Dienstag, 19. März 2019

Jachten Die Wasserspiele der Wirtschaftselite

Millionärsträume: Die exklusiven Jachten der Wirtschaftskapitäne
AFP

4. Teil: Sturmerprobtes maritimes Netzwerk

Wesentlich umstrittener als die charakterbildende ist die netzwerkbildende Kraft des Segelns: Taugen die eigene Jacht oder die Mitgliedschaft im elitären Segelverein zur Kontakt- und Geschäftsanbahnung? "Sicher, im Klubhaus lernt man beruflich interessante Leute kennen", sagt Veolia-Mann Grenz. "Aber es wäre eine völlig falsche Vorstellung, dass sich während der Regatta hoch am Wind Geschäfte in der notwendigen Ernsthaftigkeit klären lassen."

Die eigene Jacht als Netzwerkinstrument wiederum ist nur so interessant wie die Gäste, die an Bord kommen. Auch deshalb verchartert IT-Unternehmer Beeck die "Trivia" gelegentlich für Firmenevents, "bei denen hat sich schon der eine oder andere interessante geschäftliche Kontakt ergeben". Holger Jung von der Werbeagentur Jung von Matt war auch schon an Bord.

Ein besonders sturmerprobtes maritimes Netzwerk bestand von 1987 bis 1997: Allsommerlich gingen Klaus Murmann, damals Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDA, Tyll Necker, Ex-Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie sowie der langjährige Finanzminister Gerhard Stoltenberg zusammen mit drei anderen hochrangigen Segelfreunden auf Nordlandfahrt. Abends im Cockpit wurde so manches Problem zwischen den beiden Spitzenverbänden, aber auch zwischen Wirtschaft und Bundesregierung, auf dem ganz kleinen Dienstweg gelöst.

"Vielleicht sollten die in Berlin auch mal häufiger miteinander segeln gehen", sagt Murmann nachdenklich. Der 78-Jährige ist einer von zweien aus der damaligen Crew, der noch lebt.

Bis vor Kurzem noch jagte Murmann den Rekorden hinterher: Bis heute unerreichte Bestzeit auf der Rund-Skagen-Regatta von Helgoland nach Kiel. 2003 schnellstes Boot bei der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge (DCNAC), einem wilden Ritt von Newport bei Boston nach Cuxhaven. Jene Route, auf der 2007 auch Jürgen Großmann (heute RWE) und Dieter Schweer (heute BDI) zum Starterfeld zählten.

Auf die ganz großen Regatten hat Murmann nun keine Lust mehr, "das ist sicher auch eine Folge des Alters". Seine Unternehmensgruppe Sauer-Danfoss hat er verkauft. Geblieben ist Murmann eine Mehrheitsbeteiligung an Knierim, einer renommierten Kieler Jachtwerft.

Dort hat sich Murmann auch sein neues Boot bauen lassen: ein 19 Meter langer Daysailer, ein Gran Turismo auf dem Wasser, der schnelles Segeln ermöglicht, aber mit allem Komfort. Statt harter Holzbänke säumen Sofas das Achterdeck, per Knopfdruck holen sirrende Hydraulikwinschen die Segel dicht.

Kurz nach dem Ablegen weiß der Bootsmann, der mit Murmann schon die DCNAC segelte, was er zu tun hat: Unaufgefordert entkorkt er eine Flasche eiskalten Sancerre und reicht seinem Eigner ein stattliches Glas voll. Und bevor sich Murmann vom Sofa erhebt und selbst das Steuer übernimmt, klappt ihm der Bootsmann fürsorglich ein kleines Podest auf, mit dem Murmann trotz der erheblichen Schräglage des Bootes waagerecht stehen kann.

Nach dem Anlegen schenkt Murmann seinem Bootsmann ein leichtes Lächeln: "Tja, ich seh' uns noch vor Newport liegen. War 'ne schöne Zeit."

"Jau", antwortet der Bootsmann.

Millionärsträume: Die exklusiven Jachten der Wirtschaftskapitäne

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