Sonntag, 25. Juni 2017

Gefährliche Entwicklung China-Spione spähen Deutschlands Firmen aus

Spionage gefährdet deutschen Wohlstand: Unternehmen sollten sich vor Angriffen schützen

Die Bundesregierung hat kleine und mittelständische Unternehmen aufgerufen, sich stärker vor Wirtschaftsspionage über das Internet zu schützen. Besonders hohe Schäden richteten Spione aus Russland und China an. Jetzt will Deutschland zurückschlagen.

Der Kampf gegen Wirtschaftsspionage soll ein neuer Schwerpunkt der Arbeit des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) werden. Das hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Berlin bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2009 angekündigt.

Die zunehmenden Angriffe auf Firmen-Computersysteme gefährdeten den technologischen Vorsprung deutscher Unternehmen und damit letztlich Arbeitsplätze, warnte Innenminister de Maiziere. Kleine und mittelständische Firmen unterschätzten jedoch häufig die Gefahr. Grundsätzlich sind die Geheimdienste Chinas und Russlands laut Verfassungsschutz am aktivsten in Deutschland, und zwar auch in der Wirtschaftsspionage.

Spioniert werde hierzulande aber auch im Auftrag anderer Länder des Nahen und Fernen Ostens sowie Nordafrikas. Neben Unternehmen seien zunehmend Regierung, Wissenschaft und Forschung Opfer der Wirtschaftsspione. Gerade technologisch innovative Firmen mit führender Position auf dem Weltmarkt seien Ziel der Wirtschaftsspionage durch ausländische Geheimdienste, sagte de Maiziere. Diese Firmen davor zu schützen, dass ihr Wissen von ausländischen Staaten über das Internet abgeschöpft werde, sei eine bedeutende Herausforderung der kommenden Jahre.

Die Unternehmensspitzen müssten sich damit stärker als bisher auseinandersetzen. "Informationsschutz ist Chefsache und muss Chefsache sein für deutsche Wirtschaftsunternehmen", betonte de Maiziere. Viele deutsche Firmen sparten jedoch wegen der Wirtschaftskrise an ihren Sicherheitsmaßnahmen im Internet und Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter. "Unternehmen ignorieren oder unterschätzen nachrichtendienstliche Aktivitäten und betrachten das eigene Know-how als nicht gefährdet", bemängelt der Verfassungsschutzbericht.

Als größte Auftraggeber der Wirtschaftsspionage im Internet nennt der Bundesverfassungsschutz China und Russland. Deren Geheimdienste interessierten sich in Deutschland sowohl für technische Informationen als auch für Unternehmensstrategien. Die chinesischen Angriffe erfolgten meist über Emails, deren Anhänge Schadprogramme enthielten, die dann Informationen abschöpften und nach China schickten. 2009 seien mehrere hundert Attacken von China aus allein gegen deutsche Behörden festgestellt worden. Die chinesischen Geheimdienste interessierten sich besonders für neue Produkte, Herstellungsprozesse und aktuelle Forschungsergebnisse, heißt es in dem Bericht.

Ihre Helfer würden die Dienste unter anderem unter den etwa 80.000 in Deutschland lebenden Chinesen anwerben, von denen viele als Studenten oder Gastwissenschaftler hier leben. Auch Mitglieder chinesischer Wirtschaftsdelegationen seien auf Besuch in Deutschland durch Spionagebemühungen aufgefallen und hätten etwa Werksbesichtigungen mit Minikameras dokumentiert.

Die russischen Geheimdienste bemühen sich dem Bericht zufolge stark um Informationen über die internationale Wirtschaftskrise sowie deren Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt, die Preisentwicklung und die russischen Finanzinstitute. Außerdem hätten die Spione ihre Bemühungen auf den Energiemarkt, alternative und regenerative Energien sowie Maßnahmen zur Energiesicherheit in Deutschland gerichtet, heißt es im Verfassungsschutzbericht. Beim wissenschaftlichen Know-how gehe es den Russen vor allem um Informationen über Biotechnologie sowie Luft- und Raumfahrt.

kst/afp/dpa-afx

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