Sonntag, 11. Dezember 2016

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Arbeitsmarkt China-Schwäche gefährdet deutsches Jobwunder

Stotternder Motor: Deutschlands gefährliche Abhängigkeit vom Tiger-Boom
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REUTERS

Deutschlands weltweit bestauntem Aufschwung droht ein empfindlicher Rückschlag. Denn die neuen deutschen Megakunden in den Schwellenländern ordern wohl bald weniger. Für Deutschlands Arbeitsmarkt ist das eine Gefahr, die nicht zu unterschätzen ist.

Berlin - Bevor sich Premier Wen Jiabao in der vergangenen Woche brav aus Berlin verabschiedete, versprach er, China werde langfristig am europäischen Anleihemarkt investieren. Die Zusage verheißt Stabilität in turbulenten Zeiten. Doch sie kommt aus einem Land, das als Hort hoher Wachstumsraten und sozialer Stabilität selbst nicht mehr über alle Zweifel erhaben ist. Im Gegenteil.

Von Daimler-Chef Dieter Zetsche über die Weltbank bis hin zu dem bekannten Finanzexperten Gary Shilling kommen ominöse Warnungen, dass sich in den Schwellenländern angesichts steigender Preise, strafferer Geldpolitik und heißgelaufener Märkte Ungemach zusammenbraut. Und zeitgleich droht auch schon der deutschen Wirtschaft ein zyklischer Abschwung, der für die kommenden zwölf Monate nichts Gutes verheißt.

Für den deutschen Arbeitsmarkt, der im April die magische Marke von drei Millionen Arbeitslosen nach unten durchbrechen konnte und im Juni erneut leicht weniger Jobsucher aufwies, bedeutet das eine Rückschlagsgefahr, die kaum zu unterschätzen ist. Denn große Dax-Konzerne setzen serienweise mit ehrgeizigen Investitionsplänen und Exportstrategien auf einen Dauerboom in den Schwellenländern. Investoren aus Indien, China, Russland und Brasilien schaffen derweil mit Übernahmen und Fabrikgründungen hierzulande immer mehr Arbeitsplätze. Mehr noch: Galoppierende Preise für Komponenten und Bauteile aus Schwellenländern beginnen schon jetzt, deutschen Firmen vom Maschinenbau bis zur Autobranche die Margen zu verhageln. Das ist nicht der Stoff, aus dem zusätzliche Arbeitsplätze gemacht werden.

Dieter Zetsche verriet Journalisten vor einer Woche in New York, er sehe in den Schwellenländern "Wolken am blauen Himmel". Diese hätten das Zeug, den Motor in der Autoindustrie stottern zu lassen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnte in dieser Woche mit Blick auf die rasant wachsenden Schwellenmärkte, "dass Kredite die Immobilienpreise anheizen und den Konsum beflügeln, damit jedoch Verwerfungen hevorrufen, wie sie derzeit etablierte Volkswirtschaften plagen".

Nouriel Roubini: "Hohe Wahrscheinlichkeit" für harte Landung

Auch bei der Weltbank wird es einigen Beobachtern mulmig. Die Organisation empfahl vor wenigen Tagen den aufsteigenden Volkswirtschaften, mit Sparen und höheren Zinsen energisch gegen Inflation und Überhitzung vorzugehen. Zwischen Shanghai, Moskau, Delhi und Rio wird seit Jahren ein drei Mal höheres Wachstum des Bruttoinlandsproduks (BIP) erzielt als in Europa und den USA. Dass sich die deutsche Industrie mit der richtigen Produktpalette von Autos über Maschinen bis hin zur Chemie in diesen Boom einbetten konnte, trägt maßgeblich zu der weltweit bestaunten Sonderkonjunktur bei - auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt, denn die Unternehmen hierzulande stellen vielfach nur wegen der neuen Nachfrage ein. Umgekehrt aber kann es auch einen empfindlichen Rückschlag geben, sollte der Schwellenmarktboom ins Stocken geraten.

In vielen Schwellenländern seien die Zinsen noch so niedrig, dass die Inflation zu negativen Realzinsen führe, bemängelt die Weltbank. Das treibe Immobilienpreise und Aktienkurse in gefährliche Höhen. Galoppierende Rohstoffpreise und massive Kapitalströme aus dem Westen haben Immobilien in Teilen Chinas binnen drei Jahren um 100 Prozent verteuert. Im Konzert mit eskalierenden Nahrungspreisen sorgt dies dafür, dass immer mehr Chinesen sich trotz harter Arbeit nicht ihre Konsumträume erfüllen können. Die Folge sind sichtbar steigende soziale Spannungen.

Warnungen renommierter Volkswirte und Manager bleiben nicht aus. "Die Wachstumsperspektiven trüben sich wegen des ungewissen Einflusses steigender Leitzinsen ein", haben jetzt die Analysten der Großbank HSBC Börsen-Chart zeigen vorgerechnet. Die Inflation sei dabei, zu einem "eingebauten Problem" zu werden. So habe die Teuerungsrate bei den Inputpreisen, die Fabriken für ihre Zutaten bezahlen, das höchste Tempo seit Mitte 2008 erreicht. Hinzu kämen stockende Lieferketten wegen Japan und Überkapazitäten. Bei den Exporten gehe bereits Momentum verloren.

Gary Shilling sagt China daher eine "harte Landung" vorher. Die Abhängigkeit vom Export erweise sich wegen schwacher westlicher Absatzmärkte und rasant steigender Löhne in China als großes Problem. Und die meisten Chinesen könnten nicht die Früchte ihrer harten Arbeit ernten. So entspreche ein Quadratmeter Wohnfläche in China 164 Durchschnittseinkommen. Auch Nouriel Roubini von der New York University, einer der wenigen, die vor der Finanzkrise 2008 gewarnt hatten, sieht eine "hohe Wahrscheinlichkeit" für eine harte Landung in China. Allerdings erst ab dem Jahr 2013. Vor allem die hohe Verschuldung lokaler Regierungen, die jetzt einen Bailout von Peking erwarten, hat viele an die Finanzkrise im Reich der Mitte Anfang 1999 erinnert.

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