Freitag, 22. März 2019

Mediaagenturen "Wir können nicht mehr ohne Spezialisten leben"

Volker Helm, CEO von Initiative Deutschland: "Die Präsenz im Web wirksam erhöht"

Mediaagenturen kaufen für hunderte Millionen Euro Werberaum und verteilen ihn nach Maßgabe bestmöglichen Effekts. Volker Helm, Chef der  zweitältesten Mediaagentur Deutschlands, spricht über die Zukunft der Werbung, die Bedeutung mobiler Ortungsdienste und das Comeback der Agentur "Initiative". 

New York - Anders als Kreativagenturen kümmern sich Mediaagenturen nicht um pfiffige Slogans oder schöne Bilder einer Kampagne, sondern darum, in welchen Medien, zu welcher Zeit und wie häufig Anzeigen oder TV-Spots am besten erscheinen, um die möglichst beste Wirkung zu erzielen. Sie kaufen in Kundenauftrag für hunderte von Millionen Euro bei Verlagen, Fernsehsendern oder Internetanbietern Werberaum ein und verteilen ihn nach Maßgabe bestmöglichen Effekts unter ihren Auftraggebern.

Volker Helm führt die Geschäfte von Initiative seit dem vergangenen Frühjahr. Er war Juror beim bedeutendsten Werbefestival in Cannes. Seine Agentur gewann dort zwei "Löwen".

Abgestiegen ist der Werbemann wieder einmal im Hotel "W", am Union Square in Downtown Manhattan. Es ist neun Uhr. Helm ist seit fünf Stunden wach, hat mit seinen Leuten in Hamburg telefoniert und schon ein paar Verfügungen getroffen und Anweisungen erteilt. Jetzt gibt es noch einmal Kaffee. Draußen scheint die Morgensonne. Der Rückflug nach Hamburg ist für den späten Nachmittag gebucht.

mm: Herr Helm, wenn Sie in New York sind, steigen Sie im "W" ab. Woher rührt Ihre Vorliebe für dieses Hotel?

Helm: Kurz, nachdem ich im April vergangenen Jahres zur Initiative kam, fand in diesem Hotel das Leader's Forum der Interpublic Group im Juni statt. Mir gefällt diese Gegend, sie ist nicht so touristisch. Außerdem haben sich eine Menge interessante Start-up-Unternehmen in dieser Gegend angesiedelt.

mm: Fünf Minuten von hier, am Cooper Square, sitzt die Redaktion der "Village Voice", Mitte der 50 Jahre eine der ersten alternativen Zeitungen ...

Helm: Sagt mir nichts.

mm: In demselben Gebäude hat ein Alternativmedium des 21. Jahrhunderts seinen Sitz: Foursquare, ein Ortungsdienst für Freundeskreise, ein gefragtes Internetunternehmen.

Helm: Dort war ich vor einigen Monaten und habe mit Dennis Crowley, einem der Gründer, ausführlich gesprochen.

mm: Liegt dort die Zukunft der Werbung: Ortungsdienste?

Helm: Location Based Services sind zur Zeit eines der Kernthemen bei Initiative. Ich glaube, dass sie zukünftig definitiv eine wichtigere Rolle in der Werbung haben werden. Warum? Weil sie einen Mehrwert für Konsumenten und Unternehmen bieten. Weil sie die Lücke zwischen E-Commerce und stationärem Verkauf schließen. Denn der Konsument erhält Angebote von seinen Lieblingshändlern "one-to-one", also wenn sich der Konsument im Alltag bewegt. Er wird zum Beispiel während seiner Mittagspause oder des Stadtbummels benachrichtigt, wenn es für ihn relevante Angebote in seiner Umgebung gibt. Foursquare ist einer der Pioniere auf diesem Gebiet.

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