Dienstag, 11. Dezember 2018

Ölpest BP-Chef verhandelt in Abu Dhabi

Tiefe Taschen: Scheich Khalifa bin Zayed al-Nahayan hat schon dem bedrängten Nachbarn Dubai mit Geld ausgeholfen. Für den Staatsfonds AIDA könnte sich eine strategische Beteiligung an BP lohnen

Der Chef des britischen Ölriesen BP, Tony Hayward, hat auf seiner Reise durch den Nahen Osten im Emirat Abu Dhabi haltgemacht. Der Konzern, dessen Börsenwert sich mehr als halbiert hat, sucht nach finanzstarken Verbündeten, um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Für den Staatsfonds ADIA könnte sich eine interessante Gelegenheit bieten.

Abu Dhabi - Der BP-Chef sei auf einer "generellen Serie von Besuchen bei unseren wichtigen Partnern", sagte ein Unternehmensprecher. Der Besuch in Abu Dhabi sei "privat", fügte er hinzu. Nach Einschätzung von Analysten allerdings ist BP auf der Suche nach Verbündeten, um angesichts der Milliardenkosten durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine mögliche feindliche Übernahme abwehren zu können.

BP hat seit der Explosion und dem Sinken der Ölplattform "Deepwater Horizon" vor rund zwei Monaten mehr als die Hälfte seines Börsenwertes verloren. Die Kosten für die Reinigung des Meeres und der Küsten von den Millionen Litern des immer noch aus dem lecken Bohrloch ausströmenden Öls sowie für Entschädigungen summieren sich schon jetzt auf 3,12 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro).

Weitere 20 Milliarden Dollar will BP in den kommenden drei Jahren in einen Fonds einzahlen, aus dem die Kosten des Kampfs gegen die Katastrophe beglichen werden sollen. In dieser Situation ist BP ein lukrativer Übernahmekandidat - denn das Unternehmen verfügt immer noch über wertvolle Anlagen weltweit. Analysten bescheinigen BP zudem eine weiterhin hohe Finanzkraft.

Staatsfonds ADIA verwaltet 600 Milliarden Dollar

In Abu Dhabi traf sich Hayward mit verschiedenen Gesprächspartnern, der Konzern machte aber keine genaueren Angaben. Auch der Staatsfonds des Emirats, die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), wollte ein mögliches Treffen nicht kommentieren. Die ADIA gilt als der größte Staatsfonds der Welt und verwaltet schätzungsweise 600 Milliarden Dollar. "Es ist klar, dass die Staatsfonds am (Persischen) Golf Interesse an BP haben", sagte der in Dubai tätige Analyst Ibrahim Chajat. "Diese Gelegenheit darf man nicht verpassen - besonders, da die derzeitigen Finanzprobleme der Gruppe nicht den strategischen Wert ihrer Anlagen auf der ganzen Welt in Frage stellen."

Die Plattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert, wobei elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank sie, seitdem strömen täglich Millionen Liter Öl ins Meer. Es ist die größte Ölkatastrophe in der US-Geschichte. Experten schätzen, dass die Katastrophe den Konzern insgesamt zwischen 30 bis 100 Milliarden Dollar kosten wird. Nach britischen Medienberichten trifft die britische Regierung bereits Vorkehrungen für den Fall eines Zusammenbruchs des BP-Konzerns.

la/afp

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