Montag, 10. Dezember 2018

Luftfahrt Eine Allianz fürs Überleben

Konkurrenzkampf: Die Lufthansa hat das führende Netzwerk "Star Alliance" im Rücken. Konkurrent Air Berlin will 2012 zum Bündnis "Oneworld " dazustoßen. Air France arbeitet derzeit daran, das Bündnis "Skyteam" zu vergrößern

Der milde Januar in Europa hat die Sitzreihen von Air Berlin, Air France-KLM und der Lufthansa gefüllt. Doch der Wettbewerb tobt längst woanders. In verschiedenen Allianzen ringen die drei Airlines derzeit um die Zukunftsmärkte der globalen Luftfahrt.

Hamburg - Das Jahr 2011 beginnt mild. Dies erfreut vor allem die vom Winter durchgerüttelten europäischen Fluggesellschaften. Air Berlin meldete am Montag wieder steigende Passagierzahlen: knapp 2,15 Millionen Fluggäste beförderte die Nummer zwei der deutschen Airlines im Januar - 5,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die deutsche Nummer eins, die Lufthansa, meldete an diesem Mittwoch einen Passagierzuwachs von 11,7 Prozent auf rund 6,6 Millionen.

Auch der große europäische Lufthansa-Konkurrent Air France-KLM war mit dem Januar zufrieden. Die Zahl der Fluggäste wuchs im Jahresvergleich um 6,7 Prozent auf 5,4 Millionen.

Doch die kurzfristige Ruhe täuscht. Denn lämgst spielt sich der Wettbewerb um Passagierzahlen und Auslastungen nicht mehr nur in Europa ab, sondern auf allen Kontinenten der Welt. Mit welchem Dampf die Airlines ihr weltweites Engagement stärken, lässt sich derzeit beobachten.

Air France forciert Allianz "Skyteam" - Aufholjagd zur Star Alliance

So forciert Air France-KLM Börsen-Chart zeigen den Ausbau der vor allem von ihr und der US-Fluggesellschaft Delta getragenen Luftfahrtallianz "Skyteam". Noch in diesem Jahr nimmt Skytean zwei asiatische Fluggesellschaften auf: die chinesische China Eastern und die taiwanesische China Airlines.

Fast im Wochentakt vermeldete Air-France-KLM-Chef Pierre-Henri Gourgeon zuletzt weitere Bündnisvereinbarungen: von Aerolíneas Argentinas, über Saudi Arabian Airlines bis hin zur libanesischen Middle East Airlines, die in diesem Monat ihren offiziellen Mitgliedsantrag stellen wird. Spätestens in zwei Jahren soll sie der Luftfahrtallianz beitreten.

Bis 2012 will Skyteam die Zahl der Bündnismitglieder von derzeit 13 auf dann 19 Mitglieder erhöhen. Damit würde das Bündnis den Abstand zur Nummer eins, der von der Lufthansa Börsen-Chart zeigen unterstützten Star Alliance, mit dann voraussichtlich 32 Mitgliedern, ein wenig verringern. Der Vorsprung zu Oneworld, mit dann voraussichtlich 14 Mitgliedern, würde wachsen.

In Europa verdienen viele Airlines ihre Kapitalkosen nicht

Air-France-KLM-Chef Gourgeon will mit den neuen Bündnissen vor allem von den wachstumsstarken Märkten Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten profitieren. Die International Air Transportation Association (IATA) präsentierte dazu Anfang Februar die passenden Zahlen: In Lateinamerika lag der Passagierzuwachs bei 8,2 Prozent, im Raum Asien-Pazifik bei 9 Prozent, im Nahen Osten bei 17,8 Prozent. Die Passagierzahlen in Europa und den USA wuchsen im selben Zeitraum um 5,1 und 7,4 Prozent.

"Gerade in Europa und den USA verdienen die meisten Airlines ihre Kapitalkosten nicht", sagt Sebastian Hein, Analyst mit Schwerpunkt Luftfahrt beim Bankhaus Lampe. Dies führe dazu, dass sie in weltweiten Bündnissen versuchen, die Kosten zu senken, Vielfliegerprogramme attraktiver zu machen und Zugang zu Märkten zu bekommen.

So hat nicht nur Skyteam die Wachstumsmärkte längst im Blick. In Indien begrüßt die Star Alliance in den kommenden Wochen offiziell die Fluggesellschaft Air India in ihrem Bündnis. Im Sommer wird die afrikanische Ethopian Airlines folgen, die an der Schnittstelle zum Nahen Osten agiert. In Südamerika einigte sich die Star Alliance im November 2010 auf eine Zusammenarbeit mit der vor allem in Kolumbien, Peru und Mittelamerika fliegenden Airline Avianca-Taca und mit der Luftfahrtgesellschaft Copa Airlines aus Panama.

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