Samstag, 24. Juni 2017

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Eine Stunde mit Hillary Clinton Das Potenzial von Frauen nutzen

Hillary Clinton: Mit Leistung, starkem Willen, Wissensdurst und Disziplin an die Spitze

Wie erklären sich die Lebensleistungen so unterschiedlicher Menschen wie Warren Buffett und Herbert von Karajan, Bill Gates oder Hillary Clinton? manager magazin Online präsentiert Auszüge aus dem Bestseller "Management - Von den Besten lernen". Lesen Sie im sechsten Teil, wie Hillary Clinton zum Vorbild für Generationen wurde.

Hillary Rodham Clinton (*1947) begriff sich immer als eigenständige politische Akteurin. Das brachte ihr grenzenlose Bewunderung und heftige Ablehnung gleichermaßen ein. Für Millionen von Frauen in aller Welt ist sie ein Vorbild dafür, wie man sich durch Leistung, starken Willen, Wissensdurst und Disziplin bis an die Spitze der Weltpolitik arbeiten und sich dort gegen alle Widerstände behaupten kann.

Die heutige Außenministerin der Vereinigten Staaten studierte am Wellesley College und in Yale. Als erfolgreiche Prozessanwältin machte sie in den späten 80er Jahren auf sich aufmerksam, zweimal wurde sie in die Liste der 100 einflussreichsten Anwälte der USA aufgenommen.

1983 trat sie erstmals politisch in Erscheinung, als sie ein weit über die Grenzen des Bundesstaats Arkansas hinaus beachtetes Konzept zur Reform des Schulwesens für ihren Mann Bill Clinton erarbeitete, der zu dieser Zeit dort Gouverneur war. In seiner Zeit als US-Präsident in den Jahren 1993 bis 2001 war sie die bis dato politisch aktivste First Lady der USA und unterstützte ihren Ehemann insbesondere in Belangen der Sozialpolitik. Sie war bei vielen Wählern beliebt und startete im Jahr 2000 ihre eigene politische Karriere, mit dem Erfolg, dass sie zur Senatorin im Bundesstaat New York gewählt wurde, wo ihr 2006 auch die Wiederwahl gelang. Im Jahr 2007 entschieden sich die Demokraten jedoch nicht für sie als Präsidentschaftskandidatin, sondern für Barack Obama, den sie zusammen mit Joe Biden in der Schlussphase der Präsidentschaftswahl nach Kräften unterstützte.

Clara Schumann, Steffi Graf, Simone de Beauvoir

Sie haben es sicher schon bemerkt: Es gibt zu viele Männer in diesem Buch. Das liegt nicht daran, dass es an exzellenten Beispielen von Frauen fehlte, ganz im Gegenteil. Viele der behandelten Themengebiete hätten bestens anhand der Biografien und Leistungen von Frauen illustriert werden können: Clara Schumann, die Pia­nistin und Komponistin und eine der führenden Musikerinnen des 19. Jahrhunderts, hätte eine Fülle von Beispielen geliefert. Steffi Graf, die bei 22 Grand-Slam-Turnieren triumphierte, davon siebenmal in Wimbledon, und 377 Wochen auf Platz eins der Weltrangliste stand, länger als je ein anderer Tennisprofi zuvor. Marie Curie, die polnisch-französische Chemikerin, die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und das gleich zweimal: 1903 in Physik zusammen mit ihrem Ehemann Pierre Curie und ihrem Lehrer Antoine Henri Becquerel und 1911 alleine in Chemie.

Maria Theresia, österreichische Regentin, Königin von Ungarn und Böhmen, die 1746 gegen großen Widerstand mit inneren Reformen die Umstrukturierung ihres Reichs begann, wobei sie unter anderem das Schulwesen erneuerte und dem Volk Zugang zu allgemeiner Schulbildung verschaffte sowie eine Universität in Wien errichtete. Anita Roddick, die herausragende Unternehmerin und Gründerin des Kosmetikunternehmens The Body Shop, die nicht nur durch eine kluge Strategie, sondern auch durch Marketingkonzepte, die vor allem auch auf Mundpropaganda basierten, ihrer Zeit weit voraus war. Simone Young, eine der berühmtesten Dirigentinnen unserer Zeit, der bis heute viele Auszeichnungen und Ehrungen zuteilwurden und die es 1993 als erste Frau in der Geschichte schaffte, die Leitung der Wiener Philharmoniker zu übernehmen, die damals nur aus Männern bestanden.

Nicht zuletzt hätte Simone de Beauvoir, die französische Schriftstellerin, die als bedeutendste Theoretikerin der Frauenfrage und als "Galionsfigur der weiblichen Emanzipation" gilt, viele Anknüpfungspunkte zum Thema Führung geboten. Wenn jemand als Antreiber von Innovationen auf dem Gebiet der Gleichberechtigung der Geschlechter gelten darf, dann wohl allen voran sie. Ihr wegbereitendes Buch "Das andere Geschlecht" wurde bereits im Jahr 1949 veröffentlicht. Ihre Ansichten zu Sexualität, Mutterschaft und Abtreibung lösten einen Sturm der Entrüstung aus, und der Vatikan setzte das Buch auf den Index. Das Werk wurde durch die Frauenbewegung der 1970er-Jahre wiederentdeckt, millionenfach in aller Welt verkauft und gilt heute als eines der bedeutendsten Werke des Feminismus. Alle diese Beispiele hätten bestens zur Illustration von wirksamem Management dienen können. Unsere Gesellschaft hat viel Nachholbedarf, was Frauen in Spitzenpositionen angeht.

In Anbetracht der Fülle an möglichen Beispielen könnte man gerade bei diesem Thema sagen, dass Hillary Clinton etwas zufällig gewählt ist. Wenn Sie so wollen, ja, man hätte bestens auch andere herausragende Frauen nehmen können; ich habe sie gewählt, weil sie weltweit vermutlich die bekannteste Frau in einer Topführungsposition ist.

Dieses Buch spiegelt jedenfalls ganz bewusst das Missverhältnis zwischen Männern und Frauen in leitenden Positionen wider. Werfen Sie einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis, wie ernüchternd so ein Verhältnis aussieht. Die Frauenquote in diesem Buch liegt bei unter zehn Prozent, in etwa genauso dramatisch niedrig wie in Spitzenpositionen der Wirtschaft. Das ist absolut untragbar! Aus den für Management zentralen Kriterien Leistung und Ergebnisse ist dieser Zustand weder zu erklären noch zu rechtfertigen und zudem ist es aus der Sicht von wirksamer Führung nicht resultatsorientiert, das wertvolle Potenzial ungenutzt zu lassen.

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