Freitag, 16. November 2018

Management Was Manager von Beuys, Hirst und Madonna lernen können

Joseph Beuys: Impulsgeber seiner Zeit

Künstler können Managern Beispiele dafür geben, wie sie Kreativität systematisch fördern können. Das zahlt sich aus - spätestens dann, wenn so neue Märkte erschlossen werden.

1974 schuf der Künstler Nam June Paik mit TV-Buddha eines seiner berühmtesten Kunstwerke. Für diese Arbeit platzierte er eine Buddha-Statue vor ein kleines Fernsehgerät, hinter dem eine Videokamera stand. Sie filmte die Statue und übertrug das Bild auf den Fernsehschirm. Unvoreingenommen und spielerisch verknüpfte Paik auf die Weise die künstlerischen Medien Skulptur und Film, die zudem wechselseitig mit Bedeutung aufgeladen wurden und so die Komplexität des Kunstwerks erhöhten. Bis heute ist TV-Buddha eine der Ikonen der Video Kunst geblieben.

1982, zur documenta 7, türmte Joseph Beuys auf dem Friedrichsplatz in Kassel siebentausend Basaltstelen zu einem keilförmigen Haufen. Das Motto dieser Landschaftsinstallation hieß 7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung. An die Spitze dieses Steinbergs pflanzte Beuys einen Baum und verankerte eine der Stelen im Boden. Jeder, der damals fünfhundert D-Mark spendete und eine Eiche pflanzte, erhielt dafür eine der Stelen, die neben der Eiche aufzustellen war. Die letzte wurde 1987 zur documenta 8 von Beuys' Sohn Wenzel auf dem Friedrichsplatz, neben dem ersten Baum, aufgestellt. Das war ein Jahr nach Beuys' Tod.

Im Mai 2007 eröffnete der Künstler Damien Hirst die Ausstellung Beyond Belief in der White Cube Galerie in London. Das zentrale Ausstellungsstück war ein menschlicher Totenkopf, mit Platin überzogen und 8.601 Diamanten besetzt. Als Produktionswert wurden 14 Mio. englische Pfund angegeben. Der Verkaufspreis war auf 50 Mio. Pfund angesetzt, ein 350-prozentiger Aufpreis, der das Kunstwerk zum teuersten eines lebenden Künstlers machte.

Die Frage ist: Können Führungskräfte aus solchen Beispielen lernen? Etwa wie man durch erhöhte Komplexität innovative Produkte erhält, Kreativität systematisch fördert oder neue Märkte kreiert?

Kreativität gilt als wichtigste Führungsqualität

Künstler gelten als Einzelkämpfer, die sich individuell und ohne kommerzielle Interessen verwirklichen möchten, Unternehmen dagegen sind überindividuelle Organisationen, mit dem Ziel, gewinnbringend zu arbeiten. In der Wirtschaft geht es um Produkte und Dienstleistungen mit beschreibbaren Eigenschaften und Nutzen; der Nutzen der Kunst ist dagegen nicht immer ersichtlich. Ein Unternehmen ist strukturiert und funktioniert nach Regeln, der Künstler darf oder soll rebellisch und unangepasst sein. So jedenfalls die gängigen Vorurteile.

Kreativität, ein Attribut, das vor allem Künstlern zugesprochen, ja, von ihnen erwartet wird, ist in der Wirtschaft ebenfalls notwendig. In einer im Mai 2010 veröffentlichten IBM-Studie mit dem Titel "Unternehmensführung in einer komplexen Welt", für die weltweit über 1500 Vorstandsvorsitzende aus 60 Ländern und 33 Branchen befragt wurden, wurde Kreativität als die wichtigste Führungsqualität genannt, um in einer Umwelt, die durch zunehmende Komplexität gekennzeichnet ist, erfolgreich agieren zu können.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein zweiter Blick auf die Kunst. Aus unternehmerischer Perspektive ist der Erfolg von Damien Hirst, der derzeit durch einen diamantbesetzten Kindertotenkopf wieder in die Schlagzeilen gerückt ist, ein Lehrstück in Sachen: Wie verschaffe ich mir einen neuen Markt? In Hirsts Fall war es das Luxus-Segment, das er entdeckt und besetzt hat, indem er sich vorher drei Fragen gestellt hat: Wer hat Interesse an teurer Kunst und warum? Was muss diesen Kunden geboten werden und wie kann man solche Kunst erfolgreich herstellen, vermarkten und vertreiben?

Die Antworten hat er offenbar gefunden, denn seine Kunst zielt auf Sammler wie die Mugrabi-Familie ab, auf Hedge-Fonds-Manager wie Steve Cohen oder den russischen Geschäftsmann Victor Pinchuk. In seinen Kunstwerken verarbeitet Hirst Materialien wie Diamanten, Gold, Platin und erhöht dadurch die Produktionskosten über das übliche Maß hinaus. Wenn man so will, wird auf die Weise der Preis zum eigentlichen Gegenstand seiner Kunst.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH