Sonntag, 22. Juli 2018

Griechenland Alles muss raus

Der Druck aus den Gläubigerstaaten nimmt zu: Das hoch verschuldete Griechenland muss seine Besitztümer verschleudern. Inseln stellt die Regierung noch nicht öffentlich zum Verkauf, doch deutsche Unternehmen und Immobilienkäufer können trotzdem das eine oder andere interessante Schnäppchen machen.

Hamburg - Der Vorschlag entfachte einen Sturm der Entrüstung. Griechenland möge seine Inseln verkaufen, um sich zu entschulden, forderten deutsche Politiker vor gut zwei Monaten. Doch die skurrile Idee gewinnt inzwischen an Relevanz. Seit die EU-Staaten das von der Staatspleite bedrohte Land mit Krediten über Wasser halten, nimmt der Druck auf Griechenland zu, sich von seinem üppigen Besitz zu trennen. Und das Land reagiert.

"Die Vorschläge, griechische Inseln zu verkaufen, trafen trotz ihrer Zuspitzung einen wahren Kern", sagt der Präsident des Verbandes "Die Familienunternehmer", Patrick Adenauer, gegenüber manager magazin. Auch durch den Verkauf von Immobilien und Staatsbeteiligungen müsse die griechische Regierung nun sicherstellen, dass Gläubigerstaaten wie Deutschland ihr Geld eines Tages wiedersehen und der Euro nicht vollends unter die Räder kommt.

"Im Rahmen von Insolvenzen in der Privatwirtschaft werden immer auch verwertbare Unternehmensanteile und Vermögen verkauft, die die Schuldenlast senken", sagt Adenauer. "Warum nicht auch hier als Teil der Sanierungsauflagen? Der griechische Staat verfügt über ein großes Immobilienvermögen, durch dessen Verkauf er Investitionen auslösen kann."

Die EU-Staaten fordern Griechenland offiziell nur mit leisen Tönen auf, das Tafelsilber zu verscherbeln. Doch die hellenische Regierung schafft bereits Fakten. Denn sie weiß genau, dass sie ihren Gläubigern deutliche Signale schuldet. Sie stellt erhebliche Teile ihres Besitzes zum Verkauf. Die Erlöse könnten zugleich den Haushalt entlasten, und das Land von Teilen seiner lähmenden Staatswirtschaft befreien, die laut einer OECD-Untersuchung überdimensionale Ausmaße angenommen hat. "Das stranguliert die gesamte Wirtschaft", sagt Adenauer. Nach Ansicht seines Verbandes kommen nicht zuletzt griechische Industrielle als Käufer für Teile der Staatswirtschaft in Frage.

Auch deutsche Unternehmen und Privatleute werden jedoch hellhörig. Lässt sich doch nun zum Schnäppchenpreis manches Filetstück der Hellenen erwerben, das dem eigenen Portfolio Glanz verleiht.

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