Montag, 18. Juni 2018

BP Skandalkonzern auf dem Grabbeltisch

Umweltskandal: Ölkonzern BP weiß sich nicht anders zu helfen, als das auslaufende Öl auf dem Wasser einfach abzufackeln - dabei kommen Tausende Meerestiere ums Leben

Um 100 Milliarden Dollar ist der Börsenwert des Energiekonzerns BP seit Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko gesunken. Kein Wunder, dass die Konkurrenz und arabische Schnäppchenjäger den Blick auf die angeschlagene Skandalfirma richten.

Dubai/Washington - Der wegen der Ölpest in den USA angeschlagene Energiekonzern BP könnte Medienberichten zufolge finanzielle Unterstützung aus dem Nahen Osten bekommen. Dabei gehe es auch um den möglichen Kauf von Kernbestandteilen des Unternehmens, berichtete die Zeitung "The National" aus Abu Dhabi am Sonntag unter Berufung auf informierte Kreise. Der französische Ölkonzern Total interessiert sich inzwischen ebenfalls für Teile von BP.

Mehrere Anleger aus der Region hätten BP-Beratern in London Vorschläge für ein strategisches Investment gemacht, berichtete das Blatt aus Abu Dhabi. Neben dem Erwerb von Geschäftsteilen könnten sich die Finanzfirmen auch eine Beteiligung an etwaigen Kapitalerhöhungen vorstellen. Die Zeitung nannte weder mögliche Summen für ein Investment noch den Namen der Interessenten.

Total brachte sich hingegen selbst ins Spiel. Es habe derzeit zwar nicht Priorität, sich Teile von BP anzuschauen, sagte Firmenchef Christophe de Margerie. "Sollten sie aber zum Verkauf gestellt werden, würden wir sie natürlich näher betrachten." Eine Komplettübernahme schloss er aber aus.

BP hat seit der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" am 20. April rund 100 Milliarden Dollar an Marktwert verloren. Dies löste an den Börsen Übernahmespekulationen aus. Anleger rechnen einem Bericht der "Financial Times" zufolge daher mit einer Ablösung der Konzernspitze, sobald das defekte Bohrloch abgedichtet ist.

Wenn der Ölgigant nicht in ruhigeres Fahrwasser gebracht werde, könne BP ins Visier von Rivalen wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell oder PetroChina geraten, berichtete die "FT" unter Berufung auf eine Person, die an der Erarbeitung der BP-Strategie beteiligt sei.

Im Golf von Mexiko begann derweil ein umgerüsteter Tanker mit zweitägigen Tests zum Absaugen von ausgelaufenem Öl. Der Supertanker mit dem Namen "A Whale" startete nach dem Durchzug eines Hurrikans am Samstag mit Probeabsaugungen. Die Arbeiten nördlich des Lecks werden von der US-Küstenwache beobachtet, wie ein Sprecher von TMT Shippping Offshore, dem taiwanischen Schiffseigner, mitteilte.

Wenn alles nach Plan verläuft, hofft TMT, einen Vertrag für Absaugarbeiten zu erhalten. Das Schiff kann nach Angaben der Besatzung bis zu 500.000 Barrel (knapp 80 Millionen Liter) Öl-Wasser-Gemisch pro Tag von der Meeresoberfläche aufnehmen.

Unterdessen will ein von Präsident Barack Obama eingesetzter Untersuchungsausschuss zur Ölkatastrophe Mitte Juli erstmals öffentlich tagen. Bei dem zweitägigen Treffen in New Orleans am 12. und 13. Juli werde die Kommission Ölpestbetroffene anhören, teilten führende Mitglieder Ausschusses mit. Zudem werde man den Rat von Experten zu regulatorischen, technischen, rechtlichen und wissenschaftlichen Themen sowie Fragen des Risikomanagements suchen, um sicherzustellen, dass jegliche Tiefseebohrungen sicher seien.

nis/rtr

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