Montag, 28. Mai 2018

Bewerbertagebuch Kontakte, Cases, Karriere

6. Teil: "Die sprechen mich auf allen Kanälen an"

Mai 2010

03. Mai: Erneut bekam ich eine Kontaktanfrage von Access Kelly OCG GmbH, dieses Mal jedoch via Absolventa. Ich bekam das Gefühl, von "denen" auf allen Kanälen angesprochen zu werden - sei es Xing, Absolventa oder per E-Mail. Ich schaltete den Kontakt frei, bedankte mich und wies darauf hin, dass meine Bewerbung für Events der Art, wie sie vorgeschlagen wurden, bereits erfolgt waren. Zudem merkte ich an, dass weitere Hinweise bereits durch Kolleginnen per E-Mail und Xing an mich gerichtet wurden.

04. Mai: Ich bekam per E-Mail Bescheid, dass ich auch an den Folgeveranstaltungen des Round Table mit der Bertelsmann AG teilnehmen könne. Ich freute mich darüber, denn unter anderem war auch eine Firmenbesichtigung geplant. Zudem würde es Möglichkeiten geben, interessante und informative Gespräche mit Mitarbeitern von Bertelsmann und seinen Tochtergesellschaften zu führen.

Ich bereitete Bewerbungen bei den verschiedenen Discountern vor, nachdem ich meine Gesprächsnotizen des Messebesuchs und Informationen aus dem Netz durchgesehen hatte.

Auf postalischem Wege erhielt ich eine Absage von KPMG. Obwohl ich meine Bewerbung direkt an die Niederlassung richtete, kam die Absage von KPMG aus der Zentrale in Berlin. Tja, damit war KPMG definitiv für mich nicht mehr relevant. Ich hatte gehofft, mit einer postalischen Bewerbung mehr zu erreichen. Zumal ich diese an den zuständigen Partner direkt gesandt hatte.

Mit der Info aus dem Firmenvortrag in Berlin auf der Connecticum, dass KPMG pro Jahr 30- bis 40.000 Bewerbungen erhält, war mir inzwischen klar, dass es einfach zu viele Bewerber für zu wenige Stellen gibt. Am selben Tag bewarb ich mich noch für ein Recruiting Event eines großen Medienkonzerns.

07. Mai: Ich konnte gerade noch einen signifikanten Fehler aus einer Bewerbung eliminieren, bevor ich sie abschickte. Den Namen falsch zu schreiben ist definitiv ein Knock-out-Kriterium - das konnte ich Gott sei Dank noch abwenden.

Gleichzeitig bewarb ich mich auf ein interessantes Trainee-Programm von Vodafone. Dem ist ein Recruiting-Event vorgeschaltet, am dem bis zu 20 potenzielle Kandidaten unter die Lupe genommen werden sollen. Die Bewerbung war im Vergleich zu anderen zunächst einfach und äußerst bewerberfreundlich. Man sollte seine "Success-Story" und seinen CV mailen und dann erfolgte die Vorauswahl. Dass die Noten eher weniger bedeutend sind, begrüßte ich sehr. Erstmals hatte ich das Gefühl dass das, was ich öfter lese - Unternehmen suchen Persönlichkeiten - in der Tat hier der Fall war.

10. Mai: Ich schickte eine Bewerbung an einen Discounter ab, der das gleiche Onlinebewerbungssystem nutzt wie KPMG. Dies erleichterte mir die Eingabe sämtlicher Daten und das Hochladen der notwendigen Dateien.

Zeitgleich erhielt ich einen Anruf des Medienkonzerns. Es wurde ein Telefoninterview für die darauffolgende Woche vereinbart. Kurz darauf kam die Bestätigung der telefonischen Absprache per E-Mail. Insgesamt war es ein guter Wochenstart: eine Bewerbung gesendet, eine Anfrage für ein Telefoninterview - so kann's weitergehen.

11. Mai: Ich erhielt eine telefonische Zusage für ein Vorstellungsgespräch, jedoch nur für ein gut bezahltes Praktikum. Die kleine Gesellschaft hatte im letzten Jahr auch Praktikanten eingestellt und sie dann nach drei Monaten übernommen. Das ist natürlich nicht der ideale Weg, aber ich stimmte dem Vorstellungsgespräch in zwei Wochen erst einmal zu.

12. Mai: Ich gab weitere Bewerbungen in Onlinebewerbungssysteme ein. Da ich mittlerweile eine gewisse Routine hatte, ging dies recht zügig. Verwundert war ich nur einmal, als ich bemerkte, dass bei einem Einzelhändler keine gesicherte Internetverbindung genutzt wurde.

13. Mai: Erneut fand ich eine ausgesprochen interessante Revisorstelle in einem Konzern in NRW. Alle Anforderungen meinte ich zu erfüllen, sogar die erwünschten osteuropäischen Sprachkenntnisse bringe ich mit. Daher führte ich noch ein kurzes Telefonat mit dem zuständigen Personaler und klärte letzte Fragen ab. Da ich die Bewerbung per E-Mail senden konnte, war ich sicher, dass sie gelesen würde. Letzteres bezweifle ich bei so manchem Onlinebewerbungssystem.

17. Mai: Das eine Woche zuvor vereinbarte Telefoninterview dauerte knapp eine halbe Stunde. Die zuständige Personalerin überprüfte meine Motivation bezüglich der ausgeschriebenen Stelle und hinsichtlich des potenziellen Arbeitgebers. Weiterhin sollte ich meine Meilensteine in meinem bisherigen Werdegang kurz darlegen. Insgesamt hatte ich ein positives Gefühl, welches jedoch durch zwei eher ungewöhnliche Fragen etwas getrübt wurde.

Am Nachmittag freute ich mich über die elektronische Zusage zum PwC Recruiting Event im kommenden Monat. Ich bekam das Gefühl, dass meine Bewerbungen peu à peu Früchte tragen und wurde zunehmend optimistischer im Sommer, spätestens jedoch im Herbst, einen Jobeinstieg verzeichnen zu können.

18. Mai: Postalische Absage einer mittelständischen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus der Region. Aus direkter Quelle wusste und weiß ich immer noch, dass Personal gesucht wird - leider jedoch nicht ich. Die Mühen einer Bewerbung auf konventionellem Weg haben sich in diesem Fall nicht gelohnt.

19. Mai: Der postalischen Absage vom Dienstag gehe ich auf den Grund. Ich rufe noch mal an und möchte den zuständigen Partner sprechen. Soweit komme ich jedoch nicht, bei der Sekretärin ist Endstation. Sie entgegnet mir nur, dass es zu viele Kandidaten gab. Ich frage noch mal detaillierter nach, da ich mich damit nicht zufrieden gebe, bekomme indes "Keine weitere Auskunft!" als direkte Antwort und merke schnell, dass man sich ungern in die Karten schauen lässt.

Am gleichen Tag erhalte ich eine Absage per E-Mail eines Einzelhändlers für ein Traineeprogramm. Darüber bin ich nicht großartig traurig, denn für mich ist auch hier schnell klar, dass ich in Onlinebewerbungssystemen derzeit kein Glück habe.

Positive Nachricht an diesem Tag ist, dass ich eine Mitteilung für eine andere Stelle erhalte, auf die ich mich vor 4 Wochen bewarb: Ich solle mich noch etwas gedulden. Eine Entscheidung steht baldmöglichst an.

20. Mai: Ich führe ein Telefonat zu einer ausgeschriebenen Stelle und hole mir letzte Details ein, bevor ich mich entschließe, mich darauf zu bewerben. Eigentlich hatte ich nur zwei bis drei Fragen, aber es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch. Währenddessen bemerkte ich einen Anruf auf der anderen Leitung, den ich nicht annehmen konnte. Kurz darauf rief ich zurück und freute mich über die Zusage zu einem Vorstellungsgespräch im Juni. Als ich die elektronische Bestätigung der Personalerin unter Angabe aller Gesprächspartner erhalte, freue ich mich, es wieder einen Schritt weiter geschafft zu haben.

21. Mai: Zum Wochenabschluss sende ich die Bewerbung auf die Stelle, für die ich tags zuvor das nette Telefonat geführt hatte. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ein kurzer Anruf zuvor viel bewirken kann. Denn manchmal erhält man sehr relevante Infos, die einem sonst nicht zur Verfügung stehen. Viel wichtiger ist jedoch, dass man als Bewerber hierbei einen ersten positiven Eindruck vermitteln kann.

25. Mai:

Heute habe ich ein Vorstellungsgespräch bei einer kleinen Prüfungsgesellschaft mit rund 30 Mitarbeitern. Das Vorstellungsgespräch ist jedoch für ein Praktikum. Darin liegt aber nicht das Problem, denn letztes Jahr hat diese Gesellschaft auch zwei Praktikanten nach drei Monaten übernommen. Die Bezahlung liegt höher als bei meinem KPMG-Praktikum. Das Gespräch mit dem Geschäftsführer und seinem Assistenten verläuft gut und in angenehmer Atmosphäre. Im Verlauf des knapp fünfzig Minuten dauernden Gesprächs werde ich konkret und stelle klar, dass ein Praktikum für mich als Hochschulabsolvent ohne Übernahmemöglichkeit keinen Sinn macht, da es nur eine weitere Zeit an Ungewissheit für mich darstellt. Ich merke, dass der Geschäftsführer mich für ein Praktikum einstellen würde, jedoch dieses Jahr eine Festanstellung als Prüfungsassistent nicht geplant ist, frühestens zum 1. Januar 2011. Das ist alles andere als akzeptabel. Daher wird es schwierig zueinander zu finden.

26. Mai:

Ich erhalte automatisch generierte E-Mail-Absagen von Netto und LIDL für die Bewerbungen als Trainee zum Verkaufsleiter. Damit ist das Kapitel Einzelhandel für Verkaufsleiterstellen zu Ende. Der "Ausflug" in diesen Bereich war ein gut gemeinter Versuc,h mehr Optionen zu haben.

In Zukunft konzentriere ich mich wieder auf die Prüfung, Revision und ausgewählte Assistentenstellen. Diese Einsatzbereiche entsprechen mehr meinen Kenntnisständen und Vorstellungen. Zudem kann ich hierbei womöglich eher meine Sprachkenntnisse wie Englisch und Russisch einsetzen, was für mich wichtig ist.

27. Mai:

An diesem Tag finde ich eine spannende Traineestelle. Vorab rief ich an und stellte noch wenige Fragen, um mir ein besseres Bild vom Traineeprogramm bilden zu können. Daraufhin bereite ich meine Bewerbung vor.

Die nächste Veranstaltung des Bertelsmann AG Round Table in Kooperation mit der Universität Bielefeld findet unter dem Titel "Insidertipps - Erfolgreich bewerben" statt. Sie beinhaltet einerseits einen Vortrag über Anschreiben, CV, etc., andererseits einen Übungsteil, bei dem die 18 Teilnehmer in Gruppen jeweils aus vier verschiedenen Bewerbungen, bestehend aus Anschreiben und CV, einen Kandidaten auswählen sollen. In die Rolle eines Personalers zu schlüpfen war eine sehr wertvolle Erfahrung, die mir hilft, noch einmal meinen Blick auf die eigenen Bewerbungen zu schärfen. Ich nutze diese Infos und finalisiere noch am selben Abend die vorbereiteten Bewerbungen, welche ich am nächsten Morgen per E-Mail absende.

Am Nachmittag erhalte ich eine Absage einer mittelständischen WP-Gesellschaft aus Hamburg. Positiv werte ich, dass es keine automatisch generierte E-Mail ist.

31. Mai:

Da ich am Wochenende eine vielversprechende Assistentenstelle in der Region auf der Seite eines Personalberaters gefunden habe, sende ich nach telefonischer Rückfrage eine Kurzbewerbung per E-Mail an den zuständigen Personalberater. Wie bei meinen ersten Personalberatererfahrungen ist der Bewerbungsprozess mehrstufig, wobei ich zunächst nur eine Kurzbewerbung zusende und daraufhin weitere Schritte folgen.

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