Montag, 5. Dezember 2016

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Immobilien Chinas Millionäre stürmen Vancouver und London

London, Vancouver, Hong Kong: Käufer aus China lassen Hauspreise explodieren
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REUTERS

Wer in Kanadas angesagtester Stadt Vancouver ein teures Haus verkaufen will, sollte Mandarin beherrschen. Vancouver, London und Hongkong werden von so vielen reichen Investoren aus China bestürmt, dass sich über die Metropolen  eine wahre Geldflut ergießt. Die Preisexplosion bringt die Stadtväter in Not.

Vancouver - Seit der Rückgabe Hong Kongs an die Volksrepublik China vor 14 Jahren ist die Ex-Kolonie eine Enklave der Demokratiebewegung. Doch seit diesem Frühjahr werden die Plakate in der Sieben-Millionen-Stadt umgeklebt. Jetzt wird nicht mehr "Freiheit" skandiert, sondern "Nieder mit den Baulöwen" und "Gerechte Immobilienpreise". Immer mehr Menschen in der Stadt fühlen sich von galoppierenden Wohnungspreisen aus dem Markt gedrängt. Die Stimmung ist aufgeheizt.

Hongkongs Stadtväter stemmen sich nach Kräften gegen die galoppierenden Wohnungspreise. Seit März nimmt der Verkauf von staatlichem Land zu. Das soll die Preise zügeln. Auch der Mindestlohn wurde angehoben. Das soll die Bürger besänftigen. Und Hong Kongs Finanzsekretär John Tsang warnte Investoren kürzlich, die Liquiditätswelle sowie niedrige Zinsen seien kein Dauerzustand.

Aber das hilft bislang nicht. Denn eine Flutwelle an chinesischem Kapital ergießt sich über die Stadt. Die Springflut wird stärker, seit Peking den eigenen Immobilienmarkt drosselt. In China wurden seit Oktober vier Mal die Zinsen angehoben, Reservevorschriften für die Banken drakonisch verschärft und der Verkauf von Häusern an einzelne Investoren beschränkt.

Jetzt weicht der Geldstrom über die Grenzen des chinesischen Festlandes aus: Vor allem nach Hongkong, Vancouver und London.

Vancouver: Käufer aus China lassen Immobilienpreise explodieren

Rund 14 Flugstunden entfernt, am östlichen Rand des Pazifiks, drohen auch in Vancouver Proteste wegen hoher Immobilienpreise, die von chinesischem Kapital enorm angefacht werden. Um 118 Prozent haben sich Luxusapartments in den vergangenen 12 Monaten verteuert, heißt es bei RE/MAX, dem führenden Immobilienbroker Kanadas. Im mittleren Preissegment müssen jetzt für einen Bungalow im Schnitt 815.000 Dollar (582.000 Euro) hingeblättert werden. Damit ist Wohnraum in Vancouver seit Mai teurer als in New York und London.

"Ich habe im April im Stadtteil Burnaby ein 45 Jahre altes Haus ohne Renovierungen für 799.900 Dollar auf dem Markt gehabt, erzählt der Makler Mike Rasmussen. Er war vor 25 Jahren der erste RE/MAX-Agent in Vancouver. "Innerhalb von Stunden kamen 150 Interessenten, die das Haus anschauten, 95 Prozent davon waren Chinesen", erzählt Rasmussen. Am Ende wurde das Haus für 970.000 Dollar verkauft, 21 Prozent über dem Preis, den der alte Eigentümer gefordert hatte.

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