Samstag, 30. Juli 2016

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Fachkräftemangel Frustrierte Firmen wenden sich von Deutschland ab

Branchenüberblick: Wo die meisten Ingenieure fehlen
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DPA

Während Deutschland über den Fachkräftemangel debattiert, schaffen manche Firmen Fakten. Anstatt auf Einwanderer zu warten, bauen sie ihre Labore und Entwicklungszentren gleich in Ländern, wo sie genügend Ingenieure finden. Fachleute erwarten, dass sich dieser Trend verstärken wird.

Hamburg - Regelmäßig muss sich Airbus-Chef Tom Enders für etwas rechtfertigen, das er als völlig normal ansieht. Der Flugzeugbauer, dessen Mitarbeiter noch ganz überwiegend in Europa beschäftigt sind, soll endlich ein wirklich internationales Unternehmen werden. Dazu soll es verstärkt in anderen Teilen der Welt Flugzeuge herstellen - und entwickeln. Auch, weil das Reservoir an Ingenieuren und anderen Fachkräften in Mitteleuropa immer knapper wird.

Also geht der Mutterkonzern EADS Börsen-Chart zeigen nach Asien. "Indien verfügt über eine große Anzahl hervorragend ausgebildeter Spezialisten", sagte Technikchef Jean Botti, als er im Winter eine Forschungszweigstelle des Konzern-Entwicklungsnetzwerks in Bangalore eröffnete. Das Unternehmen benötige dringend "einen besseren Zugang zu Engineering-Ressourcen".

Wie Airbus nimmt eine wachsende Zahl von Unternehmen andere Länder auch wegen ihrer gut ausgebildeten Fachkräfte ins Visier. Denn in Deutschland kämpfen die Firmen um eine schrumpfende Zahl von qualifizierten Mitarbeitern. Vor allem Ingenieure fehlen in vielen Bereichen - nach Angaben des Vereins deutscher Ingenieure zurzeit 36.800.

Viele Firmen vertrauen nicht darauf, dass die endlosen Debatten um Zuwanderung und Weiterbildung den gewünschten Erfolg bringen. Dafür sind die mittel- und langfristigen demografischen Trends auch zu ernüchternd. Um eine Million Menschen schrumpft das Arbeitskräftereservoir alle vier Jahre, rechnen Experten vor.

Siemens, Daimler, SAP - die großen Firmen forschen längst im Ausland

Deutsche Firmen, die ihre Weltmarktstellung verteidigen und ausbauen wollen, müssen daher einen immer größeren Teil auch von Forschung und Entwicklung in andere Länder verlegen. "Die Bedeutung des Themas wird wachsen", sagt Ökonomin Vera Erdmann vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW).

Indien ist schon heute das Paradebeispiel. Siemens Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen, BASF Börsen-Chart zeigen sind dort mit Entwicklungsabteilungen vertreten - allen voran der Softwarekonzern SAP Börsen-Chart zeigen, für den schon 4500 Beschäftigte arbeiten.

"Die Fälle, in denen deutsche Unternehmen Teile ihrer Forschung und Entwicklung nach Indien verlagern oder dort neue Kapazitäten aufbauen, nehmen zu", sagt der Geschäftsführer der deutsch-indischen Handelskammer, Bernhard Steinrücke, gegenüber manager magazin. "In Indien werden jedes Jahr mehrere Hunderttausend Ingenieure ausgebildet. Nach einer weiteren Praxisausbildung sind die deutschen Firmen überwiegend sehr zufrieden mit ihnen."

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