Donnerstag, 13. Dezember 2018

Solarbranche Sonnenwende für deutsche Anbieter

Kraft aus der Sonne: "Deutsche Firmen müssen Ausweichstrategien entwickeln"
Schott Solar
Kraft aus der Sonne: "Deutsche Firmen müssen Ausweichstrategien entwickeln"

3. Teil: Welche Ausweichstrategien die deutschen Hersteller verfolgen

Gleichzeitig verlegt sich Solarworld auf eine Premium-Strategie. Firmensprecher Milan Nitzschke betont, dass man die Module in den jeweiligen Zielmärkten weltweit selbst baut - etwa in den USA. "Es hilft keinem Kunden, wenn eine Charge chinesischer Module geliefert wird, die Qualitätsabweichungen hat und die Leistung der gesamten Anlage runter setzt", ätzt er. Außerdem weisen die Vertreter deutscher Solarfirmen gerne darauf hin, dass ihre Systeme unter "sauberen" Produktionsbedingungen entstehen. Damit zielen sie gegen chinesische Konkurrenten, die angeblich die Umwelt übermäßig verschmutzen.

Experten wie Bernd Schüssler vom Fachmagazin Photon sind skeptisch, ob Gütesiegel à la "Made in Germany" auf dem künftigen Massenmarkt von Interesse sind, wenn chinesische Zell- und Modulbauer den Preis bestimmen.

Wer über die Kosten mithalten will, lässt seine Module im Auftrag von Spezialisten bauen, so wie das Anbieter von Unterhaltungselektronik wie Apple längst tun. Q-Cells, im vergangenen Jahr von herben Verlusten gebeutelt, hat Anfang des Jahres einen solchen Vertrag mit dem Produktionsdienstleister Flextronics aus Singapur abgeschlossen. Die Asiaten sollen in ihrer Fabrik in Malaysia Produktionskapazitäten von 200 Megawatt für Q-Cells aufbauen. Auch US-Modulbauer Sunpower arbeitet mit Flextronics zusammen. "Das halte ich für den richtigen Weg", sagt iSuppli-Analyst Stefan de Haan. "So können die Firmen Marktanteile halten, ohne selbst Kapazitäten aufbauen zu müssen." Allerdings seien die meisten deutschen Anbieter von dieser Art der Auftragsfertigung noch weit entfernt.

Kleine Modulbauer, die nicht in Fernost produzieren, bleibt einzig die Spezialisierung. Beispiel Solarwatt AG, Dresden. Dort bekommen Kunden Sonnenmodule in Spezialgrößen und halbtransparente Zellen für den Einbau in Fassaden oder Wintergärten. "Bei Yingli", sagt Sarasin-Experte Fawer, "gibt es dagegen nur ein paar Standardmodule". Ingenieurdienstleister und Fabrikplaner aus Deutschland sind weiterhin gefragt. Und richtig gut geht es deutschen Maschinen- und Anlagenbauern wie Manz oder Centrotherm, die fleißig Produktionsanlagen an Zell- und Modulbauer liefern, egal ob sie Yingli, Flextronics oder Solarworld heißen. Centrotherm macht seit Jahren mehr als 80 Prozent seines Geschäfts im Ausland. Und im ersten Halbjahr 2010, als deutsche Modulbauer noch einmal den deutschen Markt hochleben ließen, stieg die Exportquote der Firma aus Blaubeuren auf satte 94 Prozent.

Seite 3 von 3

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH