der Startschuss fiel, als der Käpt'n der Rem Etive das tiefseetaugliche Erkundungsboot vom Kranhaken freigab, die Sicherungsösen lösen ließ, und das Tauchboot klatschend auf der hier etwa 1800 Meter tiefen Bismarck Sea aufschlug. Ab dann konnten Experten des kanadischen Unternehmens Nautilus, in dessen Auftrag die Rem Etive unterwegs ist, hinabtauchen zum weltweit am weitest fortgeschrittenen Abbaugebiet wertvoller Rohstofflagerstätten - und nebenbei deutsche Unternehmen in die zweite Reihe verweisen.

"Ab dem Jahre 2013 starten wir in der Tat als erstes Unternehmen mit echtem Unterwasserabbau, und nicht mehr nur mit irgendwelchen Vorerkundigungen", bestätigt Nautilus-Sprecher Jonathan Elias manager magazin Online. "Diesen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz haben wir uns gesichert, indem wir uns einfach als Erste um die nötigen Abbaulizenzen gekümmert haben", sagt Elias - in teils zähen Verhandlungen mit den Staaten Tonga und Papua-Neuguinea, in deren Gewässer die Rem Etive jetzt in Stellung gegangen ist. Das hätten vielleicht auch deutsche Unternehmen gekonnt.

"Schon vor 30 Jahren war die Rohstoffförderung aus der Tiefsee hier in Deutschland ein Thema, kräftig vorangetrieben von dem damals noch selbstständigen Unternehmen Preussag", sagt Branchenkenner Michael Jarowinsky, Inhaber des gleichnamigen Beratungsunternehmens MC Marketing Consulting. Doch schon als der Wettlauf um die milliardenschweren unterseeischen Rohstoffvorkommen losging, gab es die Preussag so nicht mehr. Und andere deutsche Unternehmen konnten diese Lücke nie schließen. Bis heute.

Multimilliarden-Rally um Kupfer und Nickel

Deutschlands Technologiekonzern Nummer eins beispielsweise, die Münchener Siemens Börsen-Chart zeigen, bastelt derzeit lediglich an der Verbesserung der Öl- und Gasförderung an Land und an der Versorgung von Unterwasserfabriken mit Strom. "Die Entwicklung von Unterwasserabbaugeräten beispielsweise haben wir aber noch gar nicht auf dem Programm", sagt Siemens-Sprecherin Eva-Maria Baumann gegenüber manager magazin Online. Und die ostdeutschen Werften in Wismar und Warnemünde der Firma Nordic Yards, technisch nach Expertenmeinung durchaus in der Lage in dieses hoch spezialisierte Geschäft einzusteigen, trauen sich an das neue Geschäftsfeld bisher ebenfalls nicht heran: Nordic Yards setzte weiter "auf Offshore-Plattformen und Offshore-Windenergie. Der maritime Bergbau ist, zumindest gegenwärtig, kein Spezialbereich unserer Werften", gibt Nordic-Sprecherin Tina Mentner gegenüber manager magazin Online zu.

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