Samstag, 28. März 2015

Aurubis Surfen auf der Kupferwelle

Begehrter Rohstoff: Die Industrie giert nach Kupfer, Aurubis profitiert

Die Nachfrage nach Kupfer explodiert. Investoren und Firmen treiben den Preis auf weit über 9000 Dollar pro Tonne. Das Hamburger Rohstoffunternehmen Aurubis verdient gut an der Rally. Doch Vorstandschef Bernd Drouven traut dem Boom nicht und hält sich von den heißesten Märkten lieber fern.

Hamburg - Das Geschäft mit Kupfer war lange Zeit wenig glamourös. Verschrobene Geologen, auf Nischen spezialisierte Händler und knauserige Einkäufer in Industriebetrieben wickelten ihre unspektakulären Deals noch vor weniger als zehn Jahren weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab.

Doch nun rauscht der Kupferpreis in nie gekannte Höhen, das rötliche Industriemetall ist der Renner der Saison. Stolze 9266 Dollar erreichte er am Dienstag, Tendenz weiter steigend. Weltweit brummt die Konjunktur auf einmal wieder, Firmen brauchen das Metall für vielversprechende Produkte wie Elektroautos, und Anleger sowie Spekulanten horten es aus diesem Grund zunehmend.

Für Europas größten Kupferhersteller Aurubis sind das alles gute Nachrichten. Das Hamburger Traditionsunternehmen verarbeitet das aus Konzentrat und Altmetall selbst gewonnene Metall zu Walzdraht, Legierungen oder dicken Stangen und verkauft es an Firmen aus Boombranchen wie Elektro-, Chemie- und Automobilindustrie.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Aurubis, an dem der Stahlkonzern Salzgitter Börsen-Chart zeigen beteiligt ist, den Gewinn vor allem dank der gestiegenen Nachfrage der Automobilindustrie und des Maschinenbaus auf 193 Millionen Euro fast vervierfacht. Der Umsatz wuchs um fast 50 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen an den guten Geschäften durch eine höhere Dividende beteiligt werden, wie das Unternehmen in dieser Woche bekanntgab.

"Der Kupferbedarf bleibt hoch", sagt Analyst Robert Greil von der Münchener Privatbank Merck Finck & Co. Deshalb seien die Aussichten für die Hamburger weiterhin rosig. Fachleute gehen bis 2015 von einem Anstieg der weltweiten Kupfernachfrage um knapp vier auf 22,2 Millionen Tonnen im Jahr aus. Getrieben wird die Nachfrage vor allem durch China, dem mit rund 40 Prozent des weltweiten Verbrauchs mit Abstand größten Kupferimporteur der Erde.

Doch während beispielsweise Ölkonzerne bei steigenden Notierungen für das schwarze Gold im Geld geradezu ertrinken und entsprechende Expansionspläne hegen, gibt sich Aurubis bescheiden. Als Verarbeiter spürt das Unternehmen die gestiegenen Preise zunächst vor allem beim Einkauf und ist froh wenn es die Kosten weitergeben kann.

Deshalb bleibt Vorstandschef Bernd Drouven vorsichtig. Neue Werke will er kurzfristig nicht errichten, und dem Megamarkt China traut er nicht über den Weg. Dort eine Produktionsstätte zu errichten, verbiete sich schon wegen des drohenden Verlusts von Firmenwissen.

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