Dienstag, 26. Juli 2016

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Investoren in Asien Dem Patriarchen schutzlos ausgeliefert

Patriarch Huang Guangyu: Der Gome-Gründer versuchte noch aus dem Gefängnis heraus, an der die Unternehmengsführung teilzuhaben

Keine uabhängigen Kontrollinstanzen, dafür willfährige Clan-Mitglieder auf wichtigen Konzernposten: Nicht wenige Unternehmerlegenden Asiens haben sich ihre Konzerne zum Untertan gemacht, und die Aktieninvestoren in ihren Firmen gleich dazu. Auch deutsche Anleger sind betroffen.

Hongkong - Er wollte sein Unternehmen zurück, doch seine Attacke ist erst einmal verpufft. Eine Atacke, geführt aus dem Gefängnis heraus, in das Huang Guangyu vor zwei Jahren wegen Bestechung, illegalen Geschäftspraktiken und Insidergeschäften gesteckt worden ist. Für 14 lange Jahre. Doch Huang Guangyu, der Gründer des größten chinesischen Elektonikeinzelhändlers Gome, ficht das nicht an.

Huang will die Unternehmensleitung trotz Gefängnisstrafe behalten. Deshalb wollte er den neuen Gome-Chairman Chen Xiao beiseite räumen, der diesen Job des in Hongkong notierten Unternehmens für ihn übernommen hat. Und deshalb sollten mit Chen Xiao auch noch zwei Vertreter des amerikanischen Gome-Anteilseigners Bain Capital wieder aus dem Unternehmen verschwinden. Den Ersatz für sie hatte der verurteilte Huang Guangyu schon parat - seine Schwester und sein Anwalt sollten die Fremden verdrängen. Huangs dreister Angriff sollte europäischen Anlegern in Asien ein Warnsignal sein.

In Sachen Transparenz hinken chinesische Firmen, aber auch Unternehmen aus ganz Asien, weit hinter ihren Wettbewerbern aus Europa und Nordamerika her. Das gilt vor allem auch für die verantwortungsvolle Unternehmensführung, englisch Corporate Governance.

"Selbst die reifen Finanzmärkte der Region wie Japan, Hong Kong und Singapur schneiden nicht gut ab", sagt Jamie Allen, Generalsektretär der Asian Corporate Governance Association in Hong Kong. In einer aktuellen Studie des Brokerhausers CLSA erreichen sie 57, 65 und 67 von möglichen 100 Punkten. Zum Vergleich: In Märkten in Westeuropa und Nordamerika liegen die Werte über 80 Punkten. Korea, Indonesien und die Philippinen, die Schlusslichter der Region, schaffen es nicht einmal über 45 Punkte hinaus.

Konzerne oder Personen-Gesellschaften?

Das asiatische Problem dürfte mit Asiens Patriarchen zusammenhängen. Viele der großen Konzerne sind komplett auf eine Person oder Familie zugeschnitten. Im Hintergrund steht ein starker Mann, oft noch der Gründer persönlich. Das gilt für Gome mit dessen Gründer Huang Guangyu, auch wenn ihm die Anteilseigner Ende September das gewünschte sogenannte Generalmandat verweigerten, neue Aktien ohne Beteiligung bestehender Aktionäre auszugeben - und Huang so eine deftige Niederlage bereiteten.

Das gilt aber auch für die Hongkonger Mischkonzerne Cheung Kong und Hutchison Whampoa, bei denen der 82 Jahre alte Li Ka-Shing das letzte Wort hat. Und mehr noch: In dem ursprünglich malaysischen Firmenimperium, das Kerry Properties und die Shangri-La-Hotels umspannt, laufen alle Fäden beim 87-Jährigen Robert Kuok zusammen. Lucio Tan, 76 Jahre, hat dagegen auf den Philippinen das Sagen bei so unterschiedlichen Firmen wie der Asia Brewery und Philippine Airlines.

Ausnahmen bilden nur Japan, Südkorea und Taiwan. Nach einer Untersuchung der Chinese University of Hong Kong sind in diesen drei Ländern weniger als 50 Prozent der Firmen im Besitz einer Familie; in Japan nur unter 10 Prozent. In Thailand und Malaysia gehören dagegen rund zwei Drittel der Firmen einflussreichen Clans, auf den Philippinen und in Indonesien liegt der Anteil noch höher. Der genaue Anteil ist schwer zu ermessen - verschachtelte Beteiligungen verschleiern den Einfluss.

Der starke Familieneinfluss steht oft auch der Einsetzung unabhängiger Verwaltungsräte entgegen. Bei zahlreichen Firmen sind Vorstands- und Aufsichtsratschef Brüder oder Vater und Sohn. "Das ist nicht gerade das, was wir unter unabhängig verstehen", sagt Allen. Etwa bei Sun Hung Kai Properties Börsen-Chart zeigen, mit einer Marktkapitalisierung von 35 Milliarden Euro einer der größten Immobilienentwickler in Asien. Kwong Siu Hing steht dem Verwaltungsrat vor, ihre Söhne Thomas und Raymond Kwok sind Geschäftsführer. Und das ist alles andere als belanglos.

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