Samstag, 23. Februar 2019

Elektromobilität Wenn der Akku auf der Landstraße stirbt

Nissan Leaf: Mit 160 Kilometer Reichweite kann das Elektroauto mit Benzinern noch nicht mithalten

In den USA, England und den Niederlanden erwarten Kunden den "Nissan Leaf", doch am deutschen Markt rollt das erste Elektroauto vorbei. Dies liegt nicht nur an fehlenden Subventionen für die Käufer: Viele Kunden sind besorgt, mit ihrem emissionsfreien Auto nach knapp 150 Kilometer liegenzubleiben.

Langfristig ist Elektromobilität, kombiniert mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energieträgern, ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Die Exportausgaben für zunehmend teurer werdendes Öl lassen sich reduzieren, es werden nationale Investitionen und Wertschöpfung gefördert, und wir schaffen eine nachhaltige Mobilitätsalternative.

Doch um die Elektromobilität aus ihrer Nischenstellung herauszuholen, ist, einem Zitat von Verkehrsminister Ramsauer folgend, kein Kurzstreckenlauf zu bestreiten, sondern ein Marathon, bei dem es gilt, die Reserven einzuteilen und einen Trainingsplan zu entwickeln. Nicht derjenige, der hastig losrennt, wird unbedingt zu den Gewinnern gehören.

Im Wettlauf um emissionsfreie Autos überbieten sich derzeit Autofirmen mit Prototypen, Pilotversuchen und marketingwirksamen Produktankündigungen. In wenigen Jahren werden die elektrisch betriebenen Serienfahrzeuge von fast allen großen Autoherstellern angeboten und verkauft werden. Auch Politiker haben das Konzept der Elektromobilität für sich entdeckt: Nach der von der Kanzlerin einberufenen "Nationalen Plattform Elektromobilität" unterschrieb Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mit seinen Kollegen aus Frankreich, Portugal und Spanien eine Erklärung zur Elektromobilität in Europa, in der die vier Minister fordern, dass die europäische Strategie für Elektrofahrzeuge Bestandteil der EU-2020-Wirtschaftsstrategie wird, die im Juni vom Europäischen Rat beschlossen werden soll.

Warteliste für das Elektroauto "Nissan Leaf"

Am 20. April 2010 hat der japanische Autokonzern Nissan in den Vereinigten Staaten Reservierungen für das erste Elektroauto entgegen genommen. Dieses Auto heißt Nissan Leaf. Bislang haben sich mehr als 13.000 Interessierte in die Warteliste eingetragen und die anfallenden 100 Dollar Gebühr gezahlt. Herstellerangaben zufolge wird der Nissan Leaf auch in einigen europäischen Ländern für unter 30.000 Euro zu erwerben sein, ähnlich günstig wie ein vergleichbares Benzin- oder Hybridfahrzeug.

Ab Juli dieses Jahres können sich Interessierte in Großbritannien, den Niederlanden, Irland und Portugal auf Wartelisten setzen lassen - dort, wo laut Nissan die höchsten staatlichen Subventionen für Elektroautos verfügbar sind. In Großbritannien werden beispielsweise bis zu 5000 Pfund des Kaufpreises finanziert, was die Kosten auf rund 27.500 Euro sinken lässt.

Keine Subventionen für Käufer in Deutschland geplant

Deutsche Autofahrer müssen sich noch bis Ende 2011 gedulden: Als Markt geht Deutschland bei der ersten Verkaufswelle des Leaf leer aus, da von Regierungsseite keinerlei Subventionen für potenzielle Käufer geplant sind.

Der Enthusiasmus für die Elektromobilität sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch Jahre vergehen werden, bevor sich das rein batteriebetriebene Auto aus einer privilegierten Nischenstellung in den Massenmarkt bewegt. Es ist teurer und leistet weniger als ein Fahrzeug mit effizientem Verbrennungsmotor.

Der Nissan Leaf kommt mit einer Batterieladung gerade mal 160 Kilometer weit, Mitsubishis i-MiEV, der in Japan schon verkauft wird, laut Herstellerangaben auf rund 144 Kilometer. Wer mit dem Gedanken spielt, sich in den kommenden Monaten auf einer Warteliste für ein rein batteriebetriebenes Elektroauto einzuschreiben, muss die Möglichkeit in Kauf nehmen, auf der offenen Landstraße ohne Restenergie liegenzubleiben. Diese Sorge nennt man "Range Anxiety".

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