Montag, 25. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Kühne-Chef Schubert "Den Preisschub kann niemand aushalten"

Teures Gut: Agrarrohstoffe wie Mais werden deutlich teurer - auch weil sie zunehmend als Grundlage für Treibstoff verwendet werden

Weltweit explodieren die Preise für Agrarrohstoffe. Deshalb werden nun auch Lebensmittel teurer, sagt Andreas Schubert, Chef des Feinkostherstellers Kühne. Er erwartet einen Dammbruch und erklärt, wie steigende Weizenpreise sogar Gewürzgurken verteuern.

mm: Herr Schubert, wie zu hören ist, investiert eine wachsende Zahl von Bankern und Managern in Ackerland, um sich vor Inflation und im Extremfall Hungersnot nach einem neuerlichen Finanzcrash zu schützen. Haben Sie das auch schon getan?

Schubert: Nein. Aber in landwirtschaftliche Fläche oder Wald zu investieren, ist keine schlechte Idee. Der Wert von Land wird steigen, keine Frage. Eine existenzbedrohende Knappheit von Nahrungsmitteln ist aber nicht erkennbar. Wir leben nach wie vor im Überfluss.

mm: Agrarrohstoffe sind deutlich teurer geworden. Das hat auch zu sozialen Unruhen geführt - in der arabischen Welt, in China. Wird sich die Lage auf dem Weltmarkt für Nahrungsmittelrohstoffe bald wieder beruhigen?

Schubert: Das glaube ich nicht. In der Krise 2009 hatte sich die Lage entspannt. Aber die eigentliche Tendenz höherer Rohstoffpreise war nur unterbrochen. Wir sind jetzt wieder auf dem Niveau von der Zeit zuvor.

mm: Und die Preise steigen weiter?

Schubert: Dafür sprechen langfristige Einflussfaktoren. Die Rohstoffspekulationen haben zugenommen, keiner kann sie mehr kontrollieren. Auch die Spekulanten wissen: Die Weltbevölkerung wird wachsen, und der Wohlstand nimmt gleichzeitig zu. Damit wächst der Bedarf nach höherwertigen Nahrungsmitteln.

Gleichzeitig soll die Landwirtschaft Rohstoffe für die Treibstoffproduktion bereitstellen. Wir haben immer mehr Biogasanlagen in Deutschland. Die stehen in absoluter Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau und treiben die Pachtpreise für Ackerland in die Höhe. Zudem gibt es immer Restriktionen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Alle Faktoren sprechen für langfristig steigende Rohstoffpreise.

mm: Hilft es, die Spekulation mit politischen Mitteln einzudämmen, wie es Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) fordert?

Schubert: Letztlich bleibt es der reale Bedarf, der die Preise treibt. Viele Jahre haben wir beispielsweise mehr Kakao verbraucht als geerntet wurde, das hat Konsequenzen. Ich glaube nicht, dass man die Spekulation eindämmen kann.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH