Mittwoch, 28. Juni 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Unternehmenskultur Stress, Kündigungen, Überlastungen

Weil viele Konzernlenker ihren Arbeitsstil zu wenig hinterfragen, verlieren sie den Blick für ihre Mitarbeiter. So setzen Stress, Kündigungen und Arbeitsüberlastungen mehr und mehr Menschen zu. Dagegen müssen Manager etwas unternehmen. Und die Mitarbeiter auch.

Kürzlich hat Jeffrey Pfeffer, Professor der Business School in Stanford, darauf hingewiesen, dass wir in puncto Schutz und Konservierung zwar auf Natur und kulturelle Artefakte achten, uns letztlich aber mehr um Eisbären und historische Milchkännchen sorgen als um die Menschen, die sich in ihrer Umwelt bewegen.

Gefahrenpunkt Überarbeitung: Manager müssen auch für gutes Arbeitsklima sorgen
Auch Unternehmen, die sich als sozialverantwortliche Organisationen definieren, beschäftigen sich kaum mit der Frage, wie sich ihre Managementpraktiken auf das psychische und physische Wohlergehen ihrer Mitarbeiter auswirken. Mangelnde Gesundheitsversorgung, Kündigungen, Arbeitsüberlastung, Stress, zunehmend fehlende Zeit für die Familie, all das sind Negativfaktoren, die ihren Tribut fordern und deshalb ernst genommen werden sollten, ehe es irgendwo wie bei France Telekom zu arbeitsbedingten Selbstmorden kommt.

Allerdings geht es hier nicht nur um individuelle Fälle, sondern um einen Problemkomplex, der über das Einzelunternehmen hinaus die Gesellschaft betrifft. Das fängt bei der Frage der Kinderzahl einer Familie an. Wenn die Entscheidung, ob man sich Kinder leisten kann und wenn ja wie viele, von den Aufstiegsmöglichkeiten oder -grenzen eines Elternteils abhängt, dann verzahnen sich an dem Punkt Organisation, individuelle, familiäre und gesellschaftliche Erwartung. Natürlich wird dieses Problem dadurch weiter verstärkt, dass die Wiederaufnahme des Berufs nach der Schwangerschaft immer noch schwierig ist.

Rückkehr in den Beruf: Nicht immer von Unternehmen in Deutschland erleichtert
Schauen wir uns also Eltern mit Kindern an. In dieser Beziehung nehmen Eltern die Rolle des Vorbilds ein. Ob sie es wollen oder nicht, wird diese Rolle auch von ihrem beruflichen Alltag geprägt. Und das, was Kinder aus dem Verhalten ihrer Eltern ablesen, wird für sie maßgeblich, wenn sie sich selbst mit Beruf und Karriere auseinander zu setzen beginnen und überlegen, wie viel sie bereit sind, in diese Vorbereitung zu investieren. Sollten Kinder zu der Einsicht kommen, dass die Investition in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht, wird das gleichermaßen gesellschaftliche Konsequenzen haben.

Das, was in Europa mitunter schon an der Tagesordnung ist, nämlich dass Elternteile wöchentlich zwischen Arbeitsplatz und Familie pendeln, Mütter oder Väter alleinerziehend oder entfremdet sind und gebrochene Familienleben führen, wird Kinder kaum verlocken, es ihren Eltern nachzutun. Aber auch wenn beide Elternteile abends zuhause sind, tagsüber an ihrem Arbeitsplatz jedoch leiden, werden sie ihre Sorgen und Ängste in die Familie zurücktragen. Kinder registrieren das. Auch in dem Punkt werden sie sich später an der Erfahrung ihrer Eltern orientieren.

Die Frage ist, was sie zurzeit aus ihrer Beobachtung lernen? Dass es endlose Meetings, Telefonkonferenzen und Emailkorrespondenzen gibt, von den politischen Rangeleien und Machenschaften ganz zu schweigen. Sie sehen, dass ihre Eltern keinen Schritt ohne ihr Handy machen, mit dem sie fast ausschließlich Job-relevante Gespräche führen, ganz gleich zu welcher Tageszeit, ob am Wochenende oder in den Ferien.

Um zu erkennen, was in ihren Kindern vor sich geht, fehlt ihnen folglich die Zeit. Dass Kinder erfassen, wie hart ihre Eltern arbeiten, hat per se noch keinem von ihnen geschadet; doch festzustellen, dass diese Arbeit bar sichtbarer Inhalte ist und sich mit permanenter Freudlosigkeit und Leiden paart, wird keinen motivieren, ihnen nachzueifern.

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH