Sonntag, 4. Dezember 2016

Medienriese WAZ-Gruppe vor dem Verkauf

Machtkampf in Essen: Wer bei der WAZ das Sagen hat
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dapd

In der deutschen Verlagsbranche bahnt sich eine Sensation an: Die Essener WAZ-Gruppe steht vor einem Eigentümerwechsel. Die Herrschaft übernehmen will Petra Grotkamp. Sie hat ihren Mitgesellschaftern von der Brost-Holding 500 Millionen Euro für deren 50-Prozent-Anteil geboten.

Hamburg - Deutschlands Medienbranche steht vor einem der aufsehenerregendsten Einschnitte seit Langem: Die Essener WAZ-Gruppe (Umsatz: 1,1 Milliarden Euro, "Westdeutsche Allgemeine", "Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung", Westfälische Rundschau"), größter Regionalzeitungsverlag Europas, steht vor dem Eigentümerwechsel. Die Herrschaft übernehmen will nach Informationen von manager magazin Petra Grotkamp (67), Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp (84) und bislang mit durchgerechnet 16,67 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

Grotkamp hat ihren Mitgesellschaftern von der Brost-Holding einen Betrag von 500 Millionen Euro für deren 50-Prozent-Anteil geboten. Das Geschäft soll möglichst in den nächsten vier bis acht Wochen abgewickelt sein.

Der Deal bedeutet nicht nur eine Zeitenwende für die WAZ selbst, sondern könnte weitreichende Folgen auch für die deutsche Zeitungsbranche haben. Die WAZ-Gruppe, einst eines der finanzstärksten Medienhäuser des Landes, werde, dies ist aus dem Hause zu hören, mit künftig klaren Eigentümerverhältnissen "endlich wieder eine größere Rolle auf nationaler Ebene spielen".

Der Essener Großverlag gehört zu jeweils 50 Prozent den Nachfahren ihrer Gründer, auf der einen Seite den drei Enkeln von Erich Brost, auf der anderen Seite den Töchtern von Jakob Funke: Renate Schubries (74), besagter Petra Grotkamp und den Erben ihrer im Sommer verstorbenen Schwester Gisela Holthoff (83).

Zwischen Blockade und Kompromiss

In der Vergangenheit hatten sich immer wieder Konflikte zwischen den Gruppierungen entzündet, die noch dadurch verschärft wurden, als beide Parteien auch verschiedenen politischen Lagern zuzurechnen sind: Die Brosts den Sozialdemokraten, die Funkes aber den Christdemokraten.

Gesellschaftsrechtlich aneinandergekettet, war das friedliche Miteinander stets großen Anfechtungen ausgesetzt. Diese hatten sich in jüngster Zeit infolge der Medienkrise und des schlechten Geschäftsverlaufs noch verschärft: Weil alle Entscheidungen einstimmig getroffen werden müssen, kein Gesellschafter den anderen überstimmen, geschweige dominieren oder bisweilen auch mit den besseren Argumenten überzeugen kann, hat sich die WAZ strategisch zwischen Blockade und Kompromiss zerrieben.

Im Regionalzeitungsgeschäft nach wie vor eine Macht, spielen die Pressebarone von der Ruhr weder im Fernsehen noch im Internet oder bei überregionalen Zeitungen eine Rolle. An der Finanzkraft hatte es selten gelegen, wohl aber an den mühsamen Findungsprozessen, die sich häufig im Nichts verliefen.

Seit Jahren versucht man vergeblich, die gegenseitigen Blockaden zu lösen und einen Aufsichtsrat mit verbrieften Mitwirkungs- und Informationsrechten einzusetzen, auch an der Umwandlung in eine börsenfähige KGaA wurde gearbeitet. Doch die Modernisierungs- und Reformprozesse geraten immer wieder ins Stocken.

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