Samstag, 23. März 2019

Strategisches Management Wie Fußball-Manager entscheiden

Fußballtrainer Felix Magath: Als Producer, Mentor und Director erfolgreich

Zur Weltmeisterschaft hat das manager magazin eine Serie darüber gestartet, was Chefs von den Fußballprofis lernen können. Im dritten Teil geht es darum, welche Managementziele besonders hartnäckig verfolgt werden sollten.

Hamburg - Führungskräfte im Verein müssen im Profifußball in der Kommunikation nach innen und außen eine prekäre Balance wahren: Das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit von Vereinen sind zwar für die Außendarstellung eines Vereins extrem wichtig. Eine zu große Durchlässigkeit lenkt die Mannschaft und den Trainer aber von den eigentlichen Aufgaben ab. Die Abschottung in Trainingslagern, Geheimtrainings und das Prinzip, Interna auch wirklich intern zu diskutieren, mögen aus Sicht von Trainer und Mannschaft nachvollziehbar sein. Sie kollidieren aber mit dem öffentlichen Interesse, welches Ausdruck einer zunehmenden Kommerzialisierung des Sports ist.

Die Vereine müssen also Fans und Medien einerseits einbinden, andererseits gleichzeitig auch Abstand halten. Außenwirkung ist durch Abschottung nicht in der gewünschten Weise zu erzielen. Der öffentlich noch auf dem Platz nach dem verlorenen EM-Finale 2008 zwischen Michael Ballack und Oliver Bierhoff ausgetragene Streit ist Ausdruck dieser widerstreitenden und in diesem Fall nach Ansicht Ballacks offenbar schlecht ausbalancierten Interessen.

Die richtige Balance

Auch die verschiedenen Kundensegmente müssen unter einen Hut gebracht werden. Die Fans in der Kurve mögen vielleicht das Rückgrat des Vereins und unerlässlich für die gute Stimmung bei Heimspielen sein. Vom Stadioneintritt, dem Bierverkauf und ein paar Bratwürstchen alleine lassen sich aber nicht hinreichend Einnahmen erwirtschaften. Andererseits sorgen zwar Sponsoren und Premiumkundschaft für klingelnde Kassen, aber die Luxusfans beanspruchen dafür auch die besten Plätze im Stadion, schüren damit Neid unter den Fans und untergraben durch weniger Enthusiasmus und Anfeuerung die Stimmung und ein Gefühl von Ursprünglichkeit im Stadion.

Auch die Balance im Umgang mit den Spielern ist wichtig. Die Mannschaft soll nämlich einerseits als homogenes Team auftreten und einen starken Teamgeist entwickeln, andererseits werden jedoch oftmals Starspielern Sonderrechte eingeräumt. Werder Bremens Manager Klaus Allofs zum Beispiel äußerte im Jahr 2008: "Diego erfährt keine Sonderbehandlung, ist aber auch nicht gerade die Nummer 20 im Kader."

Die Mannschaft soll über einen längeren Zeitraum natürliche Hierarchien herausbilden, sich finden und an die Laufwege und Eigenarten der jeweils anderen Spieler gewöhnen, andererseits werden jedoch bestehende Strukturen in hoher Taktung durch die halbjährlichen Transfers, kurzfristige Leistungsexplosionen und -einbrüche sowie Verletzungs- und Rehapausen immer wieder verändert. Auch die Balance aus erfahrenen älteren Spielern und jungen, erfolgshungrigen Spielern macht immer wieder schwierig auszutarierende Balancestrategien auf Seiten des Trainers notwendig.

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