Dienstag, 26. März 2019

Air Berlin Vor der Bruchlandung

Alte Freunde: Ex-Bahn-Chef Mehdorn (l.) und Air-Berlin-Chef Hunold

Die Krise von Air Berlin ist nicht ausgestanden, sie geht in eine neue Phase. Mit Hartmut Mehdorn kommt ein Chefpilot ans Ruder, der für viel Wirbel bürgt, aber für wenig fachliche Qualität.

Hamburg - Und dann ging doch alles ganz schnell. Noch vor wenigen Wochen empörten sich Air-Berlin-Offizielle über einen Bericht des manager magazins, Hunolds Zeit an der Spitze der zweitgrößten deutschen Fluglinie laufe ab. Jetzt ist Hunold zurückgetreten - weil ihm keine andere Wahl blieb.

Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber hätte ihn ansonsten entlassen müssen. Denn in der derzeitigen Verfassung steuert die Airline auf den Untergang zu. Quartal um Quartal produziert das Unternehmen derbe Verluste, während etablierte Linien wie die Lufthansa durchaus gut verdienen.

Die Entscheidung Körbers aber, die Geschäfte in die Hände des früheren Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn zu legen, kann man nur als einen Akt der Verzweiflung bezeichnen. Sicher, Mehdorn gebricht es nicht an Selbstbewusstsein. Auch eine gewisse Dynamik ist ihm nicht abzusprechen.

Mehdorn versteht nichts vom Geschäft mit Service am Kunden

Fachlich aber ist er für die Aufgabe ungeeignet. Seine Erfahrungen als ehemaliger Airbus-Manager stellen in Wahrheit keine wirkliche Qualifikation dar. Flugzeugbau ist ein Industriegeschäft, Fluglinien aber operieren im Dienstleistungsgewerbe. Dass Mehdorn vom diffizilen Geschäft mit Service am Kunden nichts versteht, hat er bei der Deutschen Bahn hinreichend bewiesen. Auch die jüngste Umfrage unter Bahn-Beschäftigten, die eine eklatante Demotivation der Mitarbeiter offenlegte, wirkt wie ein Menetekel, denn ein Großteil der Missstimmung dürfte unter Mehdorn angezüchtet worden sein.

Wenn es gut läuft, wird Mehdorn nur den Übergang regeln - zu einem qualifizierten neuen Chef, vor allem aber einem neuen Eigentümer. In der jetzigen Konstellation - darüber sollte sich keiner Illusionen machen - kann Air Berlin nicht als selbständige Kraft überleben. Zu erschöpft sind die Ressourcen, zu verworren das Geschäftsmodell, zu heftig die Konkurrenz. Hunolds größter Fehler war es wohl, die Nische eines Ferienfliegers zu verlassen und damit den Burgfrieden mit der Lufthansa aufzukündigen. Sie attackiert Air Berlin derzeit beinhart und wird ihr stiekum jede Luft nehmen, sollte Air Berlin nicht beidrehen.

Wenn es schlecht läuft, Mehdorn keinen potenten Investor findet oder gar meint, Air Berlin aus eigener Kraft erhalten zu können, muss man wohl Abschied nehmen von einer durchaus beliebten Fluglinie, die für Wettbewerb und günstigere Preise auf vielen Strecken gesorgt hat. Es wäre schade drum.

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